Ausschlusskriterien einfach erklärt: Was Fonds bewusst meiden Theresa Keller Wenn du nachhaltig investieren willst, begegnest du schnell Begriffen wie «Ausschlusskriterien», «negative screening» oder «tabak waffen kohle fonds». Das klingt technisch, meint aber oft etwas sehr Konkretes: Ein Fonds entscheidet bewusst, in bestimmte Unternehmen oder Branchen nicht zu investieren. Für viele Anleger:innen ist das ein sinnvoller Start – wichtig ist nur zu wissen, was Ausschlüsse leisten, wo ihre Grenzen liegen und wie du deine eigenen Prioritäten klarer setzen kannst. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Wertebasiertes Investieren beginnt oft mit klaren Ausschlüssen © Anton Porkin / Getty Images Was Ausschlusskriterien in Fonds bedeuten Negative Screening einfach erklärt Ausschlusskriterien sind Regeln, nach denen ein Fonds bestimmte Anlagen von vornherein aus dem Anlageuniversum entfernt. International wird das oft als negative screening oder exclusion bezeichnet. Das CFA Institute beschreibt Screening als systematische Auswahl oder den Ausschluss von Anlagen anhand definierter Nachhaltigkeitsmerkmale. Die Global Sustainable Investment Alliance, kurz GSIA, unterscheidet dabei klar zwischen Ausschlüssen und anderen nachhaltigen Anlagestrategien wie Best-in-Class, ESG-Integration oder Stewardship. Einfach gesagt: Ein Fonds kann zum Beispiel festlegen, nicht in Unternehmen zu investieren, die mit kontroversen Waffen, Kohleabbau oder Tabak Geld verdienen. Statt jedes Unternehmen umfassend auf seinen gesamten Nachhaltigkeitsbeitrag zu prüfen, zieht der Fonds hier zuerst eine rote Linie. Das ist leicht verständlich und für viele Anleger:innen intuitiv nachvollziehbar. Wozu Fonds Ausschlüsse verwenden Fondsanbieter nutzen Ausschlüsse aus unterschiedlichen Gründen. Manchmal geht es darum, klare ethische Mindeststandards einzuhalten. Manchmal sollen regulatorische, Reputations- oder langfristige Geschäftsrisiken reduziert werden. Und oft reagieren Fonds auch auf die Erwartungen von Anleger:innen, Pensionskassen oder Stiftungen, die bestimmte Geschäftsfelder bewusst nicht mitfinanzieren möchten. Das Swiss Sustainable Finance Glossar beschreibt Ausschlüsse als eine der grundlegenden Methoden nachhaltiger Geldanlage. Gerade weil sie vergleichsweise einfach zu kommunizieren sind, gehören sie in der Schweiz und international zu den bekanntesten Nachhaltigkeitsansätzen. Gleichzeitig betont SSF, dass Ausschlüsse nur eine Strategie unter mehreren sind – und nicht automatisch ein vollständiges Nachhaltigkeitskonzept ergeben. Welche Ausschlüsse häufig vorkommen Kontroverse Waffen Besonders verbreitet sind Ausschlüsse bei kontroversen Waffen. Dazu zählen je nach Fondsdefinition etwa Antipersonenminen, Streumunition, chemische oder biologische Waffen. Hier ist der Konsens oft relativ gross, weil diese Produkte mit internationalen humanitären Normen kollidieren. Viele nachhaltige Fonds schliessen solche Unternehmen deshalb vollständig aus. Kohle, Öl und Gas Ein weiteres grosses Feld betrifft fossile Energien. Besonders häufig ausgeschlossen werden Unternehmen mit Umsatz aus thermischer Kohle, Kohleverstromung oder der Erschliessung neuer fossiler Reserven. Bei Öl und Gas sind die Kriterien oft weniger einheitlich: Manche Fonds schliessen die gesamte Branche aus, andere nur besonders emissionsintensive Geschäftsmodelle oder Unternehmen mit Expansionsplänen in neue Fördergebiete. Für dich als Anleger:in ist das wichtig, weil «fossilfrei» nicht immer dasselbe bedeutet. Ein Fonds kann Kohle ausschliessen, aber weiterhin in Öl- und Gaskonzerne investieren. Ein anderer kann nur Unternehmen ausschliessen, die über einer bestimmten Umsatzschwelle liegen. Solche Details entscheiden darüber, wie streng ein Ausschluss tatsächlich ist. Tabak, Glücksspiel, Alkohol Klassische wertebasierte Ausschlüsse betreffen oft Tabak, Glücksspiel oder Alkohol. Diese Bereiche werden nicht immer wegen internationaler Normverletzungen