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Die 12 besten Fragen an deine Bank oder deinen Berater zu nachhaltigen Anlagen

Nachhaltige Geldanlage klingt oft einfach: ein grüner Fonds, ein gutes Gefühl, ein paar ESG-Kürzel. Im Beratungsgespräch wird es aber schnell unübersichtlich – und genau dort entscheidet sich, ob dein Geld wirklich zu deinen Werten passt oder nur gut vermarktet wird. Mit den richtigen Fragen kannst du Werbeversprechen prüfen, klare Informationen einfordern und deutlich besser entscheiden.

Beratungsgespräch in Schweizer Bank mit Notizblock
Die richtigen Fragen entscheiden oft mehr als die Hochglanzbroschüre. © AzmanL / Getty Images

Warum gute Fragen wichtiger sind als grüne Werbewörter

Begriffe wie «nachhaltig», «ESG», «Impact» oder «klimafreundlich» sind nicht automatisch eindeutig. Seit den neuen europäischen Offenlegungspflichten ist zwar mehr Transparenz vorgeschrieben, gleichzeitig zeigt die Forschung und Regulierungspraxis aber auch: Die Qualität nachhaltiger Produkte unterscheidet sich stark. 

Auch wissenschaftliche Übersichtsarbeiten zeigen, dass «nachhaltig» in der Praxis über verschiedene Methoden umgesetzt wird: durch Ausschlüsse, Best-in-Class-Auswahl, Klimaziele, Wirkungsausrichtung oder aktives Aktionärstum. Das ist wichtig, weil zwei Fonds mit fast identischem Etikett sehr unterschiedliche Unternehmen halten können. Laut Swiss Sustainable Finance, dem führenden Fachnetzwerk für nachhaltige Finanzen in der Schweiz, ist deshalb nicht nur die Produktbezeichnung entscheidend, sondern vor allem die konkret angewandte Anlagestrategie, das Reporting und die Nachvollziehbarkeit der Methodik.

Für dich heisst das: Ein gutes Beratungsgespräch erkennst du nicht an schönen Broschüren, sondern daran, ob dir jemand präzise, überprüfbare und verständliche Antworten geben kann.

Diese 12 Fragen solltest du stellen

1. Wie definieren Sie hier «nachhaltig»?

Das ist die wichtigste Einstiegsfrage. «Nachhaltig» kann bedeuten, dass problematische Branchen ausgeschlossen werden. Es kann aber auch heissen, dass nur Unternehmen mit vergleichsweise besseren ESG-Werten ausgewählt werden – selbst wenn diese aus grundsätzlich umstrittenen Sektoren stammen. Oder der Fonds verfolgt eine messbare Wirkung, etwa bei erneuerbaren Energien oder sozialem Wohnungsbau.

Warum sie wichtig ist: Du klärst die Methode, bevor du über einzelne Produkte sprichst. Das verhindert Missverständnisse und spart Zeit.

Gute Antworten: «Wir arbeiten mit klar dokumentierten Ausschlusskriterien, zusätzlich mit Klima- und Governance-Prüfung, und publizieren die Methodik im Factsheet.»

Rote Antworten: «Nachhaltig ist heute eigentlich alles, was ESG berücksichtigt» oder «Das ist branchenüblich, da müssen Sie sich nicht im Detail kümmern.»

2. Welche Nachhaltigkeitsstrategie wird konkret angewendet?

Bitte um eine klare Zuordnung: Ausschlüsse, Best-in-Class, thematische Anlagen, Impact Investing, Transition-Ansatz oder Engagement. Laut Swiss Sustainable Finance, 2024, sind das unterschiedliche Ansätze mit eigener Logik und unterschiedlicher Wirkung auf das Portfolio.

Warum sie wichtig ist: Erst die Strategie zeigt, ob ein Produkt zu deinen Prioritäten passt. Wenn du fossile Energien konsequent meiden willst, reicht ein allgemeiner ESG-Ansatz oft nicht.

Gute Antworten: «Der Fonds kombiniert harte Ausschlüsse mit aktivem Engagement und einem CO₂-Reduktionsziel gegenüber der Benchmark.»

