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Was bedeutet Wirkung bei nachhaltigen Anlagen eigentlich genau?

Viele Menschen möchten mit ihrem Geld nicht nur Schaden vermeiden, sondern auch etwas bewirken. Genau an diesem Punkt wird es oft unübersichtlich: Nachhaltig, ESG, Klima, Impact – vieles klingt ähnlich, meint aber nicht dasselbe. Wenn du verstehen willst, was «Wirkung» bei nachhaltigen Anlagen wirklich bedeutet und wie sich Impact messen lässt, hilft eine saubere Begriffsklärung mehr als jedes Werbeversprechen.

Messinstrumente über Symbolen für CO2, Wasser, Biodiversität und Menschen
Wirkung lässt sich nicht auf eine einzige Kennzahl reduzieren. © Google Gemini / Google Gemini

Wirkung ist nicht gleich Nachhaltigkeit

Nachhaltige Geldanlage ist ein Oberbegriff. Darunter fallen sehr unterschiedliche Strategien, die sich in Ziel, Anspruch und Messbarkeit klar unterscheiden. Das ist wichtig, weil im Alltag oft alles vermischt wird: Ein Fonds mit Ausschlüssen wird schnell als «wirksam» wahrgenommen, ein tiefer CO2-Fussabdruck als Beleg für Impact gelesen, und ein Themenfonds für erneuerbare Energien erscheint automatisch wirkungsorientiert. Fachlich ist das zu kurz gegriffen.

Eine gute Orientierung bietet die Logik, die auch internationale Rahmenwerke wie die Operating Principles for Impact Management der IFC oder die Impact Taskforce betonen: Wirkung meint nicht nur, wie nachhaltig ein Portfolio aussieht, sondern welche realen Veränderungen bei Menschen, Umwelt oder Wirtschaft entstehen – und ob die Anlage zu diesen Veränderungen einen nachvollziehbaren Beitrag leistet. Auch das CFA Institute hebt in seiner Forschung zu ESG- und Impact-Begriffen hervor, dass zwischen Risikomanagement, Wertepräferenzen und tatsächlicher Wirkung sauber unterschieden werden sollte.

Ausschluss, ESG-Integration, Themenfonds, Impact Investing

Diese vier Ebenen werden häufig in einen Topf geworfen. Dabei beantworten sie unterschiedliche Fragen.

Ausschlüsse fragen: Was will ich nicht finanzieren? Typische Beispiele sind Kohle, Waffen oder Tabak. Das kann ethisch sinnvoll sein und das Portfolio an persönliche Werte anpassen. Es ist aber noch kein Beweis für positive Wirkung. Ein Ausschluss reduziert nicht automatisch Emissionen in der Realwirtschaft und schafft auch noch keine neuen Lösungen.

ESG-Integration fragt: Welche Umwelt-, Sozial- und Governance-Faktoren sind finanziell relevant? Hier geht es oft um Risiken, Qualität des Managements und langfristige Stabilität. Das ist aus Investorensicht wichtig, aber ebenfalls nicht identisch mit Impact. Ein Unternehmen kann gut geführt sein und gleichzeitig nur begrenzt zur Lösung gesellschaftlicher Probleme beitragen.

Themenfonds konzentrieren sich auf bestimmte Bereiche wie Wasser, Energieeffizienz oder Gesundheit. Solche Fonds können näher an realen Lösungen sein als breite ESG-Strategien. Trotzdem gilt: Ein thematischer Fokus allein beweist noch keine Wirkung. Entscheidend ist, ob das Portfolio tatsächlich zu einem klar definierten Problem beiträgt und ob dieser Beitrag messbar ist.

Impact Investing geht einen Schritt weiter. Laut IFC und dem Global Impact Investing Network gehört dazu die Absicht, eine positive, messbare Wirkung zu erzielen, und der Versuch, diese Wirkung systematisch zu steuern und auszuweisen. Wirkung ist hier nicht Nebenprodukt, sondern Anlageziel.

«Nicht jede nachhaltige Anlage ist ein Impact Investment – aber jedes ernsthafte Impact Investment muss Nachhaltigkeit konkret in Wirkung übersetzen.»

Output, Outcome und Additionality einfach erklärt

Wenn du Impact-Versprechen beurteilen willst, sind drei Begriffe besonders hilfreich.

Output beschreibt, was direkt bereitgestellt oder geleistet wurde. Zum Beispiel: eine finanzierte Solaranlage, eine Anzahl Mikrokredite, neu gebaute Ladepunkte oder Hektaren renaturierte Fläche. Outputs sind vergleichsweise leicht zu zählen. Sie sagen aber noch nicht, was sich dadurch tatsächlich verändert.

