Nachhaltige Geldanlage und Steuern in der Schweiz: Was ist relevant? Theresa Keller Wer nachhaltig investieren will, möchte mit dem eigenen Geld Wirkung erzielen – und gleichzeitig die Finanzen im Griff behalten. Gerade bei ETF, Fonds, Aktien oder der Säule 3a taucht schnell die Frage auf, was steuerlich in der Schweiz eigentlich zählt. Die gute Nachricht: Nachhaltigkeit verändert die Grundlogik der Besteuerung meist nicht, aber die Produktart und die Art des Ertrags machen einen grossen Unterschied. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Auch nachhaltige Anlagen folgen in der Schweiz einer klaren Steuerlogik. © Nanci Santos / Getty Images Wenn du in der Schweiz als Privatperson investierst, ist für die Steuer meist nicht entscheidend, ob ein Produkt nachhaltig ist, sondern wie es rechtlich aufgebaut ist und welche Erträge daraus entstehen. Das gilt für klassische Anlagen ebenso wie für ESG-Fonds, nachhaltige ETF oder Green Bonds. Massgeblich sind vor allem Vermögenssteuer, Einkommenssteuer auf Zinsen und Dividenden, die Verrechnungssteuer sowie bei der gebundenen Vorsorge die besonderen Regeln der Säule 3a. Was bei nachhaltigen Anlagen steuerlich gleich bleibt Nachhaltig ändert die Steuerlogik nicht automatisch Viele Anleger:innen vermuten, dass nachhaltige Produkte steuerlich bevorzugt werden. Für Schweizer Privatanleger:innen stimmt das in der Regel nicht automatisch. Ein nachhaltiger ETF wird grundsätzlich nach denselben steuerlichen Prinzipien behandelt wie ein konventioneller ETF. Dasselbe gilt für nachhaltige Aktienfonds, Obligationenfonds oder Einzelaktien. Entscheidend ist also nicht das Nachhaltigkeitslabel, sondern die steuerliche Einordnung des Produkts. Die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) veröffentlicht dafür die massgeblichen Daten, insbesondere für Fonds und ETF. Dort wird ersichtlich, welche Erträge steuerbar sind und wie ein Produkt in der Steuererklärung zu deklarieren ist. Gerade bei ausländischen oder thesaurierenden Produkten ist das wichtig, weil steuerbare Erträge nicht immer einfach aus dem Depotauszug ablesbar sind. Warum Produktart und Ertrag entscheidend sind Steuerlich relevant ist vor allem, welche Art von Ertrag du erzielst. Dividenden aus Aktien und Zinsen aus Obligationen oder Konten sind für Privatpersonen in der Schweiz grundsätzlich einkommenssteuerpflichtig. Kursgewinne auf dem Verkauf von Wertschriften sind im Privatvermögen dagegen meist steuerfrei, solange du steuerlich nicht als professionelle:r Wertschriftenhändler:in eingestuft wirst. Die ESTV beschreibt diese Grundsystematik in ihren Informationen zur Wertschriftenbesteuerung. Für nachhaltige Geldanlagen bedeutet das: Ein nachhaltiger Aktien-ETF kann steuerbare Dividenden enthalten, ein nachhaltiger Obligationenfonds laufende Zinsen, und ein Impact-Fonds je nach Ausschüttungspolitik ebenfalls steuerbare Erträge. Die Nachhaltigkeit des Anlageziels ändert daran nichts. Relevant sind Struktur, Domizil, Ertragsart und die korrekte Deklaration. Diese Steuerfragen sind für Schweizer Anleger:innen zentral Vermögenssteuer In der Schweiz unterliegt dein Nettovermögen der kantonalen Vermögenssteuer. Dazu gehören in der Regel auch Wertschriften wie Aktien, ETF und Fonds, unabhängig davon, ob sie nachhaltig investieren oder nicht. Massgeblich ist der Steuerwert per Ende des Steuerjahres. Für viele in der Schweiz kotierte oder steuerlich erfasste Produkte stellt die ESTV offizielle Kurs- und Steuerwerte zur Verfügung. Praktisch heisst das: Wenn du am 31. Dezember nachhaltige ETF oder Fonds im Depot hältst, musst du diese in der Steuererklärung mit dem massgeblichen Steuerwert angeben. Bei grösseren Vermögen kann die Vermögenssteuer spürbar sein, auch wenn die Sätze kantonal sehr unterschiedlich sind. Nachhaltige Anlagen sind hier also