Fisch-Label garantieren nachhaltige Herkunft

Noch vor 50 Jahren erschien der Reichtum der Meere unerschöpflich. Doch mit Fischerei hat der Mensch die Bestände der wichtigsten Speisefische bis auf einen Bruchteil der früheren Fülle geplündert. Wer auf Labels achtet hilft mit, einen Schritt in die richtige Richtung zu gehen.

Beim achten der Fisch-Labels unterstützen Sie die Herkunft der Fische.
Bei fair-fish werden Fische nur noch für kurze  Zeit  im Netz gehalten. Foto: alessandro0770, iStock, Thinkstock
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Die heutige Fischerei wird von Fangschiffen dominiert, die das natürliche Regenerationsvermögen der Fischbestände bei weitem übertreffen. Schiffe, mit modernster Sonar-Technik ausgestattet, können Fischbestände schnell und präzise orten. Diese Schiffe gleichen schwimmenden Fabriken, die über Verarbeitung- und Verpackungsanlagen sowie grosse Kühlsysteme verfügen. Sie sind mit so leistungsstarken Motoren ausgerüstet, dass sie kilometerlange Netze durch die Meere ziehen können. Mit anderen Worten: Die Fische haben keine Chance.

Fangquoten werden ignoriert

Schätzungen zufolge werden heute weltweit über 140 Millionen Tonnen «Fischereierträge» pro Jahr erzielt. Das ist viermal mehr als noch vor 50 Jahren. Laut Greenpeace Schweiz sind seit den 1950er Jahren 90 Prozent der Bestände von Thunfisch, Schwertfisch, Heilbutt, Flunder und Kabeljau verschwunden. Rund zwei Drittel aller Fische, die in Warenhäusern, auf Märkten oder in Restaurants angeboten werden, stammen aus dem offenen Meer. Nach Angaben der Welternährungsorganisation FAO sind bereits jetzt weit über 60 Prozent der globalen Fischbestände bis an ihre Grenzen erschöpft oder gar überfischt. Grundsätzlich sind die Fangquoten bekannt, die eine nachhaltige Fischerei erlauben. Der Internationale Rat für die Nutzung der Meere ICES (International Council for the Exploration of the Sea) empfiehlt jährliche Fangquoten für jede befischte Art, die eine nachhaltige Fischerei und das Überleben der Fische ermöglichen. Nach Greenpeace Schweiz entscheide die Politik aber aus Angst vor wirtschaftlichen Einbussen viel zu oft im Sinne der Fischfangindustrie : mit katastrophalen Folgen für die Meere. Dazu komme noch die Piratenfischerei, die in keiner Statistik auftauche und daher auch in die Fangquoten nicht einberechnet werde.

 Bekämpfen illegaler Fischereipraktiken

Die illegale Fischerei stellt weltweit ein gravierendes Problem dar. Rund um den Globus zerstört sie Lebensräume, untergräbt die Aktivitäten gesetzestreuer Fischereien, bedroht die Lebensgrundlage von Menschen und gefährdet die Nahrungsmittelsicherheit. Nicht alle Fangbetriebe halten sich an Kontrollen zum Schutz der Ozeane wie fangfreie Zonen oder Zeiten, und verbotene Methoden sind weit verbreitet. Der Wert des Fangs aus illegalen, nicht regulierten und nicht gemeldeten Fischereipraktiken wird auf 10 bis 23 Milliarden US-Dollar beziffert; dies entspricht einem Volumen von 11,06 bis 25,91 Millionen Tonnen Fisch. Dass Greenpeace eine Datenbank herausgeben muss, um illegale Fischereischiffe bekannt zu machen, zeigt, wie wenig konkrete Massnahmen bislang von den Regierungen vorgenommen wurden.

Schützen Sie Fische und kaufen Sie nur noch Fisch mit Label.

Durch die fair-fish-Regeln wird das  Leiden der Tiere so klein wie möglich gehalten. Foto: rgallianos. iStock, Thinkstock

Wer sich für Erzeugnisse aus zertifizierter nachhaltiger Herkunft entscheidet, unterstützt verantwortungsvoll geführte Fischereien und trägt dazu bei, dass auch künftige Generationen dieselbe umfangreiche Auswahl an Fisch und Meeresfrüchten geniessen können wie es die Bevölkerung heute tut. Das Zertifizierungsprogramm des Marine Stewardship Council (MSC) trägt zur Bekämpfung der illegalen Fischerei bei. Alle Fischereien, die an diesem Programm teilnehmen, müssen zeigen, dass sie alle relevanten örtlichen, nationalen und internationalen Gesetze einhalten. Selbst vorschriftsgemäss operierende Fischereien können nicht zertifiziert werden, wenn andere Schiffe in derselben Fischerei illegale Aktivitäten verüben und so eine Überfischung der Bestände verursachen. Produkte mit dem blauen MSC-Logo garantieren, dass kein illegal gefangener Fisch hinter die Ladentheke gelangt.

