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Die 20 wichtigsten Begriffe der nachhaltigen Geldanlage

Nachhaltig anlegen klingt oft einfacher, als es im ersten Moment ist. Zwischen ESG, Impact Investing, Green Bonds und Swiss Climate Scores tauchen viele Begriffe auf, die ähnlich wirken, aber Unterschiedliches meinen. Dieses Glossar hilft dir, die wichtigsten Konzepte schnell einzuordnen, typische Missverständnisse zu vermeiden und Anlageprodukte in der Schweiz klarer zu vergleichen.

Begriffs-Board oder Karten mit ESG SRI Impact Greenwashing
Wer Begriffe versteht, trifft bessere Anlageentscheidungen. © Dilok Klaisataporn / Getty Images

Warum ein Glossar bei nachhaltiger Geldanlage hilft

Nachhaltige Geldanlage ist kein einzelner Stil, sondern ein Sammelbegriff für verschiedene Ansätze. Genau darauf weisen das Swiss Sustainable Finance Market Study 2024 von Swiss Sustainable Finance, die AMAS Self-Regulation on Transparency and Disclosure for Sustainability-related Collective Assets sowie die FINMA-Aufsichtsmitteilung hin: Produkte können Nachhaltigkeit auf sehr unterschiedliche Weise berücksichtigen, und Begriffe sollten nicht vorschnell gleichgesetzt werden.

Viele Begriffe klingen ähnlich, meinen aber nicht dasselbe

Ein Fonds kann zum Beispiel ESG-Daten in die Finanzanalyse einbeziehen, ohne ein Impact-Fonds zu sein. Ein Produkt mit dem Wort «Climate» im Namen kann Klimakriterien nutzen, ohne zwingend messbare reale Wirkung nachzuweisen. Und ein Fonds mit Ausschlüssen ist noch nicht automatisch besonders streng. Wenn du die Begriffe sauber auseinanderhältst, kannst du Werbesprache besser von belastbaren Informationen trennen.

Als Faustregel gilt: Der Name eines Produkts gibt Hinweise, aber keine vollständige Antwort. Entscheidend bleiben Strategie, Methodik, Dokumente und nachvollziehbare Kennzahlen.

Die 20 wichtigsten Begriffe

ESG

ESG steht für Environmental, Social, Governance, also Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung. Gemeint sind Faktoren wie Treibhausgasemissionen, Umgang mit Mitarbeitenden, Lieferketten, Korruption oder Verwaltungsratsstrukturen. Laut CFA Institute und Swiss Sustainable Finance sind ESG-Faktoren zunächst einmal Informationsdimensionen, die in die Analyse einfliessen können. ESG bedeutet deshalb nicht automatisch, dass ein Produkt eine strenge Nachhaltigkeitsstrategie oder einen messbaren positiven Impact verfolgt.

ESG-Integration

Von ESG-Integration spricht man, wenn Nachhaltigkeitsdaten systematisch in klassische Anlageentscheidungen eingebaut werden. Das kann heissen, dass ein Portfoliomanager Klimarisiken, Reputationsrisiken oder Governance-Probleme zusätzlich zu Bilanzkennzahlen beurteilt. Der Punkt ist wichtig: ESG-Integration ist vor allem eine Analyse- und Risikoperspektive, nicht zwingend ein ethischer Filter. Ein Fonds kann ESG integrieren und dennoch in Unternehmen investieren, die nicht zu jeder persönlichen Wertvorstellung passen.

SRI

SRI steht meist für Socially Responsible Investing. Darunter versteht man traditionell eine Form nachhaltiger Geldanlage, die Werte, Normen oder Ausschlusskriterien stärker betont, etwa bei Waffen, Tabak oder schweren Verstossen gegen internationale Standards. Im heutigen Sprachgebrauch überschneidet sich SRI oft mit anderen Begriffen. Nützlich ist der Begriff trotzdem, weil er meist signalisiert, dass ein Produkt über reine ESG-Integration hinausgeht.

