Mehr Nachhaltigkeit im Essverhalten: Macht Corona es möglich?

Während der Corona-Hochphase hat sich vieles geändert. Lieb gewonnene Gewohnheiten wie der schnelle Gang zur Imbissbude waren nicht möglich, Restaurantbesuche fielen aus, Treffen mit Freunden, der Familie und Bekannten ebenfalls. Indirekt veränderte sich so auch die eigene Ernährung, denn nachdem die Zeit wesentlich häufiger daheim verbracht wurde, entdeckte so mancher seine Küche wieder. Aber was hat sich allgemein in Richtung der Ernährung mit Bezug auf die Nachhaltigkeit verändert? Und ist es gar möglich, dass Corona zumindest in dieser Hinsicht gar einen positiven Dauereffekt haben könnte?

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Mehr Nachhaltigkeit in der Küche: Selbst kochen liegt wieder voll im Trend. Foto © serezniy / iStock / Getty Images Plus
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Local Food wird immer beliebter

Die Lebensmittelherstellung ist immer häufiger im Diskurs. Viele Menschen haben sicher die Dokumentationsreihe »Rotten« auf Netflix gesehen und beim nächsten Einkauf im Supermarkt mehrfach überlegt, ob die Avocado noch in den Einkaufskorb soll oder nicht. Andere stellen sich die Frage, ob eine Tomate wirklich um die halbe Welt reisen muss, um hierzulande auf den Teller zu kommen. Spätestens seit den weltweiten »Friday for Future«-Demos ist das Thema Nachhaltigkeit weit oben auf der Agenda vieler Menschen und dieses Thema schliesst Lebensmittel und deren Herkunft mit ein:

  • Regionale Lebensmittel – ein Salatkopf, der innerhalb des eigenen Kantons oder wenigstens aus den Nachbarländern geerntet und verarbeitet wurde, ist immer nachhaltiger als einer, der von einem anderen Kontinent stammt. Generell stieg die Nachfrage nach regionalen Produkten während Corona und in einigen Städten gibt es neben dem üblichen Wochenmarkt plötzlich wieder etwas, das seit Jahren fast ausgestorben war: Der fahrende Verkaufswagen eines Bauers vor Ort.
  • Hintergrund – viele Menschen möchten die kleine Landwirtschaft vor Ort unterstützen. Doch steigt auch das Bewusstsein, dass lange Lebensmitteltransporte umweltschädlich sind. Zudem ist es, wie »Rotten« zeigte, oft unklar, unter welchen Bedingungen die Lebensmittel fernab angebaut werden.
  • Zeit – während Corona hatten viele Menschen gewiss auch mehr Zeit – und mehr Geld. Nicht wenige Bürger spendeten die Einsparungen, die durch den Wegfall von Restaurantbesuchen, Urlauben und Unternehmungen, vorhanden waren, tatsächlich auf Wochenmärkten oder in einem Hofverkauf.

Mitunter ist Local Food auch deshalb so beliebt, weil sich ein anderer Trend hält: Das urbane Gardening oder auch der kleine Gemüsegarten auf dem Land wird vielfach geschätzt. Und wer daheim auf dem Balkon oder im kleinen Gartenstück Gemüse anbaut, der möchte dieses wohl nicht gemeinsam mit Gemüse vom anderen Ende der Welt verspeisen.

Infografik über unser Essverhalten während der Corona-Krise
Für die ganze Infografik das Vorschaubild klicken (via www.bestonlinecasino.com)

Selbst sind Köchin und Koch: Zu Hause kochen ist in

Ob das Selbstkochen nun ein echter Trend dank Corona ist oder ob Corona nur den Ausschlag dazu gab, dass wesentlich mehr Menschen selbst kochen, dürfte schwierig zu beantworten sein. Die Beschäftigung mit der Essenszubereitung ist auch dank moderner Hilfsmittel längst im Fokus des Interesses. Immerhin bieten Fitness-Apps und Fitnessstudios Rezepte und Einkaufstipps für jeden Geschmack, Kochshows oder Koch-Wettbewerbe laufen fast täglich im TV. Dennoch entdeckte so manch einer während Corona, dass die Küche der Wohnung nicht rein zur Dekoration gedacht ist:

