Windräder schaffen regionalen Mehrwert

Mit dem Ausbau der Windenergienutzung werden immer mehr Gemeinden mit Baubewilligungsfragen für Windenergieanlagen konfrontiert. Da die windreichen Regionen im Jurabogen, Alpen und Voralpen meist wirtschaftliche Randregionen sind, eröffnet sich mit der Windenergienutzung die Chance einer breiten regionalen Wertschöpfung.

Wertschöpfung Windenergie: suisse eol Mont Crosin.
Wertschöpfung Windenergie: suisse eol Mont Crosin. Foto: suisse eole
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120 Anlagen an 20 Standorten mit einer Stromproduktion von 375 Mio. kWh jährlich, was dem Strombedarf von über 100.000 Haushalten entspricht: Das sind die Prognosen des Windenergieverbands Suisse Eole für die kommenden fünf Jahre. Bis 2035 können 2,5 % des heutigen schweizerischen Stromverbrauchs gedeckt werden, bis 2050 sind je nach Verbrauchsentwicklung 6 % bis 9 % möglich. Die Windräder werden in den Hauptwindregionen zu stehen kommen: Im Jurabogen, in den Voralpen, den grossen Alpentälern und auf Alpenpässen. Einzelne Anlagen dürften auch im Mittelland gebaut werden. Da also die meisten Windgebiete wirtschaftlich gesehen Randregionen sind, eröffnen sich für die Standortgemeinden interessante Perspektiven.

Regionalwirtschaftlich relevant sind die Bau- und die Betriebsphase. Die folgenden Zahlen stammen aus einer Studie des Bundesamts für Energie zu den Auswirkungen von Windenergieanlagen:

  • Bauphase: Ungefähr ein Drittel der Investitionen in Planung und Bau bleiben in der Region. Eine durchschnittliche 2-MW-Anlage kostet heute über 5 Millionen Franken, also bleiben rund 1,7 Millionen vor Ort.
  • Betriebsphase: Während der rund 20-jährigen Laufzeit fallen Kosten für Betrieb, Wartung und Reparaturen sowie Aufwendungen für Pachtzinsen an. Der Gesamtbetrag beläuft sich bei der erwähnten 2-MW-Anlage auf 150 - 200'000 Franken pro Jahr. Gemäss den Schätzungen der Studie kann bis zur Hälfte der Summe in der Region bleiben.

Nachhaltige Wertschöpfung möglich

Die Investitionssummen kommen nebst der regionalen Bauwirtschaft, der Landwirtschaft und dem Tourismus auch der öffentlichen Hand zu gut. Die regionale Bauwirtschaft wird für Erschliessungsarbeiten wie Zufahrtswege und Stromanschlüsse sowie den Fundamentbau berücksichtigt, die zusammen einen bedeutenden Teil der Investitionen ausmachen. Landwirtschaftliche Betriebe können ihr Land als Standort für Windturbinen verpachten, am Tourismus teilhaben (z.B. Pferdekutschenfahrten auf dem Mont-Crosin) oder Unterhaltsarbeiten leisten. In einzelnen Fällen investieren Landwirte selbst in Windenergie. So bei Anlage in Rengg bei Entlebuch und verschiedenen Kleinwindanlagen.

Windkraftanlagen werden natürlich nicht aus touristischen Gründen erstellt, sie können sich aber mit geeigneten Begleitangeboten wie Führungen, Infotafeln und -pfaden zu wahren Besuchermagneten entwickeln. Der rund 5 Kilometer lange Erlebnispfad zwischen Mont-Soleil und Mont-Crosin wird jährlich von über 50'000 Personen besucht, die nur zu Fuss, mit Pferdewagen, Velos oder Trottinetts unterwegs sind. Der Windpark war die treibende Kraft für die Entwicklung des regionalen Tourismus: Die Existenz des Windparks hat eine entscheidende Rolle gespielt, um die Renovation der Standseilbahn Saint-Imier-Mont-Soleil zu finanzieren.

Die Besucherzahlen widersprechen der Behauptung, Windturbinen vertrieben die Touristen. Untersuchungen aus Deutschland belegen, dass 75 % der Erholungssuchenden Windenergieanlagen nicht als Störung empfinden, sondern mehr als Zeichen einer zukunftsfähigen Energie- und Klimapolitik einer Region betrachten.

Im Jahr 2009 wurde auf dem Mont-Crosin in den Bereichen Verkauf, Gastronomie, Transport und weitere Dienstleistungen eine Wertschöpfung von über 1 Million Franken generiert. Auch die Entlebucher Windturbine - sie ist in den Energie-Erlebnispfad der UNESCO-Biosphäre integriert - zieht zahlreiche Besucher an. Damit bietet sich die Chance, vermehrt Regioprodukte zu vermarkten.

Nutzen für die öffentliche Hand

Die öffentliche Hand schliesslich kann auf verschiedenen Wegen von der Investition einen Gewinn ziehen:

  • Der Gewinn aus dem Betrieb der Windturbine ist in der Regel an der Betriebsstätte zu versteuern.
  • Die regionale Wertschöpfung generiert zusätzliche Steuereinnahmen.
  • Ist die Gemeinde an der Investition beteiligt, so kann sie direkt den Ertrag nutzen. Dies ist der zum Beispiel der Fall bei der Walliser RhônEole SA, deren Aktienkapital zu je 10 % aus den fünf regionalen Gemeinden Dorénaz, Evionnaz, Vernayaz, Martigny und Collonges, zu 25 % vom lokalen Stromversorger SEIC (an dem wiederum die genannten Gemeinden beteiligt sind) und zu 25% von den Services Industriels de Lausanne stammt.
  • Gehört das Land der Standortgemeinde, profitiert sie von Pachtzinsen der Betreiber. So im Fall der jurassischen Gemeinde St. Brais.
  • Unter Umständen kann die Gemeinde für begleitende Massnahmen wie Verkehrslenkung oder allfällige Ausgleichsmassnahmen im Bereich Landschaft oder Ökologie entschädigt werden.

Damit die Windenergieanlage der Region einen nachhaltigen Nutzen bringt, ist Partnerschaftlichkeit in der Zusammenarbeit der Gemeinden mit den Betreibern wichtig. Die Betreiber der Anlagen tun gut daran, sich um die Anliegen der Anwohner und der regionalen Bevölkerung kümmern.

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Quelle: IWB Industrielle Werke Basel