Impact Investing

Impact Investing zielt darauf ab, neben einer finanziellen Rendite eine messbare positive Wirkung auf Umwelt oder Gesellschaft zu erreichen. Laut CFA Institute ist dabei zentral, dass Wirkung bewusst angestrebt und möglichst nachvollziehbar gemessen wird. Ein typisches Missverständnis ist, Impact mit «irgendwie nachhaltig» gleichzusetzen. Nicht jede nachhaltige Anlage ist ein Impact Investment. Impact verlangt mehr als gute Absichten: Es braucht ein klares Wirkungsziel, Kennzahlen und idealerweise eine schlüssige Begründung, wie das Kapital zu Veränderungen beiträgt.

Ausschlüsse

Ausschlüsse sind Negativfilter. Bestimmte Branchen, Praktiken oder Emittenten werden von vornherein ausgeschlossen, etwa Kohleabbau, kontroverse Waffen oder Unternehmen mit schweren Kontroversen. Das ist einer der verständlichsten Ansätze nachhaltiger Geldanlage. Gleichzeitig solltest du genau hinschauen: Ausschlüsse können sehr streng oder sehr locker definiert sein. Schon kleine Unterschiede bei Schwellenwerten verändern das Anlageuniversum deutlich.

Best-in-Class

Beim Best-in-Class-Ansatz werden innerhalb einer Branche jene Unternehmen bevorzugt, die im Vergleich zu ihren Mitbewerbern bessere ESG-Werte erreichen. Der Vorteil: Kapital wird nicht pauschal nur in einzelne Sektoren gelenkt, sondern relative Verbesserungen werden berücksichtigt. Der Nachteil: Auch Unternehmen aus problematischen Branchen können enthalten sein, wenn sie dort zu den «besseren» zählen. Wenn du gewisse Sektoren grundsätzlich vermeiden möchtest, reicht Best-in-Class allein oft nicht aus.

Themenfonds

Themenfonds investieren in ein bestimmtes Nachhaltigkeitsthema, zum Beispiel erneuerbare Energien, Kreislaufwirtschaft, Wasser oder Energieeffizienz. Solche Fonds sind leicht verständlich und für viele Anleger:innen intuitiv attraktiv. Wichtig ist aber: Ein Themenfokus sagt noch nichts über Qualität, Diversifikation, Bewertung oder Wirkung aus. Ein Solar- oder Wasserfonds kann teuer, konzentriert oder schwankungsanfällig sein.

Stewardship

Stewardship beschreibt die aktive Wahrnehmung von Eigentümerrechten durch Investor:innen. Dazu gehören Dialoge mit Unternehmen, Stimmrechtsausübung und die Überwachung relevanter Nachhaltigkeitsthemen. Gemäss CFA Institute ist Stewardship ein Oberbegriff für verantwortungsvolles Aktionärsverhalten. Für dich als Anleger:in ist das relevant, weil ein Fonds nicht nur auswählt, was er kauft, sondern auch wie er seine Rolle als Eigentümer ausübt.

Engagement

Engagement ist der direkte Austausch mit Unternehmen, um Verbesserungen anzustossen, etwa bei Klimazielen, Lieferketten oder Governance-Fragen. Das kann in Einzelgesprächen, gemeinsam mit anderen Investor:innen oder über Eskalationsschritte erfolgen. Gutes Engagement ist konkret, langfristig und dokumentiert. Wenn ein Anbieter Engagement hervorhebt, lohnt sich die Frage, ob Ziele, Themen, Zeitrahmen und Ergebnisse transparent offengelegt werden.

Voting

Voting meint die Stimmrechtsausübung an Generalversammlungen. Fondsanbieter können dort über Verwaltungsrat, Vergütung, Klimaberichte oder Aktionärsanträge abstimmen. Voting ist ein praktisches Instrument von Stewardship. Es zeigt, ob ein Anbieter seine Nachhaltigkeitsansprüche auch in formellen Entscheiden umsetzt. Besonders aussagekräftig sind veröffentlichte Abstimmungsrichtlinien und Berichte über das tatsächliche Abstimmungsverhalten.

