Claus-Heinrich Daub: «Ein nachhaltiger Lebensstil macht Spass»

Prof. Dr. Claus-Heinrich Daub setzt sich als Dozent, Forscher und Unternehmensberater für eine nachhaltigere Wirtschaft ein. Im Interview mit nachhaltigleben.ch spricht er über seine alltägliche Jagd nach nachhaltigen Produkten und darüber, wie viel Spass Nachhaltigkeit machen kann.

Daub_200x300
Prof. Dr. Claus-Heinrich Daub, Foto: privat
  • 3

Prof. Dr. Claus-Heinrich Daub studierte an den Universitäten in Konstanz, Freiburg und Basel. Nach seinem Studium und Tätigkeiten im Journalismus sowie im Bereich Marketing und Kommunikation beschloss er, die Wissenschaft mit der Praxis zu verbinden und fokussierte sich in seiner Arbeit schon früh auf seinen heutigen Forschungs- und Beratungsschwerpunkt, der nachhaltigen Organisationsentwicklung und Unternehmensführung.

Seit 1999 ist Daub Professor für Marketing und Management an der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) und leitet dort seit 2006 den Kompetenzschwerpunkt nachhaltiges Management. Daneben ist Claus-Heinrich Daub Privatdozent für Soziologie an der Universität Basel und Chairman der internationalen Nachhaltigkeitskonferenz (ISC), welche 2012 zum dritten Mal stattfindet und sich hauptsächlich mit Forschungs- und Entwicklungsarbeiten im Bereich Nachhaltigkeit befasst. Ausserdem ist er Präsident der Jury des Schweizer Nachhaltigkeitspreises «Prix Nature».

Im Interview mit nachhaltigleben.ch spricht Claus-Heinrich Daub über sein privates Engagement für eine nachhaltigere Gesellschaft.

Wer ist Ihr ökologisches Vorbild? Und was zeichnet dieses Vorbild für Sie aus?

Mein ökologisches Vorbild war noch nie ein Mensch, sondern schon immer der Baum. Er gibt sich mit einem Standort zufrieden, konsumiert nur so viel, wie er wirklich benötigt, und reagiert – so jedenfalls mein Eindruck – sehr gelassen auf äussere Einflüsse.

Wie stark hat die in den letzten Jahren zunehmende Auseinandersetzung mit Nachhaltigkeit Ihr Leben verändert?

Als Dozent, Forscher und Berater beschäftige ich mich seit vielen Jahren tagtäglich eigentlich mit nichts anderem mehr. Insofern kann ich mir ehrlich gesagt gar nicht vorstellen, wie mein Leben aussähe, wenn es nicht von diesem Thema dominiert wäre.

Was motiviert Sie, sich für Nachhaltigkeit einzusetzen?

Es macht schlicht ungeheuer grossen Spass, über nachhaltige Lösungen in Wirtschaft und Gesellschaft nachzudenken und zusammen mit anderen Menschen an deren Realisierung mitzuwirken.

Wie verhält sich Ihre Familie, wenn es um Nachhaltigkeit geht? Gibt es diesbezüglich Diskussionen am Familientisch?

Unserem inzwischen fünfjährigen Sohn haben wir bislang einfach vorgelebt, was wir als einen «nachhaltigen Lebensstil» betrachten. So ist er ein begeisterter Helfer im eigenen Gemüsegarten geworden, isst aus (zunächst noch kindlicher) Überzeugung heraus kein Fleisch, weiss, dass unser Strom aus den Photovoltaikzellen auf dem Dach stammt und misst dem «Habenwollen» von Dingen im Vergleich zu anderen Kindern kaum Bedeutung bei. Und letzteres erweist sich spätestens bei der berüchtigten Quengelware an der Supermarktkasse als ein Segen.

Für welche persönliche Öko-Sünde schämen Sie sich am meisten? Und warum begehen sie diese trotzdem?

Das Autofahren ist definitiv meine grösste Öko-Sünde. Die Zugverbinden zwischen Deutschland, wo ich wohne, und der Schweiz, wo ich arbeite, sind leider derart bescheiden, dass ich häufig nicht darum herumkomme. Immerhin werde ich von meinen Kollegen für meinen zwar hocheffizienten aber alles andere als «Status» signalisierenden Kleinwagen bemitleidet – und das zeigt mir, dass ich kein gar so grosser Sünder bin.

Angenommen, eine nachhaltigere Gesellschaft wäre nur mit persönlichem Verzicht machbar. Auf was würden Sie verzichten?

Ich verzichte bereits auf das Fliegen, auf Fleisch, auf bestimmte nicht saisonal, regional und/oder in Bio-Qualität zu bekommende Lebensmittel, auf Kleidung, die unter menschenunwürdigen Bedingungen in Fernost zusammengenäht wurde (was immer noch bei einem Grossteil der Kleidung der Fall ist), auf nahezu alle Produkte aus Plastik und vieles mehr. Wobei ich kritisch zurückfragen muss, ob das wirklich als ein «Verzicht» anzusehen ist? Schliesslich vermittelt einem das Nicht-Haben all dieser Dinge auch ein Wohlgefühl, das einen allfälligen Verzicht problemlos ausgleichen kann.