Schweiz handelt nachhaltig

Auch die Schweiz ist darum besorgt, Fische aus nachhaltiger Herkunft zu verkaufen. «Schweizer Unternehmen und Händler machen zunehmend eine MSC-Zertifizierung zur Voraussetzung im Einkauf. Besonders die grossen Coop und Migros haben ein umfangreiches Sortiment mit unserem blauen Zeichen entwickelt», sagt Gerlinde Geltinger vom MSC. Aber auch Anbieter wie Marinex, Dörig & Brandl oder die Marken Findus und Coraya böten MSC-gekennzeichnete Artikel an. In der Schweiz werden derzeit 240 Fischerzeugnisse aus MSC-zertifizierter Herkunft verkauft. Gemessen am Jahr 2007 bedeute dies eine gut 200-prozentige Steigerung

Ein Label allein genügt nicht

Der Nachhaltigkeit sind aber auch Grenzen gesetzt. «Aus wirtschaftspolitischen und auch praktischen Gründen kann die Schweiz zurzeit keine Garantie dafür abgeben, dass nur noch MSC-zertifizierte Fischprodukte eingeführt werden», heisst es beim EDA. Zurzeit könne der Bundesrat nicht verhindern, dass auch Fischereiprodukte aus IUU-Fischerei, also Produkte aus illegaler, nicht gemeldeter und unregulierter Fischerei, in die Schweiz gelangen. Dies wäre praktisch nur über einen Importstopp für Fischereiprodukte zu erreichen. Die Durchsetzung eines solchen Verbots sei aber in der heutigen Zeit unrealistisch.

Gewisse Experten sind davon überzeugt, dass die Zukunft der Fischzucht in geschlossenen Gebäuden, also in Fischfarmen liegt. Denn solche geschlossenen Systeme seien ein Mittel gegen die Überfischung der Meere. Gemeint sind Anlagen, in denen sich die Fische vermehren können und nachhaltig mit den Ressourcen Energie und Wasser umgegangen wird. Die Tropenhäuser in Wolhusen und Frutigen beispielsweise basieren auf der Nutzung von Abwärme. Bei Frutigen wird jene aus dem Lötschberg-Basistunnel, in Wolhusen jene der Gasverdichtungsstelle Ruswil genutzt. Das Fischwasser dient zudem tropischen Pflanzen dazu, Papayas, Bananen und Mangos zu produzieren. So können die gelösten Nährstoffe des Fischwassers wiederverwertet werden.

Quelle: nachhaltigkeit.org

Der Fall Melander

Der deutsche Millionär Hans Raab eröffnete 2008 im St. Galler Rheintal die grösste Schweizer Fischfarm für Melander, afrikanische Welse. «Besser als Bio» sollten seine Produkte sein. Doch bereits früh legten der Kantonstierarzt Thomas Giger und der Verein Fair Fish Einspruch ein. Die seit dem 1. September 2008 geänderte Tierschutzbestimmung lässt lediglich vier Tötungsarten von Fisch zu, bei denen die Tiere jeweils betäubt werden müssen. Das ist in der Melander-Fabrik nicht der Fall. Der Verein Fair Fish schlug Raab eine automatische Anlage zur technischen Betäubung vor. Doch Raab weigerte sich, die Produktion umzustellen, als er Ende März dazu angehalten wurde. Der Kanton setzte ihm eine Frist bis zum 15. Mai, um eine artgerechte Betäubung einzuführen. Im April dieses Jahres gab Raab die Tötung der Fische und die Schliessung der Anlage bekannt. Doch schon seit Anfang August dieses Jahres züchtet Hans Raab in Oberriet wieder Melander-Fische, die im Mai 2011 schlachtreif sein sollen. Geschlachtet werden sollen sie mit der gleichen, umstrittenen Methode. Ob der deutsche Unternehmer doch noch auf die Forderungen eingehen wird, ist unklar - immerhin hat er seine Schadenersatzklage über 104 Millionen Franken gegen den Kanton St. Gallen bereits zurückgezogen.

Weitere Informationen zum Thema fair-fish finden Sie hier:

Der Verein fair-fish (www.fair-fish.ch) bietet eine detaillierte Übersicht zu den gängigen Fisch-Labels.

www.codecheck.info - Informiert via App (Strichcode-Scan) und Website welche Fische empfehlenswert sind.