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Swiss Climate Scores einfach erklärt

Wenn du Geld anlegst und dabei das Klima mitdenken möchtest, stösst du schnell auf grosse Versprechen und kleine Schrift. Genau hier wollen die Swiss Climate Scores helfen: Sie sollen klimabezogene Informationen zu Fonds und anderen Finanzanlagen vergleichbarer und verständlicher machen. Für Privatanleger:innen in der Schweiz sind sie deshalb vor allem eines: ein Werkzeug, um besser nachzufragen und fundierter zu entscheiden.

Schweizer Flagge neben Klimadiagramm
Die Swiss Climate Scores sollen Klimatransparenz vergleichbarer machen © gopixa / Getty Images

Was die Swiss Climate Scores sind

Die Swiss Climate Scores sind ein Schweizer Transparenzinstrument für Finanzanlagen. Sie wurden vom Staatssekretariat für internationale Finanzfragen zusammen mit dem Bundesamt für Umwelt entwickelt, um klimabezogene Informationen bei Investitionen besser offenzulegen. Der Bundesrat hat die Einführung 2022 unterstützt und damit das Ziel verbunden, die Schweiz als Standort für glaubwürdige Klimatransparenz im Finanzbereich zu stärken.

Wichtig ist: Die Anwendung der Swiss Climate Scores ist freiwillig. Anbieter von Fonds oder Vermögensverwaltungsmandaten sind also nicht generell verpflichtet, sie auszuweisen. Wenn ein Produkt die Scores publiziert, bedeutet das aber, dass bestimmte Klimaangaben nach einem einheitlichen Schweizer Rahmen dargestellt werden sollen. Das erleichtert Vergleiche deutlich mehr als blosse Werbeaussagen wie «klimafreundlich», «Paris-aligned» oder «nachhaltig».

Inhaltlich knüpfen die Swiss Climate Scores an internationale Entwicklungen der Klima-Berichterstattung an. Dazu gehören etwa emissionsbezogene Kennzahlen, Angaben zur Ausrichtung auf Netto-Null-Ziele und Informationen darüber, wie ein Anbieter seine Stimmrechte oder den Dialog mit Unternehmen nutzt. Fachlich passt das zur Logik der klimabezogenen Finanztransparenz, wie sie auch in internationalen Standards und in der Forschung zu Transition Finance diskutiert wird.

Warum die Scores für Privatanleger:innen interessant sind

Für viele Menschen ist nachhaltiges Anlegen schwer zu beurteilen. Ein Fondsprospekt kann sehr umfangreich sein, während Marketingunterlagen oft nur ausgewählte positive Punkte betonen. Die Swiss Climate Scores sind deshalb interessant, weil sie den Fokus auf vergleichbare Klimatransparenz statt blosse Klimasprache legen.

Das ist besonders hilfreich, wenn du zwei Fonds mit ähnlichem Namen oder ähnlicher Nachhaltigkeitsbotschaft vergleichen willst. Ein Produkt kann sich klimafreundlich nennen und trotzdem relevante fossile Expositionen enthalten oder kein glaubwürdiges Ziel zur Emissionsreduktion verfolgen. Umgekehrt kann ein Fonds, der nüchterner kommuniziert, bei der Klimastrategie robuster aufgestellt sein. Die Scores ersetzen deine Entscheidung nicht, aber sie geben dir bessere Fragen an die Hand.

Gerade im Schweizer Markt ist das relevant, weil der Bundesrat wiederholt betont hat, dass Greenwashing im Finanzbereich reduziert werden soll und Transparenz dafür zentral ist. Auch die FINMA hat 2024 in ihrer Aufsichtsmitteilung zu Greenwashing unterstrichen, dass klare, nachvollziehbare und nicht irreführende Aussagen zu Nachhaltigkeitsmerkmalen wesentlich sind. Für dich als Anleger:in heisst das: Je genauer ein Produkt seine Klimadaten offenlegt, desto einfacher lässt es sich einordnen.

Welche Informationen die Scores liefern sollen

Die Swiss Climate Scores bestehen nicht aus einer einzigen Note, sondern aus mehreren Informationsbausteinen. Das ist sinnvoll, denn Klimawirkung lässt sich bei Anlagen nicht seriös in eine simple Schulnote pressen. Stattdessen zeigen die Scores verschiedene Aspekte, die zusammen ein differenzierteres Bild ergeben.

