Nachhaltiges Kantinenessen: Lasst die Kunden selbst entscheiden

Kommentar - Die Nachhaltigkeit greift um sich und macht auch vor unserem Kantinenessen nicht Halt. Der grösste Caterer der Schweiz, die SV-Group, will der Umwelt zu Liebe zukünftig vorwiegend vegetarisch kochen. Vielen Kunden schmeckt das aber gar nicht.

Nachhaltiges Kantinenessen kommt nicht bei allen gut an.
Kantinenessen soll häufger vegetarisch werden. Foto: Elena Elisseeva, Hemera, Thinkstock
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Grundsätzlich ist der nachhaltige Kurs der SV-Group eine gute Idee. Der Kantinenbetreiber will damit seinen CO2-Ausstoss insgesamt um 20 Prozent reduzieren. Das sind 3000 Tonnen jährlich ab 2015. Eigentlich lobenswert, dabei am Speiseplan der Kunden anzusetzen. Das Problem: die geplanten Änderungen animieren nicht wirklich zu einem nachhaltigeren Essverhalten.

Der Caterer setzt zukünftig vermehrt auf regionale und saisonale Kost. Er verkleinert dabei aber auch von vornherein deutlich das Angebot an Fleischgerichten. Damit nimmt er dem Kunden schon vor dem Gang in die Kantine die Entscheidung aus der Hand.

Für den Klimaschutz, aber gegen die Kunden?

Patrick Camele, Geschäftsführer der Catering-Firma, erklärt gegenüber nzz.ch: «aus Kundenumfragen gehe immer wieder der Wunsch nach mehr und besseren vegetarischen Menus hervor.» Zwar gibt es einige Kommentare zu Berichten über den Klimakurs des Caterers, die das bestätigen. So erklärt Cybot auf 20min.ch: «Find ich super, dass sich endlich auch mal ein grosser Anbieter bewegt, ich hab mich in Kantinen schon oft über Fleisch aus Neuseeland oder Fisch aus Vietnam geärgert.»

Viele der Kommentare sprechen jedoch eine andere Sprache. Etwa Carlo Müller auf tagesanzeiger.ch: «Nein, danke! Diese Art der Bevormundung schmeckt mir gar nicht. Ich werde SV-Betriebe in Zukunft wenn immer möglich meiden.» Und irgendwie haben beide Seiten am Ende Recht.

Keine Frage, es ist natürlich positiv und vorbildlich sich für einen nachhaltigen Speiseplan einzusetzen. Aber warum beim Essen nicht die Entscheidung auf den Kunden übertragen und ihm selbst die Wahl lassen statt ihn durch die eingeschränkte Auswahl mit Gewalt darauf zu stossen?

Eine Lösung wäre bei allen Zutaten möglichst auf Bioqualität und nachhaltige Produktion zu setzen, aber zu gleichen Teilen vegetarische und Fleischgerichte anzubieten. Dabei könnten sich die Preise der Produkte am aufgewendeten CO2-Ausstoss orientieren.

Wer Fleisch essen möchte, müsste dann etwas mehr zahlen. Und alle, die sich für etwas Vegetarisches entscheiden, profitieren nicht nur von einem guten Gewissen, sondern auch von einem günstigeren Preis. Das bringt dann vielleicht auch den ein oder anderen Fleischesser dazu, (nachhaltig) umzudenken, statt ihn durch Bevormundung aus der Kantine zu vertreiben.

Basel im Streit ums Kantinenessen

Während über das generelle Angebot der SV-Group noch diskutiert wird, plant die Uni Basel schon länger in der Mensa nur noch vegetarische Gerichte anzubieten. Und auch hier hat das Thema bereits hitzige Debatten ausgelöst: «Knatsch um Fleischverbot-Forderung an der Uni Basel». Wie der Streit um die fleischlose Mensa ausgeht, bleibt abzuwarten.

 

Text: Bianca Sellnow