Lebensmittel im Check – so viel nützt Bio wirklich

Bio-Landbau braucht mehr Fläche und für Bio-Produkte zahlen wir bis zu 50 Prozent mehr als für konventionelle. Wie sehr lohnt sich das für Gesundheit und Umwelt tatsächlich?

Bio-Lebensmittel im Check
Foto © valentinrussanov/ E+
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Bio-Äpfel und Bio-Rübli, Bio-Joghurt und Bio-Müesli – im Einkaufskorb der Schweizer landen von Jahr zu Jahr mehr Bio-Produkte. Dafür zahlen wir gerne etwas mehr, denn Umwelt, Tiere und Gesundheit danken es uns. Doch stimmt das tatsächlich? Ist Bio immer die bessere Wahl?

Wir zeigen die Vor- und Nachteile.

Für das grosse Summen

Hochstammbäume bringen mehr Biodiversität.

Hochstammbäume sind wichtig für die Biodiversität, da sie vielen Tierarten einen Lebensraum bieten. Foto © zVg

Für die Biodiversität bringt die biologische Landwirtschaft massive Vorteile. Eine Untersuchung des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) zeigt, dass auf Bio-Höfen rund 30 Prozent mehr Tier- und Pflanzenarten vorkommen und es leben dort auch 50 Prozent mehr wilde Tiere und Pflanzen als auf einem konventionellen Hof. Kommt hinzu, dass Bio-Böden mehr Mikroorganismen aufweisen.

Das kommt unter anderem daher, dass Bio-Betriebe keine chemisch-synthetischen Pestizide oder Kunstdünger ausbringen dürfen.

Die Klimafrage

Bio-Landbau erzielt weniger Ertrag, weshalb für dieselbe Menge Nahrung mehr Fläche benötigt wird als beim konventionellen Anbau. In einer aktuellen Studie, die im Fachmagazin Nature veröffentlicht wurde, schätzen Forscher den Mehrbedarf auf 16 bis 33 Prozent. Da Ackerland aber weltweit knapp ist, würden neue Bio-Felder auf Kosten von Wäldern und anderen bewachsenen Flächen entstehen.

Nicht verpassen!

In der Schweiz macht das FiBL einen Langzeitversuch und vergleicht unter anderem Bio-Landbau mit konventionellem Anbau. Im sogenannten DOK-Versuch produziert die Biovariante 20 Prozent weniger Ertrag als die konventionelle, dies jedoch mit 50 Prozent weniger Dünger und 95 Prozent weniger Pflanzenschutzmitteln.

Biobetriebe verbrauchen dadurch zwischen 30 bis 50 Prozent weniger Energie pro Hektar und 15 bis 25 Prozent weniger Energie pro Kilogramm Nahrung, wie das FiBL schreibt. Das liegt vor allem am Verzicht auf chemisch-synthetischem Dünger. Deren Produktion ist enorm energieaufwändig.

Zudem speichern Bio-Böden mehr CO2 als konventionelle, da sie mehr Humus aufbauen können, der das CO2 bindet. Werden die Böden etwas bearbeitet, lässt sich dieser Effekt sogar noch verstärken.

Werden wir alle satt und wenn ja, wie?

Fakt ist: Bio-Produktion braucht mehr Platz, ist aber für unsere Umwelt letztlich die bessere Wahl. Deshalb pochen Wissenschaftler weltweit seit langem darauf, den Fleischkonsum genauso wie Food Waste massiv zu reduzieren. Auch sollten Nahrungsmittel nicht angebaut werden, um daraus Bio-Treibstoff herzustellen. Durch diese drei Massnahmen würde Agrarfläche für die Bio-Landwirtschaft frei, ohne dass Wälder gerodet werden müssten.

Für ein Kilo Rindfleisch werden 5 bis 20 Kilo Futtermittel und 15'000 Liter Wasser benötigt.

Das Flugzeug bleibt am Boden

Wer mit Bio-Lebensmitteln etwas fürs Klima tun möchte, setzt am besten auf saisonale und regionale Produkte. Denn ein Vergleich, den Wissenschaftler der Carnegie Mellon University in Pittsburgh bei konventionell produziertem Gemüse und Obst gemacht haben, zeigt, wie viel weniger CO2 regional produzierte Lebensmittel verursachen im Gegensatz zu importierten Produkten. So verbraucht ein Kilo regional produziertes Gemüse oder Obst im Schnitt 530 g CO2. Aus Europa importierte Ware schlägt mit 760 g CO2 zu Buche. Was aus Übersee importiert wird, verbraucht 870 g CO2, wenn es per Schiff transportiert wird und unglaubliche 11'300 g CO2 per Flugzeug. Deshalb dürfen Bio Knospe-Produkte, welche die Bio Knospe  nicht mit dem Flugzeug transportiert werden. Fazit: Im Winter kauft man besser regionales, saisonal produziertes Rotkraut statt importierte Peperoni.