ausgeschlossen, sondern häufig deshalb, weil Anleger:innen sie persönlich oder institutionell nicht mitfinanzieren möchten. Gerade Tabak ist in nachhaltigen Fonds sehr häufig ausgeschlossen, bei Alkohol und Glücksspiel gibt es dagegen deutlich grössere Unterschiede zwischen den Anbietern. Menschenrechte, Korruption, Kinderarbeit Viele Fonds schliessen auch Unternehmen aus, die schwer mit Menschenrechtsverletzungen, Korruption, Kinderarbeit oder anderen gravierenden Verstössen gegen internationale Standards in Verbindung stehen. Hier geht es weniger um eine bestimmte Branche als um problematisches Unternehmensverhalten. In der Praxis wird oft geprüft, ob ein Unternehmen gegen internationale Normen wie die UN Global Compact Prinzipien oder die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen verstösst. Typisches Ausschlussfeld Worum es geht Worauf du achten solltest Kontroverse Waffen Ausschluss von Herstellern oder Beteiligten bei geächteten Waffensystemen Ist der Ausschluss vollständig und klar definiert? Kohle Ausschluss von Abbau, Verstromung oder Infrastruktur rund um thermische Kohle Gibt es Umsatzschwellen oder einen vollständigen Ausschluss? Öl und Gas Ausschluss ganzer Branchen oder nur besonders klimaschädlicher Aktivitäten Werden auch neue Förderprojekte und Expansion ausgeschlossen? Tabak Ausschluss von Produzenten, teils auch Zulieferern oder Vertrieb Gilt das nur für Hersteller oder die ganze Wertschöpfungskette? Glücksspiel, Alkohol Wertebasierte Ausschlüsse bestimmter Konsumgüter oder Dienstleistungen Wie hoch ist die erlaubte Umsatzschwelle? Menschenrechte, Korruption, Kinderarbeit Ausschluss bei schweren Verstössen gegen internationale Standards Wie werden Verstösse festgestellt und wann wird wieder investiert? Normbasiert oder wertebasiert – das ist der Unterschied Internationale Normen Normbasierte Ausschlüsse beziehen sich auf anerkannte internationale Standards. Dazu zählen etwa Menschenrechte, Arbeitsnormen, Umweltprinzipien oder Antikorruptionsregeln. In der Praxis prüfen Fonds, ob Unternehmen gegen solche Normen verstossen und deshalb nicht mehr investierbar sind. Diese Art von Ausschluss soll eine Art Mindeststandard sichern und ist oft leichter begründbar, weil sie sich nicht nur auf persönliche Moralvorstellungen stützt. Für Schweizer Anleger:innen ist das besonders relevant, weil viele institutionelle Produkte in der Schweiz auf solche internationalen Referenzrahmen Bezug nehmen. Gleichzeitig bleibt die Umsetzung unterschiedlich: Ein Fonds kann bei einem Verdachtsfall sofort ausschliessen, ein anderer setzt zuerst auf Dialog mit dem Unternehmen. Beides kann im Rahmen einer nachhaltigen Anlagestrategie vorkommen. Persönliche Werte und Präferenzen Wertebasierte Ausschlüsse gehen einen Schritt weiter in Richtung persönlicher Haltung. Vielleicht möchtest du kein Geld in Rüstung, fossile Energien oder Alkohol investieren – auch dann, wenn ein Unternehmen formal keine internationalen Normen verletzt. In diesem Fall spiegeln Ausschlüsse deine individuellen Prioritäten wider. Genau hier zeigt sich aber auch, warum nachhaltige Fonds sehr unterschiedlich aussehen können. Was für die eine Person unverzichtbar ist, ist für eine andere weniger relevant. Ein Fonds kann sehr konsequent bei Tabak sein, aber bei fossilen Energien zurückhaltend. Ein anderer kann den Klimaschutz priorisieren, aber keinen Alkohol ausschliessen. Es gibt also nicht die eine richtige Ausschlussliste, sondern nur eine möglichst passende zu deinen Zielen. Was Ausschlüsse leisten – und was nicht Klarheit und Werteorientierung Ausschlusskriterien haben einen grossen Vorteil: Sie schaffen Orientierung. Du erkennst vergleichsweise schnell, welche Geschäftsbereiche ein Fonds bewusst meidet. Das kann dir helfen, offensichtliche Widersprüche zu vermeiden und dein Portfolio näher an deine Werte heranzuführen. Gerade für Einsteiger:innen sind Ausschlüsse deshalb oft ein guter erster Filter. Wenn du weisst, dass