Beitrag von Investments zur nachhaltigen Entwicklung

Die einzelnen Ansatzpunkte der Darmstädter Definition veranschaulichen, in welchen Bereichen Investments konkrete Beiträge zu einer nachhaltigeren Entwicklung leisten können. Hiervon sind in erster Linie Bereiche betroffen, die langfristige Trends beschreiben bzw. mit einem längerfristigen Umstellungsprozess verbunden sind. Somit ist der Aspekt der Langfristigkeit ein zentrales Element für den Beitrag von Geldanlagen zu einer nachhaltigen Entwicklung. Nur wenn die verwendeten bzw. eingesetzten Gelder dauerhaft zur Verfolgung der einzelnen Nachhaltigkeitsziele bereit gestellt werden, können sich die hierfür notwendigen Strukturen (z.B. Etablierung neuer Absatzkanäle für Fair-Trade-Produkte oder Forschungs- und Entwicklungsprozesse für ressourceneffiziente Produktionstechnologien) herausbilden und Schritte in Richtung mehr Nachhaltigkeit vom Finanzmarkt induziert werden.

Aus dieser Langfrist-Perspektive ergibt sich aber auch ein Selbstzweck aus Sicht des Kapitalmarkts: Die unterschiedlichen Wege hin zu einer nachhaltigen Entwicklung werden von verschiedenen Seiten (ein)gefordert, forciert und bestimmt. Genannt seien hier nicht nur gesetzgeberische Maßnahmen, Kundenverhalten, NGO-Kampagnen oder internationale Abkommen, sondern auch die natürlichen Grenzen, wofür die derzeit ansteigenden Preise für den nicht erneuerbaren Energieträger Öl ein gutes Beispiel bieten. Diese verschiedenartigen Einwirkungen und die damit verbundene Änderung der betrieblichen Rahmenbedingungen und Handlungsräume führen zu zwei elementaren Änderungen für die Unternehmen: Durch eine frühzeitige Antizipierung neuer Risiken und Chancen, können sie entsprechende Wettbewerbsvorteile generieren und ihren langfristigen Unternehmensbestand sichern. Diese Denkweise lässt sich nun auf die Logik des Kapitalmarkts übertragen und als einen theoretischen Anspruch für ein nachhaltigeres Investment formulieren:

Eine Berücksichtigung der sich durch eine nachhaltige Entwicklung ergebende Änderung der Rahmenbedingungen des Wirtschaftens trägt inhärent zu einer Verbesserung der ökonomischen Nachhaltigkeit von Unternehmen bei. Die frühzeitige Antizipierung der Änderungen entscheidet daher darüber, wer zu den Gewinnern und Verlieren dieser Entwicklung gehören wird. Ziel eines an Nachhaltigkeitszielen orientierten Investments ist es daher, diese Trends zu erkennen und bei der Anlageentscheidung entsprechend zu berücksichtigen. So können die finanzielle Performance der eigenen Mittel langfristig gesichert und gewinnbringend investiert und Risiken minimiert bzw. eliminiert werden, während gleichzeitig die ökologische und soziale Dimension einer nachhaltigen Entwicklung gefördert werden.

Es lässt sich festhalten, dass Auswahlverfahren für nachhaltige Investments bereits heute in vielen Bereichen die Anforderungen der Darmstädter Definition für nachhaltige Geldanlagen erfüllen können. Da der Markt für nachhaltige Anlagen jedoch noch immer einen Nischenmarkt darstellt, muss der tatsächliche Beitrag des Kapitalmarktes zu einer nachhaltigen Entwicklung als eher gering eingestuft werden. Um diesen zu erhöhen und das eigentlich Potential nachhaltiger Anlagen zu fördern, gilt es also, die Weiterentwicklung nachhaltiger Investments voranzutreiben.

Dieser Artikel basiert auf Baumast, A., Busch, T. (2005): Kapitalmärkte – Motoren einer nachhaltigen Entwicklung? UmweltWirtschaftsForum, 13. Jg., H. 4, Springer-Verlag, Berlin, Heidelberg, 67-72.

Text: Timo Busch

Dr. Timo Busch ist Dozent und Oberassistent an der ETH Zürich, Departement of Management, Technology, and Economics.