Outcome meint die tatsächliche Veränderung, die daraus entsteht. Bei einer Solaranlage wäre das etwa vermiedener fossiler Strom, bei einem Gesundheitsprojekt eine bessere Versorgung, bei einem Bildungsprojekt ein messbar verbesserter Zugang. Outcomes sind inhaltlich viel näher an Wirkung, aber deutlich schwerer sauber nachzuweisen.

Additionality ist die vielleicht wichtigste und zugleich anspruchsvollste Frage: Was wäre ohne diese Investition nicht passiert? Genau hier trennt sich starkes Impact-Management von gutem Marketing. Wenn ein Unternehmen ohnehin problemlos Kapital erhalten hätte und ein Fonds im Sekundärmarkt nur bestehende Aktien kauft, ist der zusätzliche Beitrag schwer zu belegen. Wenn dagegen Kapital gezielt in neue Projekte fliesst, in unterversorgte Märkte gelenkt wird oder klare Verbesserungen durch aktives Engagement ausgelöst werden, ist Additionality plausibler.

Die Impact Taskforce sowie die IFC betonen, dass Wirkung nicht nur von der Grösse eines Problems abhängt, sondern auch von Tiefe, Reichweite, Dauer und vom Beitrag des Investors. Genau deshalb reichen isolierte Kennzahlen selten aus.

Wie Wirkung gemessen wird – und wo die Grenzen liegen

Viele Anleger:innen wünschen sich eine einfache Zahl: «Wie viel Impact pro 10’000 Franken?» So verständlich dieser Wunsch ist, so vorsichtig sollte man mit vermeintlich exakten Angaben sein. Wirkung ist oft komplex, zeitverzögert und von vielen Faktoren beeinflusst. Das heisst nicht, dass Messen sinnlos wäre – im Gegenteil. Es heisst nur, dass gute Messung immer auch Unsicherheiten offenlegt.

Kennzahlen, Zielsysteme und Reporting

In der Praxis arbeiten Fonds häufig mit Kennzahlen, Zielsystemen und Berichten, die an internationale Standards angelehnt sind. Dazu gehören etwa CO2-Emissionen, vermiedene Emissionen, Energie- oder Wasserzugang, Zahl der versorgten Menschen, recycelte Materialien, Biodiversitätsindikatoren oder Governance-Ziele. Solche Kennzahlen sind nützlich, wenn sie klar definiert, konsistent erhoben und im Kontext erklärt werden.

Das Problem beginnt dort, wo Kennzahlen mehr Präzision vortäuschen, als tatsächlich vorhanden ist. Gerade bei CO2-Daten bestehen laut dem CFA Institute erhebliche Unterschiede in Methodik, Datenqualität und Schätzverfahren. Auch Biodiversität ist noch schwerer in robuste Portfoliometriken zu übersetzen als Emissionen. Eine Zahl kann also informativ sein, ohne schon die ganze Wirkung abzubilden.

Hilfreich ist ein Reporting vor allem dann, wenn es nicht nur Ergebnisse aufzählt, sondern die Messlogik offenlegt:

  • Welches Problem soll gelöst werden?
  • Welche Zielgruppe oder welches System steht im Fokus?
  • Welche Kennzahl wird verwendet und warum?
  • Welche Annahmen und Unsicherheiten gibt es?
  • Was ist Output, was Outcome – und was nur ein plausibler, aber nicht bewiesener Zusammenhang?

Wenn ein Fonds etwa angibt, eine bestimmte Menge CO2 «vermeiden» zu helfen, solltest du darauf achten, ob es sich um direkte Emissionen eines Projekts, modellierte Einsparungen oder um Durchschnittswerte über Vergleichsszenarien handelt. Alles kann legitim sein – solange es sauber ausgewiesen wird.

Warum Wirkung im Sekundärmarkt besonders schwer nachzuweisen ist

Ein grosser Teil nachhaltiger Fonds investiert in bereits börsenkotierte Unternehmen. Das ist nicht per se schlecht. Aber gerade hier ist der Nachweis von Wirkung besonders anspruchsvoll. Wenn du eine bestehende Aktie an der Börse kaufst, fliesst dein Geld in der Regel nicht direkt dem Unternehmen zu, sondern an eine andere Marktteilnehmer:in. Die reale Wirkung entsteht dann nicht automatisch durch den Kauf selbst.

