«In Sachen Transparenz sind Nachhaltigkeitsbanken vorbildlich»

In der aktuellen Marktstudie ist erkennbar, dass rund 40 Milliarden, dies entspricht mehr als 40 Prozent des Gesamtvolumens bei Spezialbanken, mit Nachhaltigkeitsfokus angelegt sind. Ist damit erkennbar, dass vor allem Anleger, die sich von klassischen Haus- und Großbanken abwenden, den Markt prägen?

Ja. Die Finanzkrise hat gezeigt, dass Kunden von den klassischen Bankmodellen enttäuscht sind und sich nach nachhaltigen Geschäftsmodellen und Banken umschauen. Dieser Trend zeigt sich deutlich in den Zahlen. Gerade das Thema «Transparenz» ist den Kunden ein großes Anliegen und hier sind die Nachhaltigkeitsbanken einfach vorbildlich aufgestellt. Die Anleger wollen sehen und verstehen, was mit Ihrem Geld geschieht und wofür es verwendet wird. Diesem Bedürfnis kommen Nachhaltigkeitsbanken am besten nach.

Das Forum Nachhaltige Geldanlagen ist für den gesamten deutschsprachigen Raum zuständig. Sehen Sie größere Unterschiede zwischen den Ländern Deutschland, Österreich und der Schweiz?

Was der aktuelle Marktbericht aufgezeigt hat, ist vor allem, wer die Treiber in den jeweiligen Märkten sind. In der Schweiz sehen wir ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen institutionellen und privaten Investoren. Der Anteil der nachhaltigen Investments liegt mit gut vier Prozent über viermal so hoch wie in Deutschland. Hier haben die institutionellen Anleger den größten Marktanteil. Allerdings liegt der Anteil der nachhaltigen Geldanlagen bei rund einem Prozent. Einen institutionell getriebenen Markt sehen wir in Österreich, wo fast 90 Prozent der getätigten Investitionen von institutionellen Anlegern stammt. Hier ist der Anteil an nachhaltigen Geldanlagen bei rund einem halben Prozent. Es muss uns gelingen, nachhaltige Geldlagen weiter in den Fokus der Anleger und Finanzdienstleister zu rücken.

Es gibt immer wieder kontroverse Berichte über Mogelpackungen und Schwarze Schafe im Markt. Gerade Anleger, denen ethische Werte wichtig sind, werden hierdurch geprellt und verlieren Vertrauen in dieses Segment. Was raten Sie den Anlegern?

Das Forum Nachhaltige Geldanlagen hat zusammen mit Eurosif, dem europäischen Dachverband, das Transparenzlogo entwickelt. Hier steht das Thema Transparenz und Offenheit an erster Stelle. Fonds erhalten das Logo, wenn sie beispielsweise ihre Anlagepolitik, ihre Begriffsdefinition sowie die Kriterien zur Zusammenstellung des Anlage-Universums klar darstellen. Somit kann sich der Investor ein Bild von der Nachhaltigkeitsstrategie des Investments machen und überlegen, ob diese Vorgehensweise mit seinen Wertevorstellungen übereinstimmt. In Österreich gibt es als Orientierungshilfe zusätzlich noch das Umweltzeichen (UZ 49) als Entscheidungsrichtlinie.

Hat der Atomausstieg den Markt nachhaltiger Anlagen beeinflusst?

Ja, natürlich, so ein Ereignis hat immer Auswirkungen auf das Anlegerverhalten. Es hat die Anleger weiter bestärkt, über die Sinnhaftigkeit einer Kapitalanlage nachzudenken. Vor allem aber wird deutlich, dass der Privatanleger eine wichtige Rolle bei der Energiewende in Deutschland spielen wird, denn ohne privates Kapital wird das nicht gelingen.

Was raten Sie Anlegern, die im Bereich der erneuerbaren Energien im letzten Jahr Geld verloren haben?

Die Anleger, die in erneuerbare Energien investiert haben, investieren in die Zukunft. An diesem Thema wird der Kapitalmarkt nicht vorbei kommen. Es ist allerdings auch klar, dass nachhaltige Anlagen vor allem mittlere bis langfristige Investments sind, die ihr enormes Potential erst auf längere Sicht hin entfalten.

Kurz vor Weihnachten dürfen auch Sie drei Wünsche äussern…

Also wenn ich mir was wünschen darf, dann wäre das:

  • Nachhaltigkeit wird als eigenständige Anlageklasse akzeptiert und wird nicht als alternatives Investment behandelt.
  • Nachhaltige Investments sind in die Standardproduktpalette der Finanzdienstleister integriert.
  • Der Wunsch des Anlegers nach sinnvollen Kapitalanlagen wird als selbständiges Anlagemotiv anerkannt.