Ausrichtung auf Klimaziele

Ein zentraler Punkt ist die Frage, ob ein Portfolio mit internationalen Klimazielen vereinbar sein soll. Gemeint ist vor allem die Logik des Pariser Klimaabkommens und von Netto-Null-Pfaden. Für dich heisst das praktisch: Der Fonds sollte nicht nur heute relativ niedrige Emissionen ausweisen, sondern auch erklären, wie seine Investitionen zu einem Übergang in Richtung einer emissionsarmen Wirtschaft passen.

Dabei lohnt sich ein genauer Blick. Eine Netto-Null-Aussage ist nur dann belastbar, wenn sie mit einem klaren Zeitpfad, Zwischenzielen und einer nachvollziehbaren Methodik verbunden ist. Das International Sustainability Standards Board, 2023, betont in seinen klimabezogenen Offenlegungsstandards, dass Übergangspläne, Zielsetzung und Messmethoden offengelegt werden sollen. Genau deshalb sind die Swiss Climate Scores als Strukturhilfe nützlich: Sie lenken den Blick auf diese Punkte, statt nur auf ein Schlagwort.

Exposition gegenüber fossilen Energien

Für viele Leser:innen ist dies der wichtigste Prüfpunkt. Die Scores sollen sichtbar machen, wie stark ein Portfolio Unternehmen mit Aktivitäten in fossilen Energien ausgesetzt ist. Das ist relevant, weil fossile Geschäftsmodelle sowohl aus Klimasicht als auch finanziell mit Übergangsrisiken verbunden sein können. Dazu gehören etwa politische Regulierung, technologische Veränderungen oder sinkende Nachfrage.

Entscheidend ist dabei, was genau gemessen wird. Manche Produkte schliessen nur Kohle aus, andere begrenzen zusätzlich Öl und Gas, wieder andere erlauben Übergangsunternehmen mit Reduktionsplänen. Eine niedrige fossile Exposition ist für viele Anleger:innen ein positives Signal, aber sie sagt allein noch nicht alles über die Klimaglaubwürdigkeit eines Fonds aus. Ein Portfolio kann wenig Fossile halten und trotzdem keinen überzeugenden Transformationsansatz haben.

Stewardship und Übergangspfad

Klimaverantwortung bei Anlagen hängt nicht nur davon ab, was ein Fonds hält, sondern auch davon, wie er mit den Unternehmen im Portfolio umgeht. Hier kommt das Thema Stewardship ins Spiel: also Stimmrechtsausübung, Dialog mit Unternehmen und Erwartungen an deren Transformationspfad.

Für Privatanleger:innen ist das wichtig, weil ein Fonds nicht zwingend jedes emissionsintensive Unternehmen sofort ausschliessen muss, um klimarelevant zu sein. Entscheidend ist, ob der Anbieter nachvollziehbar darlegt, wie er Unternehmen zu besseren Zielen, glaubwürdigen Investitionsplänen und messbaren Fortschritten bewegen will. Gute Transparenz zeigt deshalb nicht nur den Ist-Zustand eines Portfolios, sondern auch die Veränderungslogik dahinter.

Was die Scores nicht leisten

So hilfreich die Swiss Climate Scores sind: Sie sind kein Gütesiegel und keine Gesamt-Nachhaltigkeitsnote. Sie sagen also nicht automatisch, dass ein Fonds «gut» oder «schlecht» ist. Vor allem bewerten sie nicht die gesamte Nachhaltigkeit eines Produkts. Themen wie Biodiversität, Menschenrechte, Arbeitsstandards oder gute Unternehmensführung werden damit nicht vollständig abgedeckt.

Auch methodische Grenzen bleiben bestehen. Klimadaten im Finanzbereich beruhen teils auf gemeldeten, teils auf geschätzten Unternehmensdaten. Unterschiede bei Datenanbietern, Berechnungsmethoden und Abgrenzungen können zu abweichenden Ergebnissen führen. Zudem kann ein Fonds seine Zusammensetzung ändern, während veröffentlichte Kennzahlen immer nur einen bestimmten Stichtag abbilden.

Ein häufiges Missverständnis lautet deshalb: «Wenn die Scores gut aussehen, ist mein Geld automatisch klimawirksam investiert.» So einfach ist es nicht. Die Scores erhöhen Transparenz, sie ersetzen aber weder kritisches Lesen noch deine persönliche Entscheidung darüber, welche Klimastrategie du unterstützen willst.

