Food Waste: 17 Tipps gegen Lebensmittelverschwendung

Weltweit wird ein Drittel aller Lebensmittel weggeworfen. Fast die Hälfte davon im Haushalt. Dabei lässt sich Food Waste mit simplen Tricks reduzieren. 17 Tipps, wie Sie Lebensmittelabfälle einfach vermeiden.

Lebensmittelverschwendung: Fakten und wie Sie Abfall vermeiden Tipps
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Das Brot ist hart, die Rüebli sind weich geworden. Der gekochte Reis steht noch vom Vortag rum und das Joghurt im Kühlschrank ist mal wieder abgelaufen. Am Schluss landet alles im Abfall.

Weltweit endet rund ein Drittel unserer Lebensmittel als Food Waste im Abfall oder in der Biogasanlage, schätzt die «Food and Agricuture Organization» FAO. Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) geht für die Schweiz von den gleichen Zahlen aus, und die sind ziemlich erschreckend.

300 Kilo Lebensmittelabfälle pro Person

2,3 Millionen Tonnen Lebensmittel werden schweizweit jährlich vernichtet statt gegessen. Das sind 300 Kilo pro Person.

Rund 45 Prozent dieser Lebensmittelabfälle entstehen bei den Privatkonsumenten.

Angesichts der knapper werdenden Ressourcen, seien es Boden oder Wasser, sind diese Mengen an verschwendeten Lebensmitteln definitiv ein No-Go.

Die gute Nachricht: Jeder kann sehr einfach sehr viel tun, um Food Waste zu reduzieren und zu vermeiden. Unsere 17 Tipps zeigen, wie's geht.

1. Einkaufen mit Köpfchen

Vor dem Einkaufen sollten Sie Ihren Wochenbedarf planen. Das gilt insbesondere bei Lebensmitteln, die schnell verderben können, wie Obst, Gemüse oder teils Milchprodukte und Fleisch.

Erstellen Sie eine Einkaufsliste und kontrollieren Sie den Kühlschrank vor dem Einkauf. Was ist noch da, was sollte bald aufgebraucht werden?

Wer gerne spontan kocht, statt einen Wochenplan zu machen, sollte auch so einkaufen. Es bringt nichts, für eine Woche Vorräte zu kaufen, die dann doch nicht gekocht werden. Dann lieber jeden Tag oder jeden zweiten frische Zutaten kaufen.

Kaufen Sie nur, was sie wirklich brauchen. Lassen Sie sich nicht von Schnäppchen und Aktionen verführen. Da hilft es, wenn Sie noch satt von der letzten Mahlzeit einkaufen gehen. Denn wer mit knurrendem Magen einkauft, kauft meist mehr und oft zu viel. Eine Kleinigkeit essen vor dem Einkaufen hilft natürlich auch.

Kaufen Sie bei Frischprodukten eher kleine Portionen dafür öfters. So verhindern Sie, dass die Lebensmittel im Kühlschrank vergessen gehen und verderben.

2. Regionales und Saisonales im Einkaufskorb

Achten Sie beim Einkaufen auf regionale und saisonale Zutaten. Haben gewisse Obst- und Gemüsesorten gerade Saison, kann ein grosses oder sogar ein Überangebot entstehen, das im schlimmsten Fall in der Biogasanlage endet. Einen Saisonkalender mit gutem Überblick finden Sie hier.

3. Mit dem Smartphone Essen retten

Tipps gegen Food Waste: App To good to goo gegen Essensabfälle

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Wer abends keine Lust oder Zeit mehr hat zu kochen, der kann mit der smarten App «To Good To Goo» günstiges Essen bestellen, das ein Betrieb sonst wegwerfen müsste. Das Angebot ist vielfältig und reicht von Salat, über Sushi bis Kuchen.

Allein in Zürich beteiligen sich rund 40 Betriebe, 20 sind es in und um Oerlikon, aber auch in Städten wie Basel, Bern, Luzern oder Zug finden sich Restaurants und Take-Aways in der App.

