«Wir haben hier den grössten Warenkorb in ganz Österreich»

Wer in der Genussregion Gailtal unterwegs ist, kommt an Sissy Sonnleitners Restaurant in Kötschach-Mauthen nicht vorbei. Im Alpe Adria Kochstil angekommen, verkörpert sie eine umwerfende Mischung aus Tatkraft und Humor, garniert mit einer Prise Mütterlichkeit.

«Wir haben hier den grössten Warenkorb in ganz Österreich»
Bild: © Österreich Werbung/Andreas Jakwerth
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Frau Sonnleitner, stimmt es, dass Sie den Alpe Adria Kochstil erfunden haben?

Nein, erfunden hab ich ihn nicht. Den Begriff hat ein anderer Wirt vor langer Zeit geprägt. Aber wir haben diesen Kochstil kultiviert und auch salonfähig gemacht.

Wie das?

Als mein Mann und ich 1978 angefangen haben, hier zu kochen, da hat man sich in der Branche noch sehr stark an Deutschland orientiert – und dort wiederum sehr an Frankreich. Gänseleber oder Froschschenkel waren da gefragt. Mein Mann hat dann gesagt, für uns passt das gar nicht. Wir sollten uns nicht nach Norden orientieren, sondern nach Süden – weil wir ja hier in dieser wunderbaren Grenzregion leben. Meine Urgrosseltern zum Beispiel sind auch aus Italien gekommen.

Zurück zu den Wurzeln also.

Genau. Unser Kulturkreis ist ja ein Dreiländereck, und das ist ergiebig ohne Ende. Ich sage gern, wir haben hier den grössten Warenkorb in ganz Österreich. Und wir schauen bis heute über die Grenzen hinweg, wenn es um gute Produkte geht, und mischen die karnische mit der slowenischen und italienischen Küche. Ausserdem liegen wir hier ja an der Via Augusta, einem uralten römischen Handelsweg. Das heisst, der Austausch von Lebensmitteln ist in dieser Region jahrtausendealt. Und Alpe Adria Küche muss nicht immer Gourmetküche sein - auch ein knuspriges Kärntner Brot aus Natursauerteig mit etwas Olivenöl und Salz aus Italien ist ein Hochgenuss.

Apropos: Wie wird man denn zur Sterneköchin?

Naja, wir haben halt viel gearbeitet (lacht). Und haben auch einen eigenen Stil entwickelt. Eine Handschrift sozusagen, der wir seit 45 Jahren treu geblieben sind, selbst wenn wir immer wieder einmal etwas Neues machen. So wie meine Tochter, die Stephanie – die hat eine ganz starke Leidenschaft für die vegane Küche entwickelt. Wir haben dann bald gemerkt, dass diese Kost richtig gut tut. Und zwar nicht nur einem selbst, sondern natürlich auch der Umwelt. Wir sind aber natürlich keine 100%igen Veganer – es ist die Kombination, die es so spannend macht!

Haben Sie ein Credo?

Einer unserer Slogans ist: "Die Seele des Feinschmeckers berührt nur, wer die Einfachheit der Natur als Kunst begriffen hat". Also: Man muss sorgfältig mit den Dingen, mit der Natur umgehen. Damit man an die Seele der Produkte herankommt.

Das bedeutet auch ein klares Bekenntnis zur Regionalität.

Auf jeden Fall. Idealerweise fährt man durchs Land und findet das, was man am Tag gesehen hat, am Abend auf dem Teller wieder. Das ist genau das, was wir hier machen. Und es finden sich ja heute auch immer mehr Produzenten, die etwas wirklich Gescheites liefern, gerade hier bei uns in der Region. Es ist ja auch die Aufgabe von Slow Food, dass die Leute wieder darin bestärkt werden, hochwertige Lebensmittel zu produzieren. Zugleich geht es aber auch um verantwortungsvollen Genuss, der nicht auf Kosten der Umwelt geht. Wir möchten mit unserer Arbeit einfach darauf aufmerksam machen, wie wichtig es ist, dass man in diesem Bereich etwas verändert.

Ist nachhaltige Ernährung nicht auch eine Frage des Budgets?

Nicht unbedingt, denn nachhaltig kochen bedeutet ja auch, nichts zu verschwenden und so viel wie möglich wieder zu verwerten. Das Problem ist eher, dass viele heute gar nicht mehr wissen, wie man das macht. Ein altes Brot, zum Beispiel...das muss man nur in Wasser einweichen, danach gut ausdrücken – dann kann man einen herrlichen Gemüse-Brot-Salat daraus machen.

Sie bieten ja in Ihrer Genusswerkstatt auch ein Haltbarmachungs-Seminar an.

(schmunzelt) Das ist überhaupt eines meiner Lieblingsthemen. Zur Zeit ist ja auch das Fermentieren sehr in Mode, das wird gerade wieder entdeckt. Eine spannende Geschichte, bei der man sich wundert, wieso wir das so lange so verloren haben. Nur beim Sauerkraut haben wir es immer beibehalten.

Wir bedanken uns für das Interview.

Sehr gerne.

Quelle: Interview übernommen von Österreich Werbung

Mehr zur Genussregion Kärnten lesen Sie in dem Beitrag «Unterwegs in Österreich: Kärntens regionale Spezialitäten entdecken.»

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