Rote Antworten: «Wir schauen einfach insgesamt auf Nachhaltigkeit.»

3. Welche Branchen und Unternehmen sind ausgeschlossen?

Frag nach einer konkreten Liste. Typische Ausschlüsse betreffen Kohle, Öl und Gas, Waffen, Tabak, schwere Verstösse gegen Menschen- und Arbeitsrechte oder Unternehmen mit massiven Korruptionsfällen. Wichtig ist auch die Schwelle: Ist Kohle komplett ausgeschlossen oder nur ab einem bestimmten Umsatzanteil?

Warum sie wichtig ist: Viele Produkte werben mit Nachhaltigkeit, halten aber dennoch Unternehmen aus umstrittenen Bereichen, wenn die Umsatzgrenze grosszügig gesetzt ist.

Gute Antworten: «Thermische Kohle ist vollständig ausgeschlossen, bei Öl und Gas gilt eine enge Umsatzschwelle, Waffen und Tabak sind ausgeschlossen, kontroverse Verstösse werden laufend überprüft.»

Rote Antworten: «Wir schliessen problematische Branchen grundsätzlich aus», ohne Prozentgrenzen, Definitionen oder Beispiele zu nennen.

4. Wie sehen die grössten Positionen aus?

Lass dir die grössten zehn Beteiligungen zeigen. Ein Fonds kann im Marketing sehr grün erscheinen und trotzdem grosse Positionen in Konzernen halten, die nicht zu deinen Erwartungen passen.

Warum sie wichtig ist: Die Top-Positionen zeigen schnell, ob Produktname, Strategie und tatsächliches Portfolio zusammenpassen.

Gute Antworten: «Hier sind die zehn grössten Positionen, mit kurzer Begründung, weshalb sie im Nachhaltigkeitsansatz enthalten sind.»

Rote Antworten: «Die Einzeltitel sind nicht so wichtig, entscheidend ist die Gesamtausrichtung.»

5. Welche Rolle spielen Engagement und Stimmrechte?

Nachhaltige Geldanlage ist nicht nur Auswahl, sondern auch Einfluss. Frag, ob der Anbieter mit Unternehmen in Dialog tritt, konkrete Ziele verlangt und auf Generalversammlungen abstimmt. Die Principles for Responsible Investment der Vereinten Nationen betonen 2023, dass glaubwürdiges Stewardship klare Ziele, dokumentierte Aktivitäten und nachvollziehbare Ergebnisse braucht.

Warum sie wichtig ist: Wenn ein Fonds problematische Unternehmen hält, muss er zeigen können, wie er Veränderungen anstösst. Sonst bleibt «aktive Eigentümerrolle» ein Schlagwort.

Gute Antworten: «Wir veröffentlichen Abstimmungsberichte, benennen Engagement-Themen und dokumentieren Fälle, in denen wir eskalieren oder desinvestieren.»

Rote Antworten: «Wir führen im Hintergrund viele Gespräche», ohne Berichte, Beispiele oder Abstimmungsdaten.

6. Welche Kennzahlen veröffentlichen Sie regelmässig?

Gute Anbieter messen und veröffentlichen mehr als nur Rendite. Frage nach CO₂-Fussabdruck, Emissionsintensität, Anteil fossiler Umsätze, Kontroversen, Taxonomie-Bezug, Abstimmungsverhalten, ESG-Abdeckung und – wenn versprochen – Wirkungsmessung.

Warum sie wichtig ist: Ohne regelmässiges Reporting kannst du Fortschritte und Widersprüche kaum prüfen.

Gute Antworten: «Wir publizieren quartalsweise Klima- und Stewardship-Daten und erklären auch methodische Grenzen.»

Rote Antworten: «Wir berichten vor allem qualitativ» oder «Daten sind in diesem Bereich leider generell schwierig», ohne trotzdem etwas Konkretes vorzulegen.