4. Richtig kochen

Oft sind es kleine Reste, die zu Food Waste führen. Zwei übrig gebliebene Kartoffeln oder zwei, drei Löffel Reis – zu wenig für eine nächste Mahlzeit. Deshalb ist es wichtig, vor dem Kochen richtig zu portionieren. Oder aber man kocht bewusst mehr, sodass es sich lohnt, die Reste für eine weitere Mahlzeit zu verwenden. 

Gerade bei Gerichten wie Lasagne, Gratins, Aufläufen und weiteren Mahlzeiten, bei denen die einzelnen Komponenten bereits gemischt sind, ist es unter Umständen besser, Sie kochen etwas mehr, sodass es sicher für eine weitere Mahlzeit reicht.

Voraussetzung ist natürlich, dass man es am nächsten Tag auch isst – entweder als Mittagessen in der Lunchbox oder dann zum Znacht.

5. Kleine Portionen schöpfen

Was auf dem Teller übrig bleibt, landet fast immer im Abfall. Daher ist es besser, kleine Portionen zu schöpfen. Wer noch Hunger hat, schöpft nach. So bleibt im Topf, was nicht gegessen wird und man kann es am nächsten Tag noch essen.

Laut WWF Schweiz, sind 24 Prozent von dem, was wir Schweizer an Lebensmitteln in den Abfall werfen, Gemüse und Salat. 14 Prozent Früchte, 11 Prozent Brot, 8 Prozent Fleisch und Fisch, 8 Prozent Eier und Milchprodukte und 17 Prozent sind Getränke. 18 Prozent sind sonstige Reste.

6. Reste verwerten in Salaten, Suppen und Sugo

Reste verwerten ist kinderleicht. Es braucht nur etwas Phantasie und Kreativität.

Tipps gegen Food Waste: Reste verwerten im Salat

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Denn egal ob Reis, Kartoffeln, Pasta, Gemüse oder Fleisch, all diese Lebensmittel machen sich auch am nächsten Tag noch tipptopp im Salat oder in der kalten Jahreszeit in einer klaren Suppe.

Gekochtes Gemüse lässt sich zudem oft in eine feine Sugo für Pasta integrieren.

7. Einen Tag den Resten widmen

Wer Mühe hat, Mengen abzuschätzen und deshalb immer Reste im Kühlschrank stehen hat, sollte sich einen Tag in der Woche als Restetag einplanen. Das spart zusätzlich Zeit, die man sonst mit Kochen verbringen würde.

Die Lebensmittel, die in Schweizer Haushalten pro Jahr weggeschmissen werden, produzieren laut WWF Schweiz jährlich 1,8 Millionen Tonnen CO2 umsonst. Das ist etwa gleich viel CO2, wie 20 Prozent des Schweizer Personenwagen-Bestandes jährlich verursachen. Zudem verbraucht die Erzeugung dieser weggeworfenen Lebensmittel eine Anbaufläche von 180'000 Hektaren. Gemäss WWF entspricht dies der Hälfte der Schweizer Ackerbaufläche.

8. Mit den Sinnen die Haltbarkeit prüfen

Das Haltbarkeitsdatum auf vielen Verpackungen ist nur eine Orientierung. Dass die Produkte oft viel länger halten, zeigt diese Studie. Bei Salz oder Nudeln kann man so eine Angabe in der Regel getrost ignorieren. Gerade etwa Salz, das Millionen Jahre unverpackt in der Natur lagerte, wird nicht in ein paar Jahren schlecht.

Testen Sie, ob abgelaufene Lebensmittel wirklich nicht mehr geniessbar sind.  Hier hilft ganz einfach sehen, riechen, schmecken. Beispiele für Lebensmittel, die viel länger haltbar sind, als das Verfallsdatum sagt, finden Sie hier.

9. Die richtige Verpackung wählen

Passend lagern und dazu die richtige Verpackung verwenden, sorgt zum Beispiel im Kühlschrank für wesentlich bessere Haltbarkeit. Wie das optimal klappt, unsere Tipps für ideal Aufbewahrung und ökologisch unbedenkliche Verpackungen.

10. Kühlschrank richtig einräumen

Für alle Kühlschrankfächer gilt: Altes nach vorne, neue Lebensmittel nach hinten. So gehen die älteren Lebensmittel nicht vergessen, sondern werden konsumiert.