kein Sonderfall, sondern Teil deines deklarationspflichtigen Vermögens. Einkommenssteuer auf Zinsen und Dividenden Dividenden und Zinsen sind im Privatvermögen grundsätzlich steuerbares Einkommen. Das betrifft etwa Dividenden aus nachhaltigen Aktien oder Aktienfonds sowie Zinsen aus nachhaltigen Obligationenfonds. Auch wenn ein Fonds oder ETF den Ertrag nicht ausschüttet, sondern wieder anlegt, können diese Erträge steuerlich trotzdem relevant sein. Die ESTV weist für viele thesaurierende Fonds die steuerbaren Erträge separat aus. Hier liegt eine häufige Fehlerquelle: Thesaurierend heisst nicht steuerfrei. Wenn ein ETF Erträge intern wieder anlegt, kannst du steuerpflichtige Erträge haben, obwohl auf deinem Konto keine Ausschüttung angekommen ist. Genau deshalb lohnt sich der Blick in das Kurslisten- und Wertschriftenverzeichnis der ESTV. Verrechnungssteuer und korrekte Deklaration Die Schweizer Verrechnungssteuer beträgt auf bestimmten Kapitalerträgen grundsätzlich 35 Prozent. Ihr Zweck ist vor allem die Sicherung der korrekten Deklaration. Wenn du etwa Dividenden oder Zinsen mit Verrechnungssteuer erhältst und diese vollständig in deiner Steuererklärung angibst, kannst du die Verrechnungssteuer in der Regel zurückfordern oder sie wird angerechnet. Die Eidgenössische Steuerverwaltung erläutert diesen Mechanismus in ihren Informationen zur Verrechnungssteuer. Für dich ist deshalb besonders wichtig: Nicht nur Erträge zu kassieren, sondern sie auch sauber zu deklarieren. Wer Positionen oder Erträge vergisst, riskiert unnötige Rückfragen oder im schlimmsten Fall steuerliche Nachteile. Das gilt für nachhaltige Anlagen genauso wie für alle anderen Wertschriften. Was bei ETF, Fonds, Aktien und Säule 3a besonders wichtig ist Ausschüttend oder thesaurierend Bei ETF und Fonds ist die Unterscheidung zwischen ausschüttend und thesaurierend zentral. Ausschüttende Produkte zahlen Erträge an dich aus. Diese Beträge sind meist einfacher nachzuvollziehen und in der Steuerbescheinigung oft klar ausgewiesen. Thesaurierende Produkte legen Erträge intern wieder an. Aus Anlagesicht kann das bequem sein, steuerlich verlangt es aber etwas mehr Aufmerksamkeit. Wenn du in einen nachhaltigen ETF investierst, lohnt sich deshalb vor dem Kauf ein kurzer Blick auf die Fondsdokumente und auf die Erfassung bei der ESTV. So siehst du, ob steuerbare Erträge ausgewiesen werden und wie du diese später deklarieren musst. Das reduziert Überraschungen bei der Steuererklärung. Schweizer und ausländische Produkte Ob ein Produkt in der Schweiz oder im Ausland domiziliert ist, kann den administrativen Aufwand erhöhen. Bei ausländischen ETF oder Fonds können ausländische Quellensteuern auf Dividenden anfallen. Diese sind nicht dasselbe wie die Schweizer Verrechnungssteuer. Je nach Doppelbesteuerungsabkommen kann ein Teil anrechenbar oder rückforderbar sein, aber nicht immer vollständig und nicht immer ohne Aufwand. Für viele Privatanleger:innen ist deshalb nicht nur die Nachhaltigkeitsstrategie eines Produkts wichtig, sondern auch seine steuerliche Handhabbarkeit. Ein ausländischer nachhaltiger ETF kann inhaltlich überzeugen, aber administrativ anspruchsvoller sein als ein Produkt, dessen Daten im Schweizer Steuerverzeichnis sauber erfasst sind. Wenn du Einfachheit schätzt, kann das ein relevantes Auswahlkriterium sein. Produktart Steuerlich relevant Worauf achten? Nachhaltige Einzelaktien Vermögenssteuer; Dividenden als Einkommen; Kursgewinne privat meist steuerfrei Dividenden vollständig deklarieren; Steuerwert per Jahresende erfassen Nachhaltige ETF/Fonds ausschüttend Vermögenssteuer; ausgeschüttete Erträge als Einkommen Steuerauszug prüfen; Verrechnungssteuer und allfällige Quellensteuer beachten Nachhaltige ETF/Fonds thesaurierend Vermögenssteuer; ausgewiesene thesaurierte Erträge als Einkommen