Konsequenzen der Krise für Berater und Anleger

Bezogen auf die Häufung der unvorhersehbaren Katastrophen der letzten Jahre, welche Konsequenzen müssen Finanzexperten und auch Anleger daraus für die zukünftige Auswahl von Investitionen ziehen?

In der Vergangenheit wurde ein massives Vertrauen in Experten und Prognosen gesetzt. Jetzt zeigt sich, dass dies wahrscheinlich zu viel Vertrauen war. Dass die angekündigten Prognosen nicht unbedingt in Erfüllung gehen müssen, hat man oft nicht in Betracht gezogen bei der Auswahl von Investitionen. Die vielen unvorhersehbaren Krisen in den letzten Jahren zeigen jedoch, wie wichtig es ist, diese Voraussagen nicht als gegebene Fakten sondern als Annahmen einzustufen. Das mussten wir in den letzten Krisen-Jahren erst mal lernen. Deshalb ist der Vorfall in Japan auch eine Chance, den Wert langfristiger Trend-Analysen zu überdenken.

Welche dieser Trends sind heute überhaupt noch verwertbar?

Die demographischen Berechnungen sind eine Auswertung, die sehr viel Gewicht hat für die längerfristige Entwicklung der Finanzmärkte. Die Gesellschaft wird immer älter. Das trifft auch auf Japan zu und wird eine Rolle bei dem Wiederaufbau der Wirtschaft spielen. Die demographische Entwicklung ist dabei ein negativer Trend, der im Hintergrund mitläuft. Solche unvorhersehbaren Krisen wie der Tsunami und die Atomkatastrophe sind dann plötzliche, negative Einflüsse, welche die Wirtschaft zusätzlich belasten.

Welche anderen Instrumente zur Auswahl von Investitionen gibt es inzwischen?

Gutes Risikomanagement arbeitet mit Szenario-Analysen. Man geht nicht von starren Prognosen aus, wie die Welt voraussichtlich werden wird. Im Gegenteil werden beim Risikomanagement mehrere Szenarien entworfen, wie die wirtschaftliche Entwicklung aussehen könnte. Dazu wird analysiert, wie diese Szenarien die eigene finanzielle Situation beeinflussen könnten und wie man bei seinen Investitionen die Risiken minimieren kann.

Welche Rolle spielen dabei nachhaltige Geldanlagen?

Ein nachhaltiges Investment trägt oft dazu bei, Risiken zu minimieren. Schon alleine das Wort sagt alles. Ein nachhaltiges Investment. Wenn man eine Wahl hat, wer will dann nach der Finanzkrise noch ein Investment, dass nicht auf Nachhaltigkeit ausgelegt ist? Wer will in Wirtschaftszweige investieren, die instabil sind und jederzeit kollabieren können? Da ist es eher angebracht in eine etwas langsamer wachsende Wirtschaft zu investieren, die dafür stabiler ist.

Interview: Bianca Sellnow
 

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