Deshalb rücken zwei Fragen ins Zentrum: Kausalität und Attribution. Kausalität fragt, ob eine beobachtete Veränderung tatsächlich durch die Investition beeinflusst wurde. Attribution fragt, welcher Anteil dieser Veränderung dem Fonds oder Investor überhaupt zugeschrieben werden kann. Beides ist im Sekundärmarkt schwierig.

Ein möglicher Wirkhebel ist Engagement, also der aktive Dialog mit Unternehmen, Stimmrechtsausübung und das Einfordern konkreter Verbesserungen. Forschung und Praxisberichte, auf die sich unter anderem die IFC-Prinzipien und Analysen des CFA Institute beziehen, sehen hier grundsätzlich Potenzial. Aber auch Engagement ist nicht automatisch wirksam. Entscheidend ist, ob Ziele konkret formuliert sind, ob Fortschritte dokumentiert werden und ob das Verhalten des Unternehmens sich tatsächlich verändert.

Anders gesagt: Ein Fonds kann im Sekundärmarkt sinnvoll, verantwortungsvoll und sogar ambitioniert sein – aber er sollte den eigenen Einfluss nicht grösser darstellen, als er nachweisbar ist.

So liest du Impact-Versprechen realistischer

Für dich als Anleger:in ist nicht entscheidend, ob ein Produkt besonders beeindruckende Schlagworte verwendet. Wichtig ist, ob die Wirkungsidee nachvollziehbar, begrenzt und ehrlich beschrieben wird. Gute Anbieter sagen nicht nur, dass sie etwas bewirken wollen, sondern auch, wie, woran sie es messen und wo die Grenzen liegen.

Du kannst dir dabei einige einfache Prüffragen stellen:

  1. Welches konkrete Problem soll die Anlage lösen – und warum gerade dieses?
  2. Geht es um Vermeidung von Schaden, um bessere Unternehmensqualität oder um echte positive Wirkung? Diese Ebenen sollten nicht vermischt werden.
  3. Ist die Wirkung beabsichtigt und messbar? Oder wird Nachhaltigkeit nur rückblickend mit einigen Kennzahlen illustriert?
  4. Wird zwischen Output und Outcome unterschieden? Eine hohe Zahl an Projekten ist noch nicht dasselbe wie gesellschaftliche Veränderung.
  5. Ist Additionality plausibel? Was wäre ohne das Kapital oder ohne das Engagement des Fonds vermutlich nicht passiert?
  6. Wie transparent sind Methodik und Unsicherheiten? Je glatter und absoluter die Aussagen, desto skeptischer darfst du sein.

Besonders vorsichtig solltest du werden, wenn ein Fonds Wirkung fast ausschliesslich über einen niedrigen Portfolio-CO2-Fussabdruck erklärt. Dieser Wert kann nützlich sein, zeigt aber vor allem, wie emissionsarm ein Portfolio heute aussieht. Er sagt deutlich weniger darüber aus, ob dein Geld zusätzliche Klimaschutzwirkung erzeugt. Ein Fonds kann einen tiefen Fussabdruck haben, weil er bestimmte Sektoren meidet – ohne deshalb direkt die Transformation in der Realwirtschaft zu beschleunigen.

Ebenso wichtig: Wirkung braucht oft Zeit. Gerade bei sozialen Themen, Infrastruktur, Anpassung an den Klimawandel oder Biodiversität sind kurzfristige Erfolgszahlen selten ausreichend. Wenn ein Anbieter nur schnelle, einfache Erfolgsmeldungen liefert, aber keine längerfristige Logik beschreibt, fehlt oft der entscheidende Teil des Bildes.

Für viele Privatanleger:innen ist deshalb ein nüchterner Zugang am hilfreichsten: Überlege zuerst, was du mit deinem Geld erreichen willst. Möchtest du vor allem problematische Branchen meiden? Möchtest du Unternehmen mit guter ESG-Praxis bevorzugen? Oder willst du gezielt auf messbare Lösungen setzen, auch wenn die Messung komplexer und manchmal weniger eindeutig ist? Je klarer dein Ziel, desto leichter kannst du passende Produkte beurteilen.

Am Ende ist «Wirkung» kein Etikett, das ein Fonds sich selbst verleihen kann. Wirkung ist ein Anspruch, der begründet werden muss: mit klarer Absicht, nachvollziehbarer Wirklogik, solider Messung und einer ehrlichen Kommunikation über Unsicherheiten. Genau diese Differenzierung schützt dich davor, Nachhaltigkeit mit Impact zu verwechseln – und hilft dir, Angebote realistischer und informierter zu beurteilen.

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