Regelmässig den Kühlschrank kontrollieren und nach «Kühlschrankleichen» schauen verhindert ebenfalls Lebensmittelverschwendung.

  • Die richtige Temperatur für den Kühlschrank liegt bei +2 bis +5 Grad. Allerdings unterscheiden sich die Temperaturen im Kühlschrank: Während in der Mitte 5 Grad herrschen, sind es ganz oben im Kühlschrank eher 8 und unten eher 2 Grad. Im Gemüsefach hingegen herrschen 10 Grad genau wie in den Fächern an der Kühlschrank Tür.
  • Auf die unterste Glasplatte gehören daher Fleisch- und Fischprodukte. Im mittleren Bereich des Kühlschranks sollten Milchprodukte wie Käse oder Joghurt verstaut werden.
  • Zuoberst können Sie Reste lagern, angefangene Konfi aber auch Senf oder Ketchup.
  • Ins Gemüsefach gehört dem Namen nach Gemüse wie Salat und Wurzelgemüse.
  • In die Fächer an der Tür können Sie Lebensmittel lagern, die weniger wärmeempfindlich sind. Dazu gehören nicht nur die Eier, für die es in den meisten Kühlschranktüren ohnehin schon einen Eierhalter hat, sondern auch Butter oder eingelegtes Gemüse und Getränke. Mehr zum richtigen Einräumen des Kühlschranks erfahren Sie hier.

11. Lebensmittel einfrieren statt wegschmeissen

Die Stiftung für Konsumentenschutz hat ein Merkblatt verfasst, wie Lebensmittel am besten tiefgefroren werden.

  • Kühlen Sie gekochte Lebensmittel möglichst rasch ab, beispielsweise in einem kalten Wasserbad oder im Winter auf der Fensterbank oder dem Balkon. Danach können sie eingefroren werden.
  • Achten Sie beim Einfrieren auf die richtigen Portionen. Gerade bei Fleisch aber auch Gemüse wir Kürbis, Pilzen oder Spargeln, ist es sinnvoll, die Menge danach zu portionieren, wie viel man später davon braucht. Denn einmal aufgetaut, sollten Sie Lebensmittel nicht nochmals einfrieren.
  • Achten Sie beim Einfrieren darauf, dass möglichst wenig Sauerstoff in den Tiefkühlbeuteln ist, denn dieser führt dazu, dass auch gefrorene Lebensmittel rascher verderben oder ranzig werden.
  • Schreiben Sie auf die Beutel oder die Behälter, was drin ist und wann Sie es eingefroren haben. So behalten Sie die Übersicht.

Tiefgekühlt sind die Lebensmittel in der Regel mindestens zwei Monate haltbar. Eine hilfreiche Liste finden Sie im Merkblatt des Konsumentenschutz.

12. Rezepte für altes Brot

Brot gehört wohl zu jenen Lebensmitteln, die am häufigsten im Abfall landen. Kein Wunder, denn frisches Brot schmeckt einfach am besten und warum das alte Brot essen, wenn es um die Ecke beim Bäcker frisches gibt? Doch die bessere Frage ist: Warum frisches Brot kaufen, wenn es leckere Rezepte mit altem Brot gibt?

Tipps gegen Food Waste: Altes Brot verwerten

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Wir haben die richtigen Rezepte und Ideen parat, was Sie aus altem Brot alles zaubern können.

Baguette oder Brötchen vom Vortag? Aufheben, in der Küche trocknen lassen und ein Stück zur Bindung für Hacktätschli, oder gerieben als selbstgemachtes Paniermehl aufheben.

13. Altes Brot vom Beck

Viele Bäckereien bieten inzwischen günstiges Brot und Gebäck vom Vortag an. Wer sich nicht zu schade ist (oder das Brot ohnehin in die Suppe tunkt), für den lohnt es sich, den Bäcker danach zu fragen. Ein tolles Projekt das ausschliesslich mit Brot vom Vortag arbeitet, ist Ässbar.ch. Die Ässbars gibt es bereits in zahlreichen Schweizer Städten. Sie beziehen ihre Produkte vom Vortag von Produzenten aus der Region und verkaufen Sie günstig weiter.

