«Es gilt den Gewinn eines nachhaltigen Lebens zu betonen!»

Was für ein nachhaltiges Produkt oder welche nachhaltige Dienstleistung würden Sie sich wünschen?

Gerade heute hat meine Frau in unserem Bioladen bunte Zuckerstreusel ohne Azo-Farbstoffe (synthetische Farbstoffe) entdeckt. Ich hätte nicht für möglich gehalten, dass so etwas (endlich) angeboten wird. Es gibt – vielleicht werde ich ja korrigiert – meines Wissens auch keine Marzipan-Rüebli für die Aargauer Rüebli-Torte ohne besagte Farbstoffe, von denen einige im dringenden Verdacht stehen, bei Kindern zu Verhaltensauffälligkeiten beizutragen. Manch einer mag darüber schmunzeln – aber ich habe in den letzten Jahren bereits derart viele Produkte auftreiben können, die nachhaltig produziert wurden oder einen klaren ökologischen oder gesundheitlichen Vorteil bringen, dass ich inzwischen in diesen «Niederungen» der kleinen Dinge des Alltags angekommen bin. Und die Jagd macht noch immer grossen Spass…

Was wäre Ihr dringendster Wunsch an die Politik zur Förderung einer nachhaltigeren Gesellschaft?

«Die Politik» sind in Demokratien letztlich wir alle. Und von diesen wünsche ich mir ein wenig mehr kritische Auseinandersetzung mit dem eigenen Handeln und dessen Auswirkungen.

Was planen Sie persönlich in den nächsten 2 Jahren, um eine nachhaltige Entwicklung zu unterstützen?

Weiterhin konsequent so zu leben, wie ich es derzeit tue, mein Wissen an andere weiterzugeben und ihnen wenigstens ein bisschen jenes Enthusiasmus zu vermitteln, den ich in Bezug auf Nachhaltigkeit und nachhaltigen Konsum entwickelt habe.

Worin sehen Sie in den kommenden Jahren die grössten Herausforderungen für eine nachhaltige Entwicklung?

Ich halte es für die grösste Herausforderung, die Menschen glaubwürdig und authentisch davon zu überzeugen, dass ein nachhaltigerer Lebensstil nicht nur möglich ist, sondern auch Freude bereiten kann. Das geht allerdings nur, wenn wir die alten Verzichtsmetaphern über Bord werfen und stärker jenen Gewinn in den Mittelpunkt stellen, den wir alle durch mehr Nachhaltigkeit für unser Leben erzielen können.

Nachhaltige Lösungen haben oft ästhetische Beeinträchtigungen zur Folge, wie zum Beispiel Solarzellen im historischen Stadtbild. Wo sollte man die Grenze ziehen?

Um ehrlich zu sein halte ich diese Diskussionen für reichlich bigott. Seit der Industrialisierung hat die Menschheit die Erde einmal komplett umgepflügt und dabei kaum einen Stein auf dem anderen gelassen. Und nachdem wir heute in einer zivilisatorisch komplett überformten Welt angelangt sind, diskutieren wir über ästhetische Beeinträchtigungen durch Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien.

Wem würden Sie selbst die letzten 11 Fragen gern stellen? Und warum?

Meinem Sohn in 20 Jahren. Dies, um zu sehen, ob Erziehung zu einem nachhaltigen Lebensstil wirklich den grossen Einfluss hat, den ich vermute.