Sind Bio-Früchte und –Gemüse gesünder als konventionelle Ware?

Darüber streiten nicht nur die Wissenschaftler gerne. Viele Studien haben bis heute kaum Unterschiede in Bezug auf Vitamine oder Mineralien festgestellt. Zudem schwanken die Ergebnisse stark – auch je nach Anbaugebiet.

Jedoch konnte festgestellt werden, das Bio-Blattgemüse wie Salat, Spinat oder Mangold tiefere Nitratwerte aufweisen. Zudem deuten Studien darauf hin, dass biologisch angebaute Früchte und Gemüse mehr antioxidativ wirkende Polyphenole enthalten. Diese sekundären Pflanzenstoffe dienen der Pflanze als Abwehrstoffe gegen Fressfeinde und Krankheiten. Eine Ursache für den höheren Gehalt wird darin vermutet, dass Biopflanzen sich in der Regel stärker selbst gegen äussere Einflüsse wehren müssen als konventionell angebaute Pflanzen.

Tschüss Pestizide!

Bei Bio-Gemüse und -Obst sind Pestizide verboten

Foto © zVg

Pestizidrückstände im Grundwasser und auf Lebensmitteln sind in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt. Es liegt auf der Hand, dass biologische Lebensmittel viel weniger Pestizidrückstände aufweisen, da deren Einsatz gerade bei den strengen Labels wie die Knospe-Produkte von Bio Suisse oder Naturaplan-Produkte mit der Bio Knospeoder  verboten ist. Doch die Zahlen sind ziemlich eindrücklich: Beim konventionell angebauten Obst und Gemüse wurden dem Bund im vergangenen Jahr 2743 Stichproben gemeldet. 2156 davon enthielten Spuren von Pestiziden 240 davon lagen über dem gesetzlichen Höchstwert – wobei dies meist Ware aus dem asiatischen Raum waren, wo die Richtlinien viel weniger streng sind als in der Schweiz.

Nicht verpassen!

Zwar können Pestizidrückstände auch auf Bio-Gemüse und -Obst nachgewiesen werden. Doch die Mengen liegen um ein Vielfaches tiefer. Eine Studie aus Deutschland hat 58'000 Proben aus drei Jahren untersucht. Die untersuchten Früchte waren im Schnitt bis zu 77-mal mehr belastet als Bio-Obst; Gemüse und Kartoffeln waren 31-mal stärker belastet als ihre biologischen Pendants. Beim konventionellen Getreide lag die Belastung 250-mal höher. (Bei unserem Durchschnitt für die insgesamt 11 Obstsorten, haben wir die Kiwis weggelassen, da deren Belastung 3049 mal höher ist und dies den Durchschnitt zu stark in die Höhe treiben würde, als dass er noch repräsentativ wäre.)

Werden Pestizidrückstände auf Bio-Gemüse und -Früchten nachgewiesen, bewegen sich diese meist deutlich unter dem Schwellenwert von 0,01 mg/kg. Solche Rückstände ergeben sich beispielsweise von Pestiziden, die auf konventionell bewirtschafteten Feldern ausgebracht werden und vom Wind auf Bio-Felder getragen werden.

Bio-Lebensmittel zu kaufen lohnt sich also für unsere Gesundheit und die Umwelt. Dennoch ist es nicht verkehrt, bei Bedarf auf regional und saisonal produzierte, konventionelle Früchte und Gemüse zurückzugreifen.

Dieser Artikel entstand mit Unterstützung der Coop-Nachhaltigkeitsinitiative «Taten statt Worte». Coop bietet mit 4100 Produkten, davon über 2500 der Bio-Eigenmarke Naturaplan, das grösste Bio-Sortiment im Schweizer Detailhandel. Bereits 1993 hat Coop Naturaplan ins Leben gerufen. Das Label gilt bei Umweltorganisationen, unter anderem WWF, als eines der besten Bio-Labels überhaupt. Produktion und Herkunft bei Früchten und Gemüse lassen sich mit der Naturaplan-ID bis aufs Feld zurückverfolgen.

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