So nutzt du Swiss Climate Scores in der Praxis

Am meisten bringen dir die Swiss Climate Scores, wenn du sie nicht isoliert liest, sondern mit den übrigen Produktunterlagen abgleichst. Besonders nützlich ist die Kombination mit Factsheet, Nachhaltigkeitsbericht und offiziellen Fondsdokumenten. So merkst du schneller, ob die Klimabotschaft konsistent ist oder ob zwischen Werbung und Detailangaben Lücken bestehen.

  • Prüfe zuerst die Grundlagen: Handelt es sich um einen Fonds, ein Vermögensverwaltungsmandat oder ein anderes Anlageprodukt? Sind die Swiss Climate Scores aktuell datiert?
  • Vergleiche Ziel und Bestand: Passt die ausgewiesene Ausrichtung auf Klimaziele zur tatsächlichen Portfoliostruktur und zu den fossilen Expositionen?
  • Schaue auf den Übergangspfad: Gibt es Zwischenziele, eine Methodik und Angaben dazu, wie Stimmrechte und Engagement eingesetzt werden?
  • Lies das Kleingedruckte: Werden Daten geschätzt? Gibt es Einschränkungen für bestimmte Anlageklassen? Welche Definition von «fossil» wird verwendet?
  • Vergleiche mehrere Produkte: Nicht nur den beworbenen Favoriten. Gerade im Vergleich wird sichtbar, ob ein Anbieter wirklich transparenter ist.

Praktisch hilfreich ist auch eine einfache Prüffrage: Würde ich nach dem Lesen der Scores einer anderen Person in einem Satz erklären können, warum dieses Produkt klimabezogen glaubwürdig ist? Wenn das nicht gelingt, fehlen oft noch entscheidende Informationen.

Wenn du bereits einen Fonds besitzt, lohnt sich dieselbe Prüfung im Bestand. Du musst also nicht erst neu investieren, um die Scores sinnvoll zu nutzen. Auch bestehende Anlagen lassen sich damit besser einordnen. Das kann entlastend sein, weil nachhaltiges Anlegen oft mit Unsicherheit verbunden ist. Transparenz nimmt dir die Entscheidung nicht ab, aber sie reduziert das Gefühl, im Nebel unterwegs zu sein.

Welche Schweizer Quellen du dafür nutzen kannst

Für die praktische Recherche brauchst du keine Spezialsoftware. In vielen Fällen reichen die öffentlich verfügbaren Unterlagen der Anbieter und einige offizielle Schweizer Stellen. Besonders relevant sind die Informationen des Staatssekretariats für internationale Finanzfragen und des Bundesamts für Umwelt zu den Swiss Climate Scores selbst. Dort findest du den offiziellen Rahmen und seine Zielsetzung.

Daneben helfen Produktunterlagen wie Factsheets, Jahres- oder Nachhaltigkeitsberichte sowie die rechtlich massgebenden Fondsdokumente. Für die Suche und den Vergleich von Fonds kann auch Swiss Fund Data nützlich sein, weil dort grundlegende Produktinformationen gebündelt auffindbar sind. Wenn ein Anbieter Swiss Climate Scores ausweist, solltest du immer prüfen, ob diese Angaben mit den übrigen Dokumenten übereinstimmen.

  • SIF und BAFU: offizieller Rahmen, Zielsetzung und Hintergrund der Swiss Climate Scores
  • FINMA-Unterlagen: Orientierung zu Greenwashing und zu klaren Nachhaltigkeitsaussagen
  • Anbieterberichte: Factsheets, Stewardship- oder Engagement-Berichte, Klima- und Nachhaltigkeitsberichte
  • Fondsdokumente: Prospekt, Basisinformationsblatt und weitere offizielle Produktunterlagen
  • Swiss Fund Data: Vergleich und Auffindbarkeit von Fondsinformationen im Schweizer Markt

Fazit

Die Swiss Climate Scores sind kein Wundermittel, aber ein sehr nützliches Werkzeug. Sie helfen dir, bei Fonds und anderen Finanzanlagen genauer hinzuschauen: auf Klimaziel-Ausrichtung, fossile Exposition und den tatsächlichen Umgang mit dem Übergang zu einer klimaverträglicheren Wirtschaft.

Wenn du die Scores zusammen mit Factsheet und Fondsdokumenten liest, bekommst du deutlich mehr Orientierung als durch Marketingbegriffe allein. Genau darin liegt ihr Wert: nicht in einer schnellen Etikette, sondern in besserer, vergleichbarer Klimatransparenz für deine Anlageentscheidung.

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