FNG-Dialog zum Finanzplatz Schweiz: Ist eine nachhaltige Wende in Sicht?

Mit dem Abendanlass «Finanzplatz Schweiz: Nachhaltige Wende in Sicht?» begab sich die Veranstaltungsreihe FNG-Dialog zum ersten Mal auf politisches Terrain. Die Gelegenheit war günstig, denn alle eingeladenen Referenten und Podiumsteilnehmer hatten im Vorfeld eigene Studien zum Thema Sustainable Investment oder Green Banking herausgegeben.

Dialog Finanzplatz
Die Veranstaltungsreihe FNG-Dialog begab sich zum ersten Mal auf politisches Terrain. Foto: Biitli, iStock, Thinkstock
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«Wenn wir uns den Schweizer Finanzmarkt als Person vorstellen, könnten wir durchaus zu dem Schluss kommen, dass sie in einer handfesten Identitätskrise steckt». Doch Natalie Ernst von Inrate zeigte in ihrer Einführung auch, dass Krise durchaus als produktiver Zustand verstanden werden kann: Es bietet sich nämlich die Chance, Entscheidungen zu treffen und sich auf die eigenen Stärken zu besinnen. Im Segment Nachhaltiges Investment sei viel lokales Know-how vorhanden und gerade von privaten Investoren bestehe ein grosses Interesse am Thema.

Angela de Wolff präsentiert Whitepaper von SFG und TSF

Zum Auftakt des Abends gab Angela de Wolff, CEO von Conser Invest und Gründungsmitglied von Sustainable Finance Geneva, mit ihrem Referat Einblick in ein noch unveröffentlichtes Whitepaper, welches in Zusammenarbeit mit dem Sustainability Forum Zürich erarbeitet wurde. Ziel des Whitepapers ist es, in fünf verschiedenen Themenbereichen aufzuzeigen, wie der Schweizer Finanzplatz seine Positionierung im Bereich Nachhaltigkeit stärken kann und damit auch wirtschaftlich gestärkt wird. Die Empfehlungen des Whitepaper reichten von verstärkter Kundenorientierung bis hin zu mehr Langfristigkeit im Anlagegeschäft.

Thomas Vellacott, CEO WWF Schweiz, fordert die «Next Generation Bank»

Thomas Vellacott erläuterte im Anschluss den Grund für das Engagement des WWF für einen nachhaltigen Finanzplatz: Die Decarbonisierung der Wirtschaft kann nur in Zusammenarbeit mit ihren Finanzierern erreicht werden. Eine Standortanalyse bei den Schweizer Banken habe allerdings gemischte Resultate ergeben: Zwar gibt es gute Ansätze in isolierten Nischen. Doch bisher sind diese Aktivitäten v.a. aus Reputationsgründen ergriffen worden und ergeben noch kein kohärentes Bild, da sie kaum in die üblichen Planungs- und Incentivierungs-Prozesse eingeflossen sind. Eine «Leading Practice Bank» hingegen bietet mehr als lediglich die Aggregation von Vorhandenem: Eine «Next Generation Bank» geht noch weiter und führt mit einer weltweiten Zusammenarbeit von führenden Akteuren zu einer Transformation des Systems, selbst unter den – bisweilen widrigen – vorherrschenden Rahmenbedingungen.

Stefan Tobler gibt Einblicke in Strategiediskussionen der Bankiervereinigung

Als dritter Redner zeigte Stefan Tobler, Leiter Strategieentwicklung bei der Schweizerischen Bankiervereinigung, dass sich der Verband durchaus mit Nachhaltigkeitsthemen auseinandergesetzt hat. Mit einigen selbstkritischen Grafiken demonstrierte er das Medienmonitoring zum Thema Bankgeheimnis und zur Reputation des Schweizer Finanzplatzes. Auch die Debatte um Managerlöhne oder Umweltthemen wie Fukushima oder die Energiewende verfolgt die SBVg aktiv, ebenso die Diskussion um Rohstoffspekulationen. Mittlerweile hat der Verband eine Arbeitsgruppe Sustainability / Green Economy gegründet und Stellungnahmen zur Energiestrategie des Bundes erarbeitet. Stellungnahmen zu anderen Themen wie Nahrungsmittelspekulation und Rohstoffe sind in Planung.