Podiumsdiskussion zeigt Hemmschwellen bei der Umsetzung auf

In der Diskussion identifizierten die Panelteilnehmer folgende Hemmschwellen auf dem Weg zu einer nachhaltigen Wende am Finanzplatz:

  • Die aktuellen Rahmenbedingungen wie z.B. die fehlende Internalisierung von Kosten führen dazu, dass Banken mit einer Fokussierung auf kurzfristige Gewinne den Business Case wie die Verknappung von Ressourcen momentan nicht erkennen bzw. umsetzen.
  • Pensionskassen stehen unter einem hohen Druck durch Regulierung, Kosten und Verwaltungsaufwand und reagieren damit häufig reaktiv, anstatt ihre Rolle als aktive Investoren wahrzunehmen. Führt eine Erhöhung der Komplexität wie die Minder-Initiative jetzt zu einer stärkeren Positionierung und Differenzierung oder gar zur Abwehr gegenüber dem Thema Nachhaltigkeit?

Unklar bleibt, wer den ersten Schritt bei dieser Positionierung wagen soll. Auch wenn private Anleger nicht aktiv nach nachhaltigen Finanzprodukten fragen, macht es Sinn, sich hier zu positionieren. Führende Institutionen können durchaus eine Nachfrage schaffen, wie das Beispiel der Grossverteiler im Bereich der Bio-Nahrungsmittel gezeigt hat. Die Entwicklung und offensive Distribution von Mikrofinanzprodukten einiger Schweizer Anbieter demonstriert ebenfalls respektable Erfolge. Dabei sind flankierende Aufklärungsarbeit und eine Qualitätssicherung notwendig. Ausserdem sind unterschiedliche Ansätze gefragt, d.h. sowohl Pionierprodukte als auch eher breit aufgestellte «Mainstreaming»-Angebote. Am Schweizer Finanzplatz sind die Chancen für eine offensivere Positionierung vorhanden. Die Schweiz verfügt über ein ausgeprägtes Know-how im attraktiven Segment des Impact Investing und ein wesentlich breiteres und etabliertes Angebot im Sustainable Investing. Das aktuelle Zeitfenster einer Positionierung sollte ergriffen werden und nicht die Fehler der Schweizer Solarbranche wiederholt werden, die zwar vor 20 Jahren führend war, unterdessen international jedoch keine Bedeutung mehr hat. Die Schweiz hat sehr viele Talente und könnte sich sowohl als Werk- wie als Forschungsplatz etablieren. Wenn wir eine Führungsrolle der Schweiz wollen, brauchen wir mehr Akteure, mehr Forschung und zusätzliche politische Unterstützung.

Zusammenfassend waren sich die Panelteilnehmer einig, dass bei der Qualitäts- und Positionierungsdebatte um den Schweizer Finanzplatz das Thema Nachhaltigkeit eine tragende Rolle spielen sollte. Die bereits erfolgte Positionierung einiger Finanzplätze im Thema wie Luxemburg, Liechtenstein oder Guernsey könnte die lokalen Schweizer Akteure hier zu einem kreativen Wettbewerb anspornen. Die Vision, dass sich Schweizer Bankinstitute durch eine qualitativ hochwertige Kundenbetreuung und ein individuelles Eingehen auf die Bedürfnisse und Werte von Kunden auszeichnen und dabei Nachhaltigkeitsthemen konsequent miteinbeziehen, rückt dadurch in erreichbare Nähe.

Autoren: Ingeborg Schumacher, Director Responsible Investing bei Kaiser Partner und Natalie Ernst, Corporate Communications bei Inrate

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