14. Früchte verwerten

Eine braune Banane und ein Apfel mit eingedrückten Stellen, die man so vielleicht nicht mehr essen mag, sind super zum Backen oder zerdrückt ein tolles Geschmackserlebnis in einem Naturjoghurt oder Müesli. Ebenso gut lassen sich Früchte zu Smoothies verarbeiten

Wer einen eigenen Obstgarten hat oder dank Nachbars Garten mit vielen Früchten beschenkt wurde, kann zum Beispiel Konfitüre selber machen

15. Bewusst «Hässliches» kaufen

Tipps gegen Food Waste: hässliche Karotten ugly fruits and vegs kaufen

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Setzten Sie ein Zeichen gegen die Lebensmittelverschwendung auf dem Feld. Ein Grossteil der Kartoffeln, Rüebli und Co. schafft es gar nie in den Verkauf, sondern landet im schlimmsten Fall in der Biogasanlage. Der Grund: zu gross, zu klein, zu krumm. Kaufen Sie bewusst nicht immer nur die schönen Rüebli, sondern auch mal das Zweitklass-Gemüse.

Inzwischen gibt es einige Angebote, die bewusst den Verkauf von Zweitklass-Gemüse und -Obst fördern, wie etwa der Marktstand vom Verein «Grassrooted» im HB Zürich, oder die Ugly-Fruits-Körbe vom Lieferservice «Uglyfruits.ch».

Kaufen Sie Gemüse und Obst auf dem Wochenmarkt, wo die Produzenten auch das nicht ganz perfekte Gemüse feilbieten können. Oder machen Sie einen Ausflug zu einem Hofladen in Ihrer Nähe. Eine gute Übersicht von Hofläden in der Schweiz finden Sie hier.

16. Schlaue Angebote nutzen

In der Schweiz gibt es inzwischen zahlreiche Projekte, die dafür kämpfen, dass weniger Nahrungsmittel verschwendet oder weggeworfen werden. Darunter finden sich etwa öffentliche Kühlschränke und Foodsharing oder Caterings, die ausschliesslich Zweitklass-Gemüse verwenden. Eine Übersicht dieser Angebote finden Sie hier. 

Von 100 geernteten Kartoffeln werden laut WWF Schweiz gerade mal 34 tatsächliche gegessen.

Zwischen 500 und 1000 Franken ist das Essen wert, das jeder Schweizer Haushalt jährlich wegschmeisst, rechnet der WWF Schweiz vor.

Die Menge der essbaren Lebensmittel in der Schweiz, die als Food Waste enden, füllt laut der Organisation foodwaste.ch jährlich 140'000 Lastwagen, was eine Kolonne von Zürich nach Madrid ergibt.

17. Gemüsereste verwerten statt verschwenden

Tipps gegen Food Waste: Blattgrün von Randen, Rüebli, Radisli und co. verwerten

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Haben Sie Randen, Kohlrabi, Rüebli oder Radiesli gekauft? Super, denn zumindest die inneren Radieschenblätter können in den Salat und in den Kohlrabiblättern stecken mehr gesunde Inhaltsstoffe als in der Knolle selbst. Die feingehackten Rüebliblätter kann man zudem wie Kräuter zum Würzen verwenden.

Auch der oft vernachlässigte Broccoli-Stiel kann mitgegessen werden, er muss nur etwas länger gekocht werden als der Rest. Das gleiche gilt für Blumenkohl.

Sie verarbeiten besonders viel Gemüse auf einmal? «Dann hat man mit den Schalen und Abschnitten eine wunderbare Basis für einen Gemüsefond», wie FoodFighter Michael Schieferstein empfiehlt.

Die zarten Blätter von Randen können Sie für Salat und Smoothies verwenden. 

Das Grün von Karotten und Radisli eignet sich bestens für selbst gemachtes Pesto.

Quellen: Reuters, Stiftung für Konsumentenschutz, WWF Schweiz, Bundesamt für Umwelt, Foodwaste.ch, Foodfighters.biz, Text: Sabina Galbiati, Jürgen Rösemeier-Buhmann