Kein laues Lüftchen: Windkraft in der Schweiz

Windkraft ist unerschöpflich und umweltfreundlich. Auch in der Schweiz hat sie enormes Potenzial. Besonders ehrgeizig zeigt sich der Raum Basel: Dort sollen bald 25 Prozent des Stroms aus Windkraft stammen.

Windkraft ist in der Schweiz eine der wichtigsten erneuerbaren Energien
Windkraft ist ein wichtiger Energieträger für die Schweizer Energiezukunft. Foto: © iStockphoto / Thinkstock
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Wenn Luftströme den Druckunterschied zwischen Hoch- und Tiefdruckgebieten ausgleichen, bereitet uns das zwar manchmal Kopfschmerzen, für eine umweltfreundliche Energieversorgung ist Wind aber eine unerschöpfliche Quelle mit riesigem Potenzial. Auch in der Schweiz wird Windkraft in den letzten Jahren zunehmend genutzt.

Windkraft in der Schweiz auf dem Vormarsch

2011 wurde in der Schweiz so viel Windenergie produziert wie noch nie. Obwohl es kein übermässig windiges Jahr war, konnten fast 20.000 Haushalte – und damit doppelt so viele wie im Vorjahr – mit  Strom aus Windkraft versorgt werden. Noch hinkt die Schweiz damit im internationalen Vergleich hinterher. Doch es geht voran mit der Windkraft! Aktuell sind auf Schweizer Boden 32 Windräder installiert. Die Hälfte davon bildet den grössten Windpark der Schweiz, den Windpark Juvent auf dem Mont Crosin im Schweizer Jura.

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Auf das Betonfundament wird der Turm des Windrads aufgebaut. Foto: © Nuon / Jorrit Lousberg

Auf das Betonfundament wird der Turm des Windrads aufgebaut. Foto: © Nuon / Jorrit Lousberg

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Wegen des grossen Windvorkommens eignet sich der Jura sehr gut für Windkraftanlagen. Trotzdem dürfen nicht an jedem windigen Ort in der Schweiz Windräder aufgestellt werden. Im «Konzept Windenergie Schweiz» des Bundes ist festgelegt, dass auch der Natur- und Landschaftsschutz sowie ausreichend Abstand zu Anwohnern berücksichtigt sein müssen. Laut dem Bundesamt für Energie gibt es in der Schweiz jedoch genügend geeignete Standorte, die diese Kriterien erfüllen. Bis 2030 könnten jährlich 600 Gigawattstunden Strom erzeugt werden. Das entspricht dem Siebenfachen der aktuellen Produktion.

Weitere Windkraftanlagen sind geplant

Um das Potenzial der Windkraft in Zukunft stärker zu nutzen, sollen im Schweizer Jura neue Anlagen gebaut werden. Damit werden die Kantone Bern und Uri Zentren für Windkraft bleiben.

Aber auch ein anderer Kanton zeigt sich ambitioniert: Eine Standortstudie des Kantons Baselland zeigt, dass Windstrom dort bis zu 25 Prozent des kantonalen Strombedarfs decken kann. Als möglicher Standort für einen neuen Windpark gilt die Challhöhe, die etwa 30 Kilometer südwestlich von Basel liegt. Der lokale Energiedienstleister IWB (Industrielle Werke Basel) prüft dort derzeit die Windbedingungen. Rund 36 Gigawattstunden Strom könnten auf der Passhöhe jährlich produziert werden, schätzt das Unternehmen. Das wäre ausreichend Strom für 10.000 Haushalte.

Windkraftanlage beim Aufbau

Aufbau Windpark in der Gemeinde Calau, Nähe Cottbus in Brandenburg, Deutschland, Foto: IWB

Basel setzt sich hohe Ziele

Neue Windkraftanlagen wie auf der Challhöhe sind wichtig für die IWB, denn das Unternehmen hat sich viel vorgenommen. Bis 2015 wollen die IWB ein Viertel der gesamten Produktionskapazität mit erneuerbarer Energie zubauen, um Basel auch zukünftig vollständig mit erneuerbarem Strom aus eigenen Anlagen zu versorgen. Schon seit 2009 versorgen die IWB Basel mit hundert Prozent erneuerbarem Strom.

Um ihr ehrgeizige Ziel zu erreichen, investieren die IWB zum Beispiel in den Windpark Juvent. Dort werden vier Windräder aus den 1990er Jahren durch moderne, leistungsstarke Windräder ersetzt. Ausserdem soll die Windkraftanlage durch zusätzliche Windräder erweitert werden. Die Investitionen lohnen sich: Im Vergleich zur aktuellen Leistung wird der Windpark Juvent so 40 Prozent mehr Strom produzieren als bisher.

Auch im Ausland werden die IWB die Windkraft weiter vorantreiben. Zum Beispiel in Nordfrankreich, wo derzeit der Windpark Magremont gebaut wird. Voraussichtlich von Ende 2012 an werden die sechs Turbinen umweltfreundlichen Strom liefern.

Es ist nicht das erste Mal, dass die IWB Windprojekte in Frankreich mitfinanzieren. Bereits 2011 haben die Basler im Nachbarland eine Windkraftanlage gekauft und sich an weiteren Anlagen beteiligt. Aktuell betreiben die IWB insgesamt 50 Windräder in Frankreich, die Strom für 42.000 Haushalte liefern.

Windkraft ist in der Schweiz noch ausbaufähig

Die Funktionsweise einer Windturbine.

In Basel ist viel Wind im Strom

Durch die Investitionen im In- und Ausland haben die IWB schon viel erreicht. Bereits heute stammt fast ein Zehntel des IWB-Stroms aus Windkraft. Welche enormen Fortschritte das bedeutet, zeigt der Vergleich mit 2010: Damals lag der Anteil der Windenergie noch unter einem halben Prozent. In Zukunft wird dieser Anteil weiter steigen, verspricht das Unternehmen.

Quellen: Bundesamt für Energie, IWB, Vereinigung zur Förderung der Windenergie in der Schweiz, Text: Leena Heinzelmann

Aktuell produzieren 32 Windkraftanlagen auf Schweizer Boden rund 85 Gigawattstunden Strom. Das reicht aus, um den Strombedarf von 23.800 Haushalten zu decken.

Die Technik entwickelt sich rasant

Modernste Windräder erreichen Höhen von fast 200 Metern und bringen eine Leistung von 5.000 bis 7.500 Kilowatt. Ein solches Windrad kann bis zu 5.000 Haushalte versorgen! Windräder aus den 1990er Jahren sind dagegen nur knapp 70 Meter hoch mit einer Leistung von 600 Kilowatt.

 

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Quelle: IWB (Industrielle Werke Basel),Text: Leena Heinzelmann