Langsames Essen als Erlebnis

Durch langsames Essen soll der Genuss gesteigert und zum Nachenken über die Nachhaltigkeit der Lebensmittel angeregt werden.

Der langsame Genuss soll auch zum Nachenken über die Nachhaltigkeit der Lebensmittel anregen.

Vielfalt unter Viaduktbögen

Seit September 2010 ist Slow Food auch in der «ersten Markthalle Zürichs» unter den Bögen des Eisenbahnviadukts anzutreffen. Die Genossenschaft «Slow Food im Viadukt» betreibt dort sieben Marktstände. Drei davon werden an Kleinbauern, Hirten, Fischer oder Händler vermietet. Die restlichen betreibt Slow Food in Zusammenarbeit mit der Stiftung Pro Specie Rara. «Das ist ein Experiment für uns. Wir wollen Kleinherstellern eine Plattform geben und Produzent und Konsument zusammenführen», sagt Domeniconi.

Butter ist nicht gleich Butter

Die regionalen Mitgliedergruppen organisieren jedoch vor allem regelmässig ökogastronomische Veranstaltungen, an denen auch Nicht-Mitglieder teilnehmen können. Und hier will man Geschmackserziehung betreiben: «Wir wollen den Konsumenten dorthin führen, dass er regional und mit dem Rhythmus der Natur, also saisonal isst», erläutert Domeniconi das Konzept. Auf spielerische und genüssliche Art und Weise setze man sich mit Lebensmitteln auseinander. «Bei einem Abend zum Thema Butter degustieren wir beispielsweise unterschiedliche Butter, wie Rohmilchbutter, pasteurisierte Butter und Kochbutter. Dazu erläutert ein Experte die Eigenheiten der verschiedenen Fabrikate. So findet man heraus, was einem passt.» Dadurch könne sich der Konsument viel bewusster in der Vielfalt der Lebensmittel bewegen, meint Domeniconi.

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Es braucht Zeit

Eine überraschende Vielfalt bietet in der Stadt Baden geplanter Anlass rund um die Zitrone: «Ich persönlich kenne rund zwölf verschiedene Zitronenarten. Es gibt aber bestimmt noch mehr», so Domeniconi. Ganz genau wird er es nach dem Degustationsabend wissen und unter anderem sizilianischen Zitronensalat garniert mit Limonenfilets, ein Schweinsfilet mit Citrons confits mit marokkanischen Salzzitronen und ein Zitronenparfait mit Zitronat und Zitronen-chips genossen haben. Die Leidenschaft für Lebensmittel ist bei Domeniconi spürbar: «Es gibt fantastische Produkte, die einfach verloren gehen. Kalbskopfbacken beispielsweise werden heute nur noch verwurstet, dabei ist das ein super Stück Fleisch, das einfach eine gewisse Zeit gekocht werden muss.» Der Aspekt der Zeit ist für Domeniconi generell ein wichtiger. «Wir haben die Fantasie fürs Kochen verloren. Um gut und abwechslungsreich zu kochen, muss man sich einfach Zeit nehmen.»

Quelle: nachhaltigkeit.org, Rafaela Roth

Infos und Links zum Thema Slow Food


  • Der Verein Slow Food setzt sich weltweit dafür ein, dass traditionelle und lokale Lebensmittelproduktionen nicht verloren gehen und die biologische Vielfalt von Nahrungsmitteln nicht weiter abnimmt.
  • In sogenannten «Geschmacklabors», also regionalen Degustationsanlässen wird man sich der Vielfalt der Lebensmittel bewusst. Die nächsten Termine und Veranstaltungen von Slow Food Schweiz findet man unter: www.slowfood.ch.
  • Slow Food ist seit September 2010 in der Markthalle im Viadukt in Zürich anzutreffen. Hier kann man sich Zeit nehmen und sich intensiv mit Lebensmitteln auseinander setzen.