7. Wie gehen Sie mit Datenlücken und widersprüchlichen ESG-Ratings um?

Nachhaltigkeitsdaten sind nützlich, aber nicht perfekt. Studien zeigen, dass ESG-Ratings verschiedener Anbieter teils deutlich voneinander abweichen, weil sie unterschiedliche Messmethoden nutzen. Darum solltest du wissen, wie die Bank mit Unsicherheit umgeht.

Warum sie wichtig ist: Ein ehrlicher Anbieter spricht offen über Grenzen und verlässt sich nicht blind auf eine einzige Kennzahl.

Gute Antworten: «Wir verwenden mehrere Datenquellen, prüfen Kontroversen zusätzlich manuell und kennzeichnen Schätzwerte transparent.»

Rote Antworten: «Unser ESG-Score ist sehr hoch, daher ist das Produkt eindeutig nachhaltig.»

8. Ist das Produkt nach SFDR als Artikel 8 oder 9 eingestuft – und was bedeutet das inhaltlich?

Wenn du Produkte mit Bezug zum EU-Markt besprichst, ist diese Frage sehr hilfreich. Die Einstufung nach der Sustainable Finance Disclosure Regulation ist kein Gütesiegel, aber sie sagt etwas darüber aus, wie Nachhaltigkeitsmerkmale oder Nachhaltigkeitsziele offengelegt werden.

Warum sie wichtig ist: Du trennst regulatorische Einordnung von Marketing. Ein Artikel-8-Produkt ist nicht automatisch «streng nachhaltig», und selbst bei Artikel 9 musst du auf Strategie und Portfolio schauen.

Gute Antworten: «Ja, Artikel 8. Das bedeutet, dass ökologische oder soziale Merkmale beworben werden; die konkreten Mindestkriterien finden Sie in den Offenlegungsdokumenten.»

Rote Antworten: «Artikel 8 heisst nachhaltig, Artikel 9 heisst sehr nachhaltig» – zu pauschal und inhaltlich zu dünn.

9. Wie hoch sind die gesamten Kosten – und wofür bezahle ich genau?

Nachhaltige Anlagen dürfen mehr kosten, müssen es aber nicht. Frag nach Gesamtkostenquote, Transaktionskosten, Beratungsgebühren, allfälligen Retrozessionen und dem Unterschied zu vergleichbaren konventionellen Produkten.

Warum sie wichtig ist: Hohe Kosten fressen Rendite. Zudem sind teure Produkte nicht automatisch glaubwürdiger.

Gute Antworten: «Die Gesamtkosten betragen X Prozent pro Jahr; hier sehen Sie, welche Leistungen enthalten sind und wie das Produkt im Vergleich abschneidet.»

Rote Antworten: «Bei nachhaltigen Lösungen darf man nicht zu stark auf Gebühren schauen.»

10. Welche Risiken hat das Produkt – finanziell und in Bezug auf Greenwashing?

Nachhaltige Anlagen bleiben Anlagen. Markt-, Zins-, Währungs- und Konzentrationsrisiken verschwinden nicht. Hinzu kommen Nachhaltigkeitsrisiken, etwa regulatorische Änderungen oder Reputationsschäden einzelner Unternehmen.

Warum sie wichtig ist: Gute Beratung erklärt Chancen und Risiken gleich sorgfältig. Laut ESMA, 2024, ist gerade bei nachhaltigkeitsbezogenen Produktnamen die Gefahr von Fehlwahrnehmungen real.

Gute Antworten: «Neben den üblichen Anlagerisiken bestehen Daten- und Definitionsrisiken; wir zeigen Ihnen, wo Zielkonflikte entstehen können.»

Rote Antworten: «Mit nachhaltigen Fonds sind Sie langfristig auf der sicheren Seite.»

11. Wie passt dieses Produkt zu meinen persönlichen Werten und Anlagezielen?

Seit der stärkeren Berücksichtigung von Nachhaltigkeitspräferenzen in der Anlageberatung sollten deine Werte systematisch abgefragt werden. Möchtest du vor allem problematische Branchen meiden, Klima fördern, soziale Themen unterstützen oder eine marktbreite Lösung mit Mindeststandards?

