Pestizide im Obst: Was steckt in welchem Obst und wie schütze ich mich?

Konventionell angebautes Obst ist mit Pestizidrückständen belastet.

Obst sollten Sie immer gründlich abwaschen - insbesondere, wenn es nicht biologisch angebaut wurde. Foto: Brian Jones, iStock, Thinkstock

Pestizide im Obst: vom Baum auf den Schweizer Teller

Je nach Obstsorte und Säuberungsmethode nehmen Sie mehr oder weniger Pflanzenschutzmittel zu sich. Erdbeeren sind beispielsweise bei nassem Wetter gegenüber Pilzkrankheiten anfällig. Deshalb besprüht man diese stärker mit Pestiziden, die von den Früchten regelrecht aufgesogen werden. Da die frischen Früchte nicht lange lagerfähig sind, bauen sich die Stoffe kaum ab. Deshalb enthalten Erdbeeren mehr Pestizide als Orangen. Konventionelle Orangen können durch Fungizide länger gelagert werden. Ronnie Juraske von der ETH Zürich stellte fest, dass davon höchstens fünf Prozent ins Fruchtfleisch gelangen. Der grösste Teil verbleibt in der Schale, wo sich die Substanzen meist innerhalb mehrerer Wochen abbauen. 

Vom Apfel bis zur Zitrusfrucht: nachgewiesene Pestizide im Obst

  • 2007 liess die Zeitschrift «saldo» Schweizer Erdbeeren auf etwa 300 Spritzmittel untersuchen. Dabei fanden sich 17 unterschiedliche Substanzen – hauptsächlich pilztötende Chemikalien (Fungizide). Keine Probe überschritt die gesetzlichen Höchstwerte. Jedoch wies das Labor bei einer Erdbeersorte acht unterschiedliche Pestizide nach. Das Ergebnis: Von 16 Proben waren lediglich fünf ohne Rückstände – unter anderem alle Bio-Erdbeeren.
  • Kassensturz berichtete 2010, dass insbesondere italienische Tafeltrauben mit mehreren Pflanzenschutzmitteln gleichzeitig belastet waren. Die Hälfte der 16 Proben wiesen Mehrfachrückstände nach. Nur eine Sorte war pestizidfrei.
  • 2012 veröffentlichte Greenpeace, dass etwa 80 Prozent des konventionellen Obstes mit Pestiziden belastet ist. Früchte aus der Türkei und Übersee werden mit mehr Spritzmitteln behandelt als Waren aus der Europäischen Union (EU). So stellte man 24 verschiedene Pflanzenschutzmittel bei nur einer Probe türkischer Trauben fest. 
  • Dass das in der EU angebaute Obst weniger mit Pestiziden belastet ist, belegten auch einige Ökotest-Studien. Das Magazin testete exotische Früchte aus Nicht-EU-Ländern auf über 500 Pestizide. Brasilianische Feigen hatten einen zu hohen Wert des Reifungsmittels Ethephon. Dieses gilt als nervenschädigend. Ferner fand sich das krebserregende Morpholin in mexikanischen Limetten.

 

Tipps, um Pestizide im Obst nicht mit zu verzehren

Experten empfehlen, Früchte immer gründlich mit kaltem Wasser zu waschen. Untersuchungen der Hochschule Albstadt-Sigmaringen ergaben, dass dadurch bereits knapp die Hälfte an Pflanzenschutzmitteln verschwinden. Das hilft jedoch nur bei wasserlöslichen Spritzmitteln. Ein grosser Teil der Rückstände befindet sich in der Schale. Wer Zitrusfrüchte schält, sollte daher unbedingt die Hände danach waschen. Wenn sich die Pestizide im Obst – also im Fruchtfleisch – befinden, dann helfen auch Waschen und Schälen nicht. Um sicher zu gehen und Pestizide im Obst zu umgehen, ist der Griff zur Bioware sinnvoll.

Linktipp

Pestizide in Lebensmitteln - Greenpeace bietet einen Ratgeber «Essen ohne Pestizide» an.

 

Quellen: Quellen: BAG, BAFU, Vision Landwirtschaft, Global2000, pressetext, Ökotest, K-tipp Saldo, ETH Life, tagesanzeiger, Greenpeace, Foodwatch, CropScience, Kassensturz

Text: Kerstin Borowiak