Grosses Interesse an Biofisch in der Schweiz

Das Fleisch von Bio-Fisch ist fester und geschmackvoller.

Das Fleisch von nachhaltig gezüchtetem Fisch ist fester und schmeckt besser. Foto: Elena Gaak, iStock, Thinkstock

Die meisten Schweizer Verbraucher vertrauen heimischen Lebensmitteln, bestätigt eine Studie der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung (SGE) und Coop. Besonders bei Fisch achten sie auf Sicherheit. Ein Grund, warum sie immer häufiger zu nachhaltigen Fischen greifen. Den positiven Trend bestätigen sowohl die drei befragten Fischzuchten als auch Andreas Stamer, Experte bei FIBL. «Das Interesse in der Schweiz ist zunehmend gross. Die Produktion in der Schweiz kann mit der Nachfrage nicht Schritt halten. Der Einzelhandel wäre sehr an weiteren, vor allem exotischen Arten in Bioqualität interessiert.» Dafür müssten mehr Zuchtbetriebe umstellen - jedoch können nur wenige Betriebe die hohen Anforderungen erfüllen. Weitere Hürden sind u.a. die maximale Besatzdichte, die anfallenden Inspektionskosten und das Einrichten von Kompensationsflächen. Kaum Anreiz bieten die zusätzlichen Einnahmen, weil die Preise für konventionelle Fische entsprechend gut sind.

Probleme der konventionellen Aquakultur

Auf den ersten Blick scheint die herkömmliche Aquakultur eine nachhaltige Alternative zum Fischfang. Doch bei genauerer Betrachtung bringen Fischfarmen einige Probleme mit sich. Dort leben die Tiere auf engsten Raum. Das dichtgedrängte Leben widerspricht der artgerechten Tierhaltung. Statt die Ozeane zu entlasten, verschlimmert das Mästen mit konventionellen Fischmehl die Überfischung der Meere. Die wenige Bewegung und das schnelle Wachstum lässt zudem das Fleisch schwammig werden. Weitere Kritikpunkte sind die Gewässerverschmutzung und dass Massenausbrüche das Gleichgewicht der Natur aus dem Lot bringen.

Wo kann man nachhaltige Fische einkaufen?

Bisher gibt es acht mit der Bio Knospe-Gütesiegel zertifizierten Betriebe. Gemäss Bio-Suisse produzierten sieben davon knapp 300 Tonnen Biofisch (Bio aktuell). Das ist jedoch nur ein Bruchteil des gesamten Konsums. Herr und Frau Schweizer assen 2009 mehr als 71.000 Tonnen Fisch. Grossabnehmer für nachhaltigen Fisch sind Schweizer Supermärkte. Rund die Hälfte verkauft Coop. Die Kette unterstützte den Ausbau ökologischer Fischzuchten von Anfang an. Ferner wird die regionale Gastronomie beliefert und es findet ein Verkauf vor Ort oder über den Internetshop statt. Die guten Lebensbedingungen, die längere Lebenszeit und das biologische Futter rechtfertigen den etwas höheren Preis. Bei den Zuchten Nadler und Flückiger kosten die nachhaltigen Fische etwa zehn bis 20 Prozent mehr. Die Forellen im Blausee bleiben länger als ihre Bio-Artgenossen am Leben, da sie in ungewöhnlich kalten Naturseen, in 900 Meter Höhe, aufwachsen. Deshalb leben sie doppelt so lange wie konventionelle Fische, benötigen zwei Mal so viel Pflege und Futter - was letztlich den doppelt so hohen Verkaufspreis erklärt.

Adressen der ökologischen Aquakulturen in der Schweiz (Bio Suisse 2009):

  • Bio-Fischzucht Nadler AG, Aarau Rohr, Telefon: 062 822 33 70
  • Forellenzucht Blausee, Blausee/ BE, Telefon: 033 672 33 33
  • Forellenzucht Flückiger, Uerkheim, Telefon: 062 721 46 46
  • Pisciculture du Vieux-Moulin, L'Isle, Telefon: 021 864 52 72
  • Forellenhof, Knutwil, Telefon: 041 921 19 26
  • Forellenzucht, Bachs, Telefon/Fax: 044 858 09 07
  • ARIS Aquafood SA & Piscicoltura Pura, Soazza, Telefon: 091 831 14 13 / 076 563 04 10
  • New-Valfish SA, Bouveret, Telefon : 024 481 87 23

 

Andreas Stamer rät Verbrauchern, bei Wildfang stets auf das MSC-Siegel zu achten und bei Zuchtfisch vorzugsweise Bio zu kaufen. Lachs, Forellen, Karpfen und auch Pangasius sind in Bioqualität erhältlich. «Fische die sehr hohe Futteransprüche haben, sollte man nicht kaufen,» erklärt der FIBL-Experte.«Das betrifft z.B. Thun aus der Aquakultur, marine Barscharten wie Red Snapper und Baramundi. Generell gilt: Wir sollten uns von der Empfehlung ‚zwei mal pro Woche Fisch’ verabschieden und bewusst einmal im Monat eine (Bio)-Fischmahlzeit geniessen.»

Linktipps:

  •  PDF von Bio Knospe zertifizierten Bio-Fischzuchten
  • Fischzucht Blausee – Fischzucht für Biofische im Berner Oberland

 

Text: Kerstin Borowiak, Quellen: BAFU FIBL Bio Suisse Fischzucht Nadler Blausee Fischzucht Flückinger WWF Schweiz LID Bio aktuell Fischnetz.ch Coop ETHZ