Zeigt Klimastreik Wirkung? Deutlich mehr Menschen kompensieren ihre Flüge

Das Fliegen ist eines der Hauptthemen bei den Klimastreiks. Nun scheint das steigende Bewusstsein über den Klimawandel Wirkung zu zeigen: So kompensieren deutlich mehr Menschen ihre Flugmeilen.

Zeigt Klimastreik Wirkung? Deutlich mehr Menschen kompensieren ihre Flüge
Foto: © guvendemir / E+
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Der Flugverkehr ist das grosse Thema, das beim Klimastreik und im Kampf gegen die Klimaerwärmung immer wieder in den Fokus rückt. Doch ausgerechnet wir Schweizer fliegen im Schnitt doppelt so viel wie unsere Nachbarn im Ausland – und kompensieren dabei nur rund ein Prozent der verursachten CO2-Emissionen.

Doch nun macht sich das steigende Bewusstsein über den Klimawandel auch beim Fliegen bemerkbar.

Deutlich mehr Menschen kompensieren ihre Flüge

Kai Landwehr von myclimate

Kai Landwehr von «myclimate.» Foto: © zVg

Eine Möglichkeit, seine Flugemissionen zu kompensieren, bietet die Organisation «myclimate». Laut Kai Landwehr, Mediensprecher bei «myclimate», haben letztes Jahr massiv mehr Menschen ihre Flugmeilen kompensiert. «Allein über unsere Onlinerechner haben wir ein Wachstum von mehr als 80 Prozent über das gesamte Jahr und eine Verdreifachung im Januar im Vergleich zum Januar 2018 feststellen können», so Landwehr.

Trotzdem läge die Anzahl an kompensierten Flügen im Vergleich zur Gesamtzahl an Flügen im minimalen Bereich – nämlich, zusammengerechnet mit anderen Anbietern, schätzungsweise bei höchstens zwei Prozent. Als Grund dafür sieht Kai Landwehr vor allem, dass bei Buchungsprozessen eine benutzerfreundliche Möglichkeit fehlt, den eigenen Flug oder die gesamte Reise zu kompensieren. 

Bei Myclimate.org können Sie die CO2-Emissionen Ihres Fluges oder anderer täglicher Aktivitäten berechnen und kompensieren.

«Sobald Privatpersonen nach einer bezahlten Onlinebuchung nicht mehr zu einer anderen Plattform wechseln müssen, wo sie noch einmal alle Daten angeben und ein weiteres Mal bezahlen müssen, wird die Zustimmungsrate wohl deutlich steigen», so Landwehr. Ob diese Vermutung stimmt, wird wohl die Schweizer Fluggesellschaft Swiss schon bald beantworten können: Diese integriert nämlich noch im ersten Quartal 2019 eine klimaneutrale Option direkt im Buchungsprozess.

Mit einer freiwilligen Abgabe bei «myclimate» kompensieren Sie Ihre Flugemissionen

Wir produzieren im Alltag jede Menge CO2, welches Sie durch die Unterstützung von Klima-Projekten von «myclimate» kompensieren können. Foto: © zVg Kai Landwehr 

Mehr Kompensationen per Telefon

Eine Bereitwilligkeit für freiwillige Abgaben bestätigt auch der Geschäftsführer vom Wanderreiseanbieter Imbach Reisen, Martin Fehrlin. Das Unternehmen bietet seinen Kunden seit Anfang Jahr direkt bei der Buchung die Möglichkeit, ihre Flugemissionen zu kompensieren – entweder telefonisch oder mittels Checkbox bei der Onlinebuchung. «Nach 2 Monaten gibt es zwar noch keine repräsentativen Zahlen, doch die Tendenz ist klar: Immer mehr Menschen kompensieren ihren Flug. Bei einer Buchung per Telefon noch mehr als bei Onlinebuchungen», sagt Fehrlin.

Hierfür hat Fehrlin eine einfache Erklärung: «Per Telefon können wir den Kunden das Prinzip der Kompensation persönlich erklären und ihnen das von uns ausgewählte Klimaschutz-Projekt vorstellen, in das ihr Geld bei einer freiwilligen Abgabe fliesst. Bei der Onlinebuchung müssen sie sich selber informieren.»

Starke Fluglobby erschwert obligatorische Abgabe

Statt einer freiwilligen Abgabe fordern Organisationen wie WWF Schweiz, dass auf jedes Flugticket eine obligatorische Abgabe erhoben wird. Diese zahlt man in unseren Nachbarländern bereits seit einiger Zeit. In der Schweiz hingegen gibt es bislang keine obligatorische Flugabgabe.

Die Erklärung dafür sei sowohl einfach als auch schwierig, so Philip Gehri, Kommunikationsbeauftragter für Klima und Energie bei WWF Schweiz. «Gemäss Umfragen erhält eine obligatorische Abgabe eine hohe Zustimmung von der Schweizer Bevölkerung. Doch schlussendlich geht es um die politische Mehrheit – und die Fluglobby ist sehr gut vernetzt, weshalb Klimaanliegen schwer durchkommen.»

Der Druck steigt

Doch laut Gehri steige der gesellschaftliche Druck. «Die Chancen, dass es das nächste Mal klappt, stehen gut.» Erste Anzeichen für einen Umschwung gibt’s bereits in Basel, wo der Kantonsrat der Forderung der Klimabewegung Basel nachgekommen ist und den Klimanotstand ausgerufen hat. Und auch FDP-Präsidentin Petra Gössi spricht sich neu für eine Flugticket-Abgabe aus.

Am 15. März findet der nächste nationale Klimastreik statt. Dieses Mal wollen die Organisatoren mindestens 100'000 Menschen auf die Strasse bringen, um für den Klimaschutz zu demonstrieren.

Alles zum Thema Klimastreik in der Schweiz.

Aktualisiert: 26.02.2019.

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