Die Zukunft der Energiewirtschaft

Welches wäre ein alternativer Weg zur abrupten Abschaltung von Atomkraftwerken in der Energiepolitik?

Wenn man sich möglichst schnell von den Kernkraftwerken verabschieden möchte, dann muss man das über einen Zeitraum von 5 - 10 Jahren machen. Es müssen sinnvolle Alternativen gefunden werden, so dass der CO2-Ausstoss trotz Umstellung nicht erhöht wird. Der Umbau der Energiewirtschaft müsste dafür langsam stattfinden und auf ein abruptes Abschalten der Atomkraftwerke verzichten.

Erst die Umbrüche in Nordafrika, dann die atomare Katastrophe in Japan. Kann die Wirtschaft überhaupt weiterhin auf die zwei Hauptstützen der Energieversorgung bauen?

Eine Energiewende ist praktisch unvermeidlich. Die fossilen Brennstoffe werden irgendwann zu Ende gehen. Betrachtet man beispielsweise den derzeitigen Verbrauch an Öl, dann wird schnell klar, dass dies auf Dauer nicht praktikabel ist. Auf lange Sicht muss ein Umstieg auf erneuerbare Energien stattfinden. Allerdings stellt sich die Frage, wie lange das noch dauern wird. Eine Umstellung wird wahrscheinlich erst passieren, wenn das Öl und andere fossile Brennstoffe so teuer werden, dass nachhaltige Energien preislich attraktiver werden.

Seit der Krise in Japan sind Solar-Aktien stark gestiegen. Wird dieser Boom längerfristige Auswirkungen haben?

Der Anstieg der Solar-Aktien ist eine positive Folge der Katastrophe. Allerdings werden die Aktien nicht auf Dauer steigen. Derzeit wird der Bau von Solaranlagen noch subventioniert. Die Staatsverschuldung in den westlichen Staaten ist jedoch so hoch, dass in Zukunft immer mehr gespart werden muss. Das wird dazu führen, dass diese Subventionen in vielen Ländern langfristig gestrichen werden müssen. Die Schweiz hat dabei allerdings eine Sonderstellung. Sie ist praktisch nicht von nötigen Einsparungen betroffen und hätte damit die Gelegenheit, ein Vorreiter für erneuerbare Energien zu werden.

In Ihrer Beratung beschäftigen Sie sich mit langfristigen Prognosen der Finanzmärkte. Den Krisen der letzten Jahre war gemeinsam, dass sie kaum vorhersehbar waren. Welchen Wert haben da noch derartige Prognosen?

In der Beratung haben wir nach Möglichkeit versucht, Prognosen zu vermeiden, da diese viele unsichere Faktoren enthalten. Wir haben uns darauf beschränkt, Aussagen über Trends abzugeben, die mit grosser Sicherheit vorausgesagt werden können. Zum Beispiel gab es in den letzten 20 bis 30 Jahren fallende Zinsen. Deshalb geht man derzeit nicht davon aus, dass es in den nächsten zehn Jahren weiterhin fallende Zinsen geben wird, denn sie sind bereits bei einem Minimum angelangt. Und das ist praktisch die einzige Prognose, die wir uns getrauen zu machen, dass die Zinsen in den nächsten zehn Jahren tendenziell steigen werden. Aber diese eine Voraussage hat gravierende Auswirkungen auf die Finanzmärkte. Ebenso wie die demographischen Trends, die verlässlich voraussehbar sind. Diese Trends zeigen, dass das Wirtschaftswachstum sich abschwächen wird und es deshalb in Zukunft mehr Rezessionen als in der Vergangenheit geben wird. Deshalb wird es in der Zukunft auch mehr Wirtschaftskrisen und Finanzkrisen geben als früher.

Interview: Bianca Sellnow
 

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