«Mit Kapitalgebern kann man diskutieren, mit schmelzenden Gletschern nicht.»

Jakob von Uexküll war einer der Redner am ersten Tag des dreitägigen Liechtenstein Kongress für nachhaltige Entwicklung (LISDAR) an der Universität Liechtenstein zum Thema «Verantwortungsbewusstes Investieren: Stiftungen, Institutionen und Privatpersonen».

«Mit Kapitalgebern kann man diskutieren, mit schmelzenden Gletschern nicht.»
«Mit Kapitalgebern kann man diskutieren, mit schmelzenden Gletschern nicht.» Foto: Fuse, Thinkstock
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Nach dem Gruss durch den liechtensteinischen Regierungschef Klaus Tschütscher, der die nachhaltige Ausrichtung des Fürstentums betonte, führte Kongressorganisator Peter Droege von der Universität Liechtenstein den Tag ein und wies nochmals auf die herausragende Bedeutung der Definition des Begriffs Nachhaltigkeit durch Hans Carl von Carlowitz («nur so viel Holz schlagen, wie im gleichen Zeitraum nachwächst») für jegliche Diskussionen über dieses komplexe Thema hin. Stiftungen stellen für Droege in diesem Kontext einen wichtigen Baustein für eine tatsächliche intergenerationale Gerechtigkeit dar.

Am Liechtensteinkongress diskutieren Experten über eine nachhaltige Entwicklung.

Am Liechtensteinkongress diskutieren Experten des Finanzwesens über eine nachhaltige Entwicklung von Stiftungen, Institutionen und Privatpersonen.  Foto: © © by Universität Liechtenstein (uni.li)

Mit Anthony Giddens und Jakob von Uexküll waren zwei prominente Redner auf der LISDAR-Agenda vertreten, welche das Tagungsthema für die Teilnehmenden in eine globale Perspektive einbetteten. So wies Giddens mehr als deutlich auf die irreversiblen Schäden hin, die wir Menschen unserem Heimatplaneten kontinuierlich zufügen, womit wir uns die eigene Lebensgrundlage Stück für Stück entziehen. Klimawandel und Verbreitung von nuklearen Waffen stellen für ihn die grösste Bedrohung für unsere Zivilisation dar. Wir müssen handeln und das immer noch vorherrschende Wachstumsdenken sowie das Verständnis von Wohlfahrt revidieren. Konsum ist für ihn keine Lösung der Krise. Von Uexküll ging auch auf die ökonomischen Folgen ein, die jedes Jahr, in dem nicht in die Vermeidung des Klimawandels investiert wird, drastisch ansteigen und stellte damit den Bezug zwischen Klimawandel und Finanzmarkt her. Bezüglich der natürlichen Umwelt konstatierte er ein deutliches Versagen des Marktes.

Johannes von Uexküll sprach am Liechtenstein Kongress für nachhaltige Entwicklung.

Johannes von Uexküll sprach am Liechtenstein Kongress für nachhaltige Entwicklung. Foto: © World Future Council

John Cracknell von der JMG Foundation zeigte auf, inwieweit sich Stiftungen heute bereits inhaltlich mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigen und entsprechende Projekte und Vorhaben fördern. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Umweltschutzthemen und fällt regional sehr unterschiedlich aus. In Grossbritannien und Nordirland sowie auch in den USA bewegt sich der Anteil an umweltbezogenen Förderungen noch im einstelligen Prozentbereich. Cath Tillotson (Scorpio Partnership) präsentierte Untersuchungsergebnisse zum Anlageverhalten von Stiftungen, für die nachhaltiges Anlagen heute in den meisten Fällen eher noch ein Fremdwort ist. Dass man damit jedoch sehr erfolgreich sein kann, unterstrich Fredrik Gunnarsson von der schwedischen Mistra Foundation, die seit einigen Jahren zu 100 % in nachhaltige Anlagen investiert ist. In der Schweiz sind nachhaltige Anlagen für Stiftungen – das wurde im abschliessenden Workshop von Beate Eckhardt (Swissfoundations) und Francesco Schurr (Universität Liechtenstein) deutlich – noch alles andere als selbstverständlich. Es fehlt noch an zielgruppengerechten Informationen, was sich dahinter konkret dahinter verbirgt, und häufig auch an Know-How – vor allem bei kleineren Stiftungen.

Text: Annett Baumast, annett.baumast@kultur-und-nachhaltigkeit.ch