Im ESTV-Verzeichnis nach steuerbaren Erträgen suchen Nachhaltige Obligationenfonds Vermögenssteuer; Zinsen als Einkommen Zinsanteil ist steuerlich oft besonders relevant Säule 3a mit nachhaltiger Anlagestrategie Einzahlungen grundsätzlich abzugsfähig; Vermögen und laufende Erträge während der Laufzeit privilegiert Jährliche Maximalbeträge und Besteuerung bei Auszahlung beachten Steuervorteile der gebundenen Vorsorge Besonders interessant für nachhaltige Anleger:innen ist die Säule 3a. Wenn du über eine 3a-Lösung nachhaltig investierst, gelten die steuerlichen Vorteile der gebundenen Vorsorge unabhängig davon, ob die Strategie konventionell oder nachhaltig ausgerichtet ist. Beiträge an die Säule 3a sind im Rahmen der gesetzlichen Maximalbeträge vom steuerbaren Einkommen abzugsfähig. Während der Laufzeit sind Vermögenserträge innerhalb der 3a steuerlich privilegiert, und die Auszahlung wird später separat zu einem reduzierten Satz besteuert. Das kann für viele Menschen der steuerlich wirksamste Hebel sein, um nachhaltig zu investieren. Laut Informationen des Bundesamts für Sozialversicherungen und der Eidgenössischen Steuerverwaltung ist die Säule 3a in der Schweiz bewusst steuerbegünstigt ausgestaltet, um die private Vorsorge zu stärken. Wenn du also nachhaltige ETF oder Fonds innerhalb einer 3a-Lösung hältst, ist das steuerlich meist einfacher als dieselben Anlagen im freien Privatvermögen. «Nachhaltig» ist steuerlich in der Schweiz meist kein eigener Sonderstatus – entscheidend sind Produktstruktur, Ertragsart und saubere Deklaration. Welche Unterlagen du für die Steuererklärung brauchst Depotauszug oder Steuerauszug deiner Bank beziehungsweise deines Brokers per Jahresende Aufstellung über Dividenden, Zinsen und allfällige Ausschüttungen Angaben zu thesaurierenden Fonds oder ETF, idealerweise mit Verweis auf die ESTV-Kursliste Bescheinigung über Säule-3a-Einzahlungen für den Steuerabzug Unterlagen zu ausländischen Quellensteuern, falls du ausländische Produkte hältst Ein guter Steuerauszug spart viel Zeit. Falls dein Broker keinen schweiztauglichen Steuerauszug liefert, musst du Positionen und Erträge unter Umständen selbst aufbereiten. Gerade bei internationalen ETF kann das mühsam werden. Wenn du dein Depot neu aufbaust, kann es deshalb sinnvoll sein, auch die spätere Steueradministration als Nachhaltigkeitskriterium im Alltag mitzudenken: Ein einfach verständliches Produkt ist oft leichter langfristig durchzuhalten. Was dieser Artikel nicht leisten kann – und wann professionelle Hilfe sinnvoll ist Steuern in der Schweiz sind föderal organisiert, und Details können je nach Kanton, Produktausgestaltung und persönlicher Situation variieren. Dieser Artikel erklärt die Grundlogik für Privatanleger:innen, ersetzt aber keine individuelle Steuerberatung. Besonders bei grösseren Vermögen, häufigem Handel, komplexen Auslandsanlagen, Erbschaften oder Wegzug aus der Schweiz lohnt sich eine fachliche Einschätzung durch eine Steuerberater:in oder Treuhänder:in. Das gilt auch dann, wenn du unsicher bist, ob du noch als private:r Anleger:in oder möglicherweise als professionelle:r Wertschriftenhändler:in gelten könntest. In solchen Fällen kann die steuerliche Behandlung deutlich anders ausfallen. Die publizierten Kriterien der ESTV helfen bei der Orientierung, ersetzen aber keine individuelle Beurteilung. Für die meisten Menschen lässt sich die Sache jedoch auf einen gut merkbaren Kern herunterbrechen: Nachhaltige Geldanlage und Steuern in der Schweiz hängen weniger vom Label «nachhaltig» ab als von der Frage, was du hältst, welche Erträge daraus entstehen und wie sauber du alles deklarierst. Wenn du diese drei Punkte beachtest, legst du eine solide Basis für Investitionen, die zu deinen Werten passen – und steuerlich keine unnötigen Stolpersteine schaffen.