Pestizide im Obst: Wie gesund sind Äpfel und Birnen noch?

Keine Frage - um gesund zu bleiben, sollten Sie täglich Obst essen. Eine neue Studie zeigt allerdings, dass Sie neben Vitaminen und Ballaststoffen auch bis zu 30 unterschiedliche Pestizidrückstände zu sich nehmen. Welche Sorten sind stark belastet? Was können Sie tun, um Pestizide im Obst zu umgehen?

Konventionell angebautes Obst ist mit Pestizidrückständen belastet
In der Schweiz werden mehr als 300 Pestizide in der Landwirtschaft eingesetzt. Foto: Joanna Glab, Hemera, Thinkstock
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Süss, saftig und ungesund? Ein Kilogramm Äpfel enthält durchschnittlich 600 Mikrogramm an hormonell wirksamen Chemikalien. Die Umweltorganisation Global 2000 vergleicht diesen Wert mit der Antibabypille, die maximal 200 Mikrogramm solcher Wirkstoffe enthält. Erst kürzlich veröffentlichte sie eine Studie über Pestizide in Obst und Gemüse. Insbesondere die Schweizer Lieblingsfrucht wird mit Einsatz von Pestiziden produziert. Die heimischen Landwirte setzen die Substanzen ein, um den Konsumenten einwandfreie Äpfel zu liefern. Pestizide schützen die Pflanzen vor Pilzen, Unkräutern und Schädlingen.

Konventioneller Obstanbau in der Schweiz setzt auf Pestizide

In der Schweiz dürfen Landwirte mehr als 320 Pestizide legal verwenden. Pestizidrückstände gelangen nicht nur über den Einkauf in Schweizer Haushalte. Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) untersuchte die Wasserqualität in landwirtschaftlich intensiv genutzten Gebieten. Die Labore wiesen in jedem sechsten Fall eine Konzentration nach, die die vorgeschriebene Menge der Gewässerschutzverordnung überschritt. Doch woher kommt das? Schweizer Landwirte verwenden deutlich mehr Spritzmittel als deutsche oder österreichische Kollegen. Eine BAFU-Studie besagt, dass sie die doppelte Menge an Pestiziden einsetzen. So gelangen etwa 4,5 Kilogramm auf einen Hektar Nutzfläche. Knapp ein Drittel wird allein im Obst-, Gemüse- und Rebbau genutzt. Der Einsatz von Pestiziden lohnt sich für konventionell produzierende Schweizer Bauern - im Vergleich zu ausländischen Landwirten. Die Waren haben in der Schweiz einen hohen Verkaufswert. Diese Angaben veröffentlichte die Zeitschrift «saldo».

Umweltorganisationen warnen vor Pestiziden im Obst

Bisher ist noch nicht endgültig geklärt, wie sich die unterschiedlichen Pestizide auf den Menschen auswirken. Einige stehen unter Verdacht, krebserregend und hormonstörend zu wirken. Laut Greenpeace können die Stoffe das Immunsystem beeinflussen und das Nervensystem schädigen. Global 2000 bringt die hormonell wirksamen Pestizide im Obst mit chronischen Krankheiten in Verbindung. Diese sollen beispielsweise Brust- und Prostatakrebs, Fettleibigkeit und Diabetes auslösen. Doch Wissenschaftler kommen zu einem ganz anderen Schluss.

Viele Pestizide im Obst sind laut Forschern unbedenklich

Forscher der ETH Zürich gingen der Frage nach, ob Pestizide die Lebenserwartung verringern können. Dafür verglichen sie über 60.000 Lebensmittelproben. Das Ergebnis: Es wurde nur eine sehr geringe Menge an Pestizidrückständen gefunden. Von einem Kilogramm versprühter Pflanzenschutzmittel kommt lediglich 0,41 Gramm beim heimischen Konsumenten an. Vorausgesetzt, dass Sie das Obst und Gemüse gründlich waschen. Die gesundheitsfördernde Wirkung der jeweiligen Lebensmittel liessen sie dabei ausser Acht. Die Forscher berechneten, dass ein Schweizer nur 3,2 Minuten an Lebenszeit verliere. Aus ihrer Sicht sind Pestizide in Lebensmitteln für Konsumenten weniger gefährlich als die Umweltschutzorganisationen annehmen.

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