Greenwashing

Greenwashing liegt vor, wenn Nachhaltigkeitsmerkmale übertrieben, unklar oder irreführend dargestellt werden. Genau dieses Risiko betont die FINMA in ihrer Aufsichtsmitteilung 05/2021. Greenwashing kann viele Formen annehmen: vage Begriffe ohne Methode, selektive Kennzahlen, übertriebene Wirkungsversprechen oder Fondsnamen, die stärker klingen als die tatsächliche Strategie. Für dich heisst das: Wenn Nachhaltigkeitsbehauptungen nicht präzise erklärt oder belegt werden, ist Skepsis sinnvoll.

Nachhaltigkeitsrating

Ein Nachhaltigkeitsrating bewertet Unternehmen oder Fonds nach definierten ESG-Kriterien. Ratings können Orientierung geben, sind aber keine absolute Wahrheit. Unterschiedliche Anbieter nutzen verschiedene Datenquellen, Gewichtungen und Modelle. Deshalb kann dasselbe Unternehmen je nach Rating sehr unterschiedlich abschneiden. Ein Rating ist hilfreich als Signal, aber nicht als alleinige Entscheidungsgrundlage.

Klimarisiko

Klimarisiken umfassen finanzielle Risiken, die durch den Klimawandel entstehen. International werden meist zwei Hauptformen unterschieden: physische Risiken wie Schäden durch Extremwetter und Transitionsrisiken durch politische, technologische oder marktbedingte Veränderungen auf dem Weg zu einer emissionsärmeren Wirtschaft. Für Anlagen ist das relevant, weil Klimarisiken Unternehmensgewinne, Bewertungen und Ausfallrisiken beeinflussen können.

Transition

Transition bezeichnet den Übergang zu einer klimaverträglicheren Wirtschaft. In der Geldanlage geht es dabei oft um Unternehmen, die ihre Emissionen senken, Geschäftsmodelle umbauen oder glaubwürdige Dekarbonisierungspfade verfolgen. Ein häufiger Irrtum ist, nur bereits «grüne» Unternehmen seien nachhaltig interessant. Auch Unternehmen in schwierigen Sektoren können für eine Transition relevant sein, wenn Wandel glaubwürdig, finanziert und messbar ist.

Green Bond

Ein Green Bond ist eine Anleihe, deren Emissionserlös für klar definierte Umweltprojekte verwendet wird, zum Beispiel für erneuerbare Energien, Gebäudesanierungen oder saubere Mobilität. Wichtig ist die Unterscheidung: Ein Green Bond sagt primär etwas über die Verwendung der Mittel aus, nicht automatisch über die Gesamtqualität des Emittenten. Deshalb lohnt sich der Blick sowohl auf das Bond-Framework als auch auf das Unternehmen oder die Institution dahinter.

SDGs

SDGs sind die Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen. Die 17 Ziele reichen von Klimaschutz bis Gesundheit, Bildung und sauberem Wasser. In der nachhaltigen Geldanlage werden sie oft als Orientierungsrahmen genutzt. Das ist nützlich, kann aber unscharf werden: Ein Bezug auf SDGs ist noch kein Beweis für realen Impact. Aussagekräftig wird er erst, wenn klar ist, auf welche Ziele sich ein Produkt bezieht und wie der Beitrag gemessen wird.

Swiss Climate Scores

Die Swiss Climate Scores sind ein vom Bundesrat unterstütztes Set von Indikatoren, das mehr Transparenz über die Klimaverträglichkeit von Finanzanlagen schaffen soll. Laut SIF helfen sie dabei, Portfolios unter anderem in Bezug auf Emissionen, Klimaziele und Ausrichtung auf die Transition verständlicher darzustellen. Für dich sind sie vor allem dann hilfreich, wenn ein Anbieter die Kennzahlen vollständig und nachvollziehbar veröffentlicht statt nur einzelne positive Werte hervorzuheben.

Fondsfactsheet

Das Fondsfactsheet ist die kompakte Produktübersicht eines Fonds. Dort findest du meist Anlageziel, Strategie, grösste Positionen, Kennzahlen, Risiken, Gebühren und oft auch Nachhaltigkeitsangaben. Ein Factsheet ist ein guter Einstieg, ersetzt aber keine vertiefenden Dokumente. Besonders bei nachhaltigen Fonds solltest du prüfen, ob die Nachhaltigkeitsmethode klar beschrieben ist oder nur in Schlagworten auftaucht.