  • Langeweile – mit Sicherheit spielt die Langeweile durch den Wegfall sonstiger Unternehmungen einen triftigen Grund. Während Corona hatten die Bürger vielfach wesentlich mehr Zeit und mussten sich diese vertreiben. Kochen kann nun gleich mehrere Pluspunkte in sich vereinen.
  • Gesunde Ernährung – wer selbst kocht, isst oft ausgewogener und gesünder. Nährstoffe und Vitamine sind natürlich wichtig, um das Immunsystem zu stärken. Und da kaum jemand sich wünschte, sich mit Corona zu infizieren, wurde das Immunsystem durch eine gesündere Ernährung gestärkt.
  • Unterhaltung – ob mit dem Partner, allein oder auch mit der ganzen Familie: Gemeinsam kochen kann wirklich viel Spass machen. Selbst allein vergeht die Zeit unterhaltsamer, wenn die Gurke geraspelt wird. Nachdem etliche Familien die Kinder daheim selbst unterhalten mussten, ist das gemeinsame Kochen eine gute Idee.
  • Zeit – durch Corona fiel oft ein erheblicher Stress von dem Einzelnen ab. Die Fahrtwege zur Arbeit entfielen, sofern Homeoffice angeordnet war, alternativ waren die Strassen wesentlich leerer. Die sonst als gesellschaftlich notwendigen »Termine« in der Freizeit entfielen völlig. Corona machte das Zuhausesein trendig und endlich konnten sich viele Bürger mal ausgiebig mit dem Kochen, Ausprobieren, Testen und dem allgemeinen Küchenzauber befassen.

Wer weiss, wie viele Bürger unter den letzten Silvestervorsätzen »mehr Kochen« stehen hatten? Wer nun zustimmend nickt, der darf sich glücklich schätzen, denn sollte die Liebe zum Kochen entdeckt worden sein, so darf dieser Punkt abgehakt werden.

Kurzfristiger Trend oder langfristige Entwicklung?

Ob Corona nachhaltig etwas verändert, darf bezweifelt werden. Sicherlich wird weiterhin die Nachhaltigkeit von Lebensmitteln im Fokus stehen, denn:

  • Berichterstattung – schockierende Nachrichten rund um die Massentierhaltung, aus Schlachthöfen oder auch von riesigen Landwirtschaften rund um die Welt werden auch künftig das Thema in die Erinnerung zurückholen.
  • Umstellung – immer mehr Supermärkte und Discounter bieten regionale Lebensmittel an. Bauern vereinen sich nicht selten und generieren ihren eigenen Onlineshop oder schliessen sich entsprechenden Lieferdiensten an, sodass regionales Gemüse auch direkt vor die Tür geliefert werden kann.

Ob sich die Wertschätzung von Lebensmitteln allgemein wieder zum Besseren ändert, können nur die Zahlen rund um die Lebensmittelentsorgung zeigen.

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Gesunde Ernährung mit Zutaten aus der Region kann sehr viel Spass machen. Foto © Gareth Hubbard / Unsplash

Aber wie sieht das mit dem Kochen aus? Je nachdem, wie die persönliche Situation während Corona war, könnte sich das Kochen durchaus etablieren. Bei anderen wird sich die Küchenzeit sicherlich einschränken, dies hängt schlichtweg mit der Belastung im Arbeitsalltag zusammen. Doch es ist gut möglich, dass auch Personen mit einem stressigen Alltag am Wochenende wenigstens weiterhin kochen. Und wer geschickt vorgeht, der kann sich gleich für die Woche mitversorgen, indem Mahlzeiten vorgekocht, eingefroren und schliesslich auf der Arbeit aufgewärmt werden.

Fazit – den Sprung in den Alltag schaffen

Die Entwicklungen rund um regionale Lebensmittel und das Kochen Zuhause sind positiv. Allerdings müssen sie es nach Corona in den Alltag schaffen, was allerdings dank der grösseren Auswahl an regionalen Lebensmitteln in den Supermärkten einfacher wird. Das Kochen wird wohl stark mit dem Stress im Alltag in Verbindung stehen, doch es ist auszuschliessen, dass diejenigen, die nun den Spass daran gefunden haben, künftig gar nicht mehr selbst kochen.