Was das Datum zur Mindesthaltbarkeit von Lebensmitteln aussagt

In reichen Ländern wie der Schweiz landen jährlich etwa 100 Kilo Lebensmittel pro Kopf im Hausmüll. Einer der Hauptgründe: Das abgelaufene Mindesthaltbarkeitsdatum. Doch was sagt das Datum wirklich aus und wie können wir nachhaltig so viel Lebensmittelmüll vermeiden, der uns letztlich auch so manchen Franken kostet?

Mythos Mindesthaltbarkeitsdatum von Lebensmitteln
Stets im Blick beim Einkauf haben Verbraucher das Mindesthaltbarkeitsdatum. Und ist es erst einmal überschritten, dann landen die Produkte meist im Hausmüll. Das muss allerdings nicht immer sein. Foto: tyler olson, iStock, Thinkstock
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Viele Lebensmittel landen in unserer Überflussgesellschaft heute in der Tonne. Doch der Verbraucher ist nur zu etwa 35 – 40 Prozent für den Lebensmittelmüll verantwortlich. Denn Vieles schafft den Weg erst gar nicht von der Ackerfläche oder aus dem Supermarktregal in unsere Küche. Die Experten vom Schweizer Konsumentenschutz schätzen, dass entlang der ganzen Nahrungskette etwa 300 Kilogramm Lebensmittel pro Kopf und Jahr im Abfall landen. Sie sehen unschön aus, werden wahrscheinlich nicht mehr verkauft oder haben das Mindesthaltbarkeitsdatum soeben überschritten.

Was sagt das Mindesthaltbarkeitsdatum wirklich aus?

Das Mindesthaltbarkeitsdatum legen die Hersteller der verderblichen Waren gemäss Lebensmittelkennzeichnungsverordnung fest. Diese werden durch Erfahrungswerte mit den Inhalten und strenge Tests erarbeitet. Das leicht irreführende Datum sagt aber nicht, dass an dem angegebenen Tag der Mindesthaltbarkeit das Produkt spätestens verzehrt werden muss. Vielmehr geben die Hersteller mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum an, dass das verderbliche Produkt bis dahin, und unter angemessenen Aufbewahrungsbedingungen, seine produktspezifischen Eigenschaften wie Geschmack, Farbe oder Geruch garantiert behält. Der völlig unbedenkliche Verzehr ist meist danach auch noch möglich.

Mindesthaltbarkeit im Test: Erstaunliche Ergebnisse

Die Schweizer Stiftung Konsumentenschutz wollte es genauer wissen und hat 13 bekannte Frischeprodukte wie Fleisch- und Milchprodukte sowie Desserts gekauft, um sie einem wissenschaftlichen Test zu unterziehen. Wann verderben sie und vor allem wie schnell nach dem Mindesthaltbarkeitsdatum, wollten die Konsumentenschützer wissen.

Das Ergebnis ist eindeutig. Zwei Wochen nach Ablauf des Verbrauchsdatums waren 12 der 13 Produkte, gelagert in einem handelsüblichen Kühlschrank, noch absolut geniessbar. Neun hiervon hatten nicht einmal geschmackliche Einbussen. Auch analytisch fanden sich im Labor keinerlei Auffälligkeiten. Lediglich ein Dessert war alleine schon durch seinen sauren Geruch aufgefallen und landete daher zeitnah nach dem Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums im Müll. Selbst nach weiteren zwei Wochen im Kühlschrank, also vier Wochen nach dem Verbrauchsdatum, hätte der Konsument bei den übrigen Produkten keinerlei gesundheitliche Risiken auf sich genommen.

Tipps rund um Mindesthaltbarkeitsdatum, Einkauf und Lagerung von Lebensmitteln

  • Wir verlassen uns auf unsere Sehkraft, unser Gaumen entscheidet was uns schmeckt und die Nase sagt uns eindeutig wen oder was wir riechen können. Dies sollte auch für verderbliche Lebensmittel gelten. Denn was unsere Sinne als noch gut wahrnehmen, kann in aller Regel unbesorgt verspeist werden. Auch nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums. Sind Sie unsicher helfen oft Einträge in Foren zum Thema, die Tipps zur Haltbarkeit des jeweiligen Produktes geben.
  • Nur die geplante Menge kaufen hilft: Machen Sie sich eine Liste vor dem Einkauf und gehen Sie nicht hungrig einkaufen. Das erspart meist unnötige Einkäufe von zu vielen Lebensmitteln, die dann zu Hause verderben könnten.
  • Braucht es die günstige Grosspackung wirklich und kann diese bis zum Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums oder des Verbrauchsdatums leer gemacht werden? Werden hiervon grosse Teile nach Ablauf des Mindesthalbarkeitsdatums weggeworfen, wird sich die Ersparnis der Grosspackung nicht lohnen. Auch wenn Aktionen und Angebote locken, überlegen Sie also genau, was Sie wirklich brauchen und in welcher Menge.

 

Quellen: BLMEV, www.lebensmittelklarheit.de, Bluewin.ch, Konsumentenschutz.ch, Text: Jürgen Rösemeier-Buhmann