TER

TER steht für Total Expense Ratio. Sie zeigt die laufenden jährlichen Kosten eines Fonds als Prozentsatz des Fondsvermögens. Die TER ist wichtig, weil Kosten die Rendite direkt schmälern. Bei nachhaltigen Fonds wird manchmal akzeptiert, dass thematische oder aktiv verwaltete Produkte teurer sind. Trotzdem gilt: Eine überzeugende Nachhaltigkeitsstrategie ist kein Freipass für unnötig hohe Kosten.

Tracking Difference

Die Tracking Difference beschreibt die Abweichung der tatsächlichen Fondsrendite von der Rendite des Referenzindex über einen bestimmten Zeitraum. Für indexnahe nachhaltige Produkte ist das besonders relevant. Sie zeigt dir, wie gut ein Fonds seinen Index in der Praxis abbildet, nach Kosten und unter realen Marktbedingungen. Das ist oft aussagekräftiger als nur auf die TER zu schauen.

So nutzt du das Glossar beim Vergleichen von Produkten

Welche Begriffe im Fondsnamen hilfreich sind

Begriffe im Fondsnamen können dir eine erste Orientierung geben. «ESG» deutet häufig auf Integration oder Filter hin. «SRI» spricht eher für strengere Auswahl oder Ausschlüsse. «Impact» sollte auf ein explizites Wirkungsziel mit Messung hindeuten. «Climate» oder «Transition» weist oft auf einen Klimafokus hin. «Green Bond» signalisiert eine bestimmte Anleihekategorie. Hilfreich ist der Name also vor allem als Startpunkt für gezielte Fragen.

Verlasse dich aber nicht allein darauf. Gerade weil Greenwashing ein reales Risiko ist, musst du die Begriffe mit Inhalt füllen: Was wird genau ausgeschlossen? Welche Kennzahlen werden genutzt? Gibt es Engagement, Voting und messbare Ziele? Werden die Swiss Climate Scores oder ähnliche Indikatoren sauber offengelegt?

Warum Dokumente trotzdem unverzichtbar bleiben

Die wichtigsten Antworten stehen selten vollständig im Fondsnamen. Sie stehen in Factsheet, Prospekt, Nachhaltigkeitskonzept, Abstimmungsbericht oder Methodikpapier. Nachhaltigkeitsbezogene Aussagen sollten klar, nachvollziehbar und konsistent dokumentiert werden.

  • Prüfe zuerst die Strategie: Geht es um Ausschlüsse, Best-in-Class, Themen, Impact oder mehrere Ansätze gleichzeitig?
  • Suche nach Methodik: Welche Datenquellen, Schwellenwerte und Definitionen werden verwendet?
  • Achte auf Nachweise: Gibt es Berichte zu Engagement, Voting, Klimazielen oder Wirkung?
  • Vergleiche Kosten und Umsetzung: TER, Tracking Difference und Portfoliostruktur gehören immer mit dazu.
  • Trenne Präferenz und Produktlogik: Ein guter Fonds ist nicht automatisch der, der am «grünsten» klingt, sondern der zu deinen Zielen, Werten und deinem Risiko passt.

Besonders hilfreich ist es, beim Vergleichen drei Ebenen auseinanderzuhalten: Werte, Wirkung und Finanzprodukt. Werte betreffen deine persönlichen Ausschlüsse oder Prioritäten. Wirkung betrifft die Frage, ob und wie reale Veränderungen angestrebt und gemessen werden. Das Finanzprodukt selbst betrifft Kosten, Risiko, Diversifikation und Umsetzbarkeit. Erst wenn diese drei Ebenen zusammenpassen, entsteht eine Entscheidung, die sich langfristig stimmig anfühlt.

Die wichtigste Frage lautet nicht nur «Ist dieser Fonds nachhaltig?», sondern «Was genau meint nachhaltig in diesem Produkt – und passt das zu dem, was ich darunter verstehe?»

Wenn du dir diese Frage bei jedem Begriff stellst, wird nachhaltige Geldanlage deutlich weniger verwirrend. Ein Glossar ersetzt keine Beratung, aber es gibt dir Sprache, Struktur und Sicherheit. Und genau das ist oft der erste Schritt, um bewusster und informierter zu investieren.

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