Nachhaltige Infrastrukturen: Welche Investments lohnen?

Für die Energiewende in Europa müssen erneuerbare Energien ausgebaut werden. Zudem braucht es neue Stromnetze und Energiespeicher. Was für Anlagemöglichkeiten es rund um nachhaltige Infrastrukturen gibt, zeigt ein Dialog des Forums Nachhaltige Geldanlagen (FNG) in Zürich.

Nachhaltige Investments in erneuerbare Energien und Infrastrukturen
Nachhaltige Investments in erneuerbare Energien sind stabil und verfügen über eine gute Rendite. Foto: frankpeters, iStock, Thinkstock
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Wer in eine nachhaltige Infrastruktur investieren möchte, hat viele unterschiedliche Möglichkeiten. Doch wie ertragreich sind diese Investments? Und welche Risiken gibt es? Diesen Fragen widmet sich das Expertenteam im Dialog des FNG im Juni in Zürich unter der Moderation von Dr. Dominique Candrian, Managing Director EIC Partners.

Einig sind sich alle Experten über die Wichtigkeit erneuerbarer Energien für den Aufbau einer nachhaltigen Energiewirtschaft. Allein in Deutschland müssen bis 2022 über 20 Gigawatt Strom ersetzt werden, die bisher durch Atomkraftwerke produziert wurden, wie Experte Erich Becker von Zouk zu Beginn des Dialogs feststellt. «Über Europa hinweg sind es sogar ungefähr 130 Gigawatt», erklärt Becker weiter. Um diesen Ersatz und damit den Wechsel auf erneuerbare Energien ohne drohende Stromlücken zu leisten, braucht es nicht nur mehr Wasserkraft-, Solar- oder Windkraftanlagen. Auch verbesserte Stromnetze und neue Energiespeicher sind notwendig.


Erneuerbare Energien: Lohnendes Investment auch bei Kürzung der Subventionen

Besonders die Investition in Solaranlagen boomte in den letzten Jahren. Und das aus gutem Grund, denn Investments in erneuerbare Energien sind in der Regel sehr stabil und verfügen mit durchschnittlich 5 Prozent über eine ordentliche Rendite. Inzwischen sind jedoch vielerorts die Subventionen für den Bau von Solaranlagen gekürzt wurden, wie etwa in Deutschland. «In Solaranlagen zu investieren lohnt sich dennoch», erklärt Erich Becker. Die Kosten für Panels sind in den letzten Jahren stark gesunken, während die Wirkungsgrade sich immer weiter verbessert haben. Solaranlagen sind ausserdem ein relativ sicheres Investment, weil die Anlagen nicht sehr wartungsintensiv sind, sie eine garantierte Lebenserwartung von 25 Jahren oder mehr haben und sowohl in Deutschland als auch in der Schweiz die Einspeisevergütung über 20 bis 25 Jahre hinweg festgelegt ist.

Neben Photovoltaikanlagen wird auch das Investment in Windkraftanlagen immer populärer. Der Preisverfall hat dem Ausbau einen Schub gegeben und die Anzahl der Windkraftwerke gerade im letzten Jahr stark steigen lassen. Dabei liegen die Renditen ähnlich hoch wie bei Solaranlagen. Offshore-Windanlagen bieten grosse Kapazitäten, der Ausbau läuft aufgrund der höheren Risiken und Kosten bisher recht zögerlich.

«Wichtig beim Investment in nachhaltige Energien ist jedoch, das Risiko zu kennen und gut abschätzen zu können», erläutert Experte Beat Lüthi, Advisor SUSI Partners und CFO der Albers Gruppe, in seinem Vortrag. Als Beispiele nannte er das Wetter, bauliche Massnahmen, sowie Risiken im Bezug auf Gegenparteien (etwa bezogen auf die Einspeisevergütung). Jedoch betont Lüthi auch, dass diese Risiken in der Planung eines Projekts gut minimiert werden könnten, wenn man darauf Einfluss habe.

Nachhaltige Investitionen in Stromnetze und Energiespeicher

Bisher haben meist wenige Stromerzeuger, wie Atomkraftwerke, viele Haushalte auf einmal mit Strom versorgt. Durch die vermehrte Versorgung mit erneuerbaren Energien nimmt nun jedoch die Energieproduktion kleiner Erzeuger zu, deren Strom direkt durch lokale Abnehmer genutzt wird. Während fossile Energieträger zudem konstant die gleiche Menge an Strom liefern, produzieren viele alternative Energiequellen wie Windkraft und Solaranlagen ,je nach vorherrschenden Wetterbedingungen, mal mehr oder weniger Energie.

Nachhaltige Investments in erneuerbare Energien und Infrastrukturen

Auch Investments in Infrastrukturen sind lohnend. Foto: © Thinkstock / iStockphoto

Für diese dezentrale und gleichzeitig schwankende Stromerzeugung sind die derzeitigen Stromnetze jedoch zu ineffizient. Deshalb müssten sie durch intelligente Netze, so genannte Smart Grids, ersetzt werden, wie Beat Lüthi erklärte. Sie können Stromschwankungen besser ausgleichen und den Energieverbrauch variabler gestalten. Nur auf Deutschland gerechnet, müssen ungefähr 12.000 Kilometer Netze in den kommenden Jahren ausgetauscht oder saniert werden. Das bietet sowohl für institutionelle, wie auch für private Anleger mögliche Investitionen. Den aktuellen Plan für den Netzausbau am Beispiel Deutschland finden Sie unter netzentwicklungsplan.de. Der Plan für den kommenden Netzausbau in der Schweiz wird ab 2013 verfügbar sein. Weitere Informationen dazu finden Sie unter swissgrid.ch.

Während sich die Investition in erneuerbare Energien bereits weitestgehend etabliert hat, sind solch nachhaltige Geldanlagen in Infrastrukturen längst nicht so populär. Zu Unrecht, wie der Experte für geschlossene Fonds und nachhaltige Geldanlagen Edmund Pelikan von epk Media erklärt. In den Ausbau der Stromnetze zu investieren, könne ebenso sinnvoll und ertragreich sein, wie ein Investment in einen Windpark oder eine Solaranlage. Doch trotz ähnlicher Renditen bleibt ein Boom derzeit noch aus. «Kunden nehmen diese Möglichkeit der Investition noch nicht an, weil sie ihnen nicht interessant erscheint», so Pelikan.

Neben den Stromnetzen müssen für die Vollversorgung mit erneuerbaren Energien auch neue Stromspeicher gebaut werden. Diese sollen mögliche Schwächen wie ungünstige Wetterbedingungen, zum Beispiel fehlender Wind oder Sonne, ausgleichen, damit es nicht zu Stromlücken kommt. Die Weiterentwicklung effizienter Stromspeicher ist jedoch noch nicht ausgereift und es wird noch eine Weile dauern, bis sich daraus sinnvolle Investments ergeben.
 

Text: Bianca Sellnow