Warum sie wichtig ist: Nachhaltigkeit ist nicht für alle dasselbe. Ein passendes Produkt muss sowohl zu deinem Risikoprofil als auch zu deinen Prioritäten passen.

Gute Antworten: «Wir klären zuerst Ihre Ausschlüsse, Wirkungsschwerpunkte, Risikofähigkeit und den Zeithorizont – erst dann empfehlen wir ein Produkt.»

Rote Antworten: «Dieser Fonds passt eigentlich für fast alle.»

12. Können Sie mir die wichtigsten Unterlagen vor dem Abschluss mitgeben?

Bitte um Factsheet, Kostenübersicht, Nachhaltigkeitsdokumentation, Liste der grössten Positionen, Ausschlusskriterien, Stewardship- oder Abstimmungsbericht und – wenn vorhanden – Impact-Report.

Warum sie wichtig ist: Gute Entscheidungen brauchen Zeit. Wenn du Unterlagen in Ruhe prüfen kannst, erkennst du Widersprüche viel leichter.

Gute Antworten: «Selbstverständlich, wir senden Ihnen alles gesammelt zu und markieren die relevanten Stellen.»

Rote Antworten: «Das ist sehr technisch, ich fasse es Ihnen lieber kurz zusammen.»

So erkennst du ausweichende Antworten

Ausweichende Antworten klingen oft höflich und professionell, bleiben aber unpräzise. Besonders vorsichtig solltest du sein, wenn häufig mit allgemeinen Formulierungen gearbeitet wird, ohne Begriffe, Grenzen oder Zahlen zu nennen. Ein weiteres Warnsignal ist, wenn Produktnamen oder Labels anstelle von Inhalten erklärt werden. Auch das schnelle Springen von Nachhaltigkeit zu Renditeversprechen ist problematisch: Nachhaltige Anlagen können sinnvoll sein, aber sie sind kein Garant für überdurchschnittliche Gewinne und kein Ersatz für eine saubere Risikoaufklärung.

Achte zudem darauf, ob Zielkonflikte offen angesprochen werden. Ein glaubwürdiger Anbieter sagt dir auch, wo die Datenlage unvollständig ist, wo Unternehmen in Übergangsphasen schwierig einzuordnen sind oder warum ein Fonds trotz Nachhaltigkeitsanspruch umstrittene Titel halten kann. Transparenz ist hier meist das bessere Zeichen als Perfektion.

Checkliste zum Mitnehmen

  • Definition klären: Was bedeutet «nachhaltig» in diesem Produkt genau?
  • Strategie benennen lassen: Ausschlüsse, Best-in-Class, Impact, Klimaansatz, Engagement?
  • Ausschlüsse prüfen: Welche Branchen sind ausgeschlossen – und ab welcher Umsatzschwelle?
  • Top-Positionen anschauen: Stimmen die grössten Beteiligungen mit deinen Erwartungen überein?
  • Stewardship belegen lassen: Gibt es Abstimmungs- und Engagement-Berichte?
  • Kennzahlen einfordern: Welche Daten werden regelmässig veröffentlicht?
  • Datenqualität hinterfragen: Wie geht der Anbieter mit ESG-Datenlücken und widersprüchlichen Ratings um?
  • Regulatorische Einordnung verstehen: Was bedeutet Artikel 8 oder 9 hier konkret?
  • Kosten offenlegen: Welche Gebühren fallen insgesamt an?
  • Risiken benennen: Welche finanziellen und nachhaltigkeitsbezogenen Risiken bestehen?
  • Persönliche Werte abgleichen: Passt das Produkt wirklich zu deinen Prioritäten und deinem Risikoprofil?
  • Unterlagen mitnehmen: Nichts direkt unterschreiben, sondern erst in Ruhe prüfen.

Wenn du mit diesem Fragenkatalog ins Gespräch gehst, verschiebt sich die Dynamik: Du bist nicht mehr auf grüne Schlagworte angewiesen, sondern verlangst nachvollziehbare Informationen. Genau das ist der beste Schutz vor Greenwashing – und die Grundlage für eine Anlageentscheidung, die fachlich solide und persönlich stimmig ist.

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