du Tabak, kontroverse Waffen oder Kohle klar ablehnst, kannst du damit viele Produkte bereits vorsortieren. In diesem Sinn sind Ausschlüsse praktisch, transparent und gut verständlich. Warum Ausschlüsse allein noch keine Wirkung garantieren Gleichzeitig ist es wichtig, Ausschlüsse nicht zu überschätzen. Wenn ein Fonds bestimmte Unternehmen meidet, bedeutet das noch nicht automatisch, dass dein Geld im Gegenzug in besonders nachhaltige Unternehmen fliesst oder reale Wirkung erzeugt. Ein Fonds kann sehr viele Ausschlüsse haben und trotzdem in Firmen investieren, die in anderen Nachhaltigkeitsfragen nur mittelmässig abschneiden. Ausserdem sagen Ausschlüsse wenig darüber aus, ob ein Fonds seine Stimmrechte aktiv nutzt, mit Unternehmen in Dialog tritt, glaubwürdige Klimaziele verlangt oder soziale Risiken systematisch bewertet. Genau deshalb unterscheiden Fachquellen wie GSIA und CFA Institute klar zwischen Ausschlussstrategien und weitergehenden Ansätzen wie ESG-Integration, Stewardship oder thematischen Impact-Strategien. Ausschlüsse sind Startpunkt, nicht Endpunkt. Sie helfen dir, klare No-Gos zu definieren – ersetzen aber keine umfassende Prüfung von Nachhaltigkeit, Risiko und Wirkung. Ein weiteres Missverständnis betrifft die Strenge der Kriterien. Ein Fonds kann mit «ohne Kohle» werben und trotzdem Unternehmen halten, die einen kleinen Teil ihres Umsatzes mit Kohle verdienen. Oder ein Fonds schliesst Waffenproduzenten aus, investiert aber in Zulieferer, bei denen die Abgrenzung weniger klar ist. Darum lohnt es sich, nicht nur auf Schlagworte zu achten, sondern auf Methodik, Definitionen und Schwellenwerte. Checkliste für Anleger:innen in der Schweiz Diese Fragen solltest du bei einem Fonds stellen Wenn du einen nachhaltigen Fonds auswählst, hilft dir eine kurze, aber präzise Prüfung. Besonders im Schweizer Markt ist es sinnvoll, nicht nur Marketingbegriffe zu lesen, sondern die konkrete Nachhaltigkeitsmethodik des Produkts nachzuvollziehen. Die FINMA hat in ihren Mitteilungen zu Greenwashing-Risiken betont, dass Nachhaltigkeitsmerkmale verständlich, konsistent und nachvollziehbar beschrieben werden müssen. Für dich heisst das: Gute Fondsunterlagen sollten klar erklären, was ausgeschlossen wird, warum und wie streng. Welche Ausschlüsse gelten genau? Stehen dort nur Oberbegriffe oder auch klare Definitionen? Gibt es Umsatzschwellen? Schon kleine Beteiligungen an Kohle, Tabak oder Waffen können erlaubt sein – oder eben nicht. Sind die Ausschlüsse normbasiert, wertebasiert oder beides? Das zeigt, welche Logik hinter dem Fonds steckt. Wie werden Verstösse überprüft? Seriöse Fonds nennen Datenquellen, Prüfintervalle und den Umgang mit Kontroversen. Was passiert zusätzlich zu den Ausschlüssen? Gibt es ESG-Integration, Engagement, Stimmrechtsausübung oder Klima-Ziele? Passen die Ausschlüsse zu deinen Prioritäten? Wenn dir fossile Energien zentral sind, reicht ein Fonds mit reinem Tabakausschluss kaum aus. Praktisch hilft oft eine einfache Reihenfolge: Definiere zuerst deine persönlichen No-Gos, prüfe dann die Ausschlusslogik des Fonds und schaue erst danach auf weitergehende Nachhaltigkeitsansätze. So vermeidest du, dass du dich von einem guten Etikett blenden lässt, obwohl der Fonds deine wichtigsten Werte gar nicht abbildet. Für viele Anleger:innen in der Schweiz ist ausserdem relevant, ob ein Fonds seine Nachhaltigkeitsstrategie konsistent in Verkaufsprospekt, Factsheet und Website beschreibt. Wenn die Formulierungen voneinander abweichen oder sehr vage bleiben, ist Vorsicht sinnvoll. Transparenz ist kein Nebendetail, sondern ein Qualitätsmerkmal. Unterm Strich gilt: Ausschlusskriterien sind eine verständliche Basismethode, besonders wenn du erste nachhaltige Entscheidungen treffen willst. Sie zeigen, was ein Fonds bewusst meiden will. Aber erst in Kombination mit klarer Methodik, glaubwürdiger Umsetzung und deinen eigenen Prioritäten entsteht daraus eine Anlagestrategie, die wirklich zu dir passt.