Unsere Rohstoffe werden bald zu teuer: Was muss sich ändern?

Die Rohstoffe gehen zu Ende, heisst es immer wieder in Diskussionen um den Naturschutz. Nicht der Ressourcenschwund sei das Problem, sondern dass die Förderung von Öl oder Kupfer schon in den nächsten Jahren zu teuer wird, zeigt der neuste Bericht «Plundering the Planet» von Ugo Bardi. Hochkarätige Experten nehmen im Rahmen einer Podiumsdiskussion in Zürich Stellung zu dem Bericht und geben Lösungsansätze.

Unsere Rohstoffe werden bald zu teuer: Was muss sich ändern?
Der Abbau von Rohstoffen, wie hier Kupfer, wird bald zu teuer werden. Foto: Digital Vision / Thinkstock
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Es wird noch für längere Zeit fossile Rohstoffe geben. Allerdings wird es schon in den nächsten Jahren deutlich teurer werden, ausreichend davon zu fördern, um die ansteigende Nachfrage zu decken. So das Ergebnis der Untersuchungen von Ugo Bardi, Professor für physikalische Chemie an der Universität von Florenz, der im Auftrag des Club of Rome die Zukunft unserer fossilen Ressourcen analysierte. Seine Ergebnisse fasste er in dem Bericht «Plundering the Planet» zusammen.

Eines der Probleme sei laut Bardi, dass die Weltbevölkerung immer weiter zunimmt, gleichzeitig aber die Förderung fossiler Ressourcen immer kostspieliger wird. «Man kann wahrscheinlich so viel Öl fördern wie man möchte, aber man muss den Preis dafür zahlen.» Noch würden wir mehr produzieren als wir konsumieren. Doch bereits 2023 könnte die Produktion von Kupfer ihr Maximum erreichen, weitere Rohstoffe würden kurz darauf folgen. Wenn man dann die starke Förderung aufrecht erhalten will, steigen die Kosten und damit auch die Preise für diese Rohstoffe bald ins Unermessliche.

Die Schweiz ist in einer guten Position, darf sich aber nicht darauf ausruhen

Staaten, die viele Rohstoffe importieren, stehen laut Bardis Analyse bereits jetzt schlechter da als andere. Die Schweiz sieht er im Vergleich in einer komfortablen Situation. Da sie weniger Mineralstoffe, wie zum Beispiel Öl, importiert als andere, sei sie auch nicht so stark gefährdet von möglichen Preisaufschlägen. Trotzdem sei es keine Situation auf der man sich ausruhen sollte.

Darüber waren sich auch die Teilnehmer der Podumsdiskussion einig, der sich Ugo Bardi und weitere Experten aus unterschiedlichen Fachbereichen stellten. So zog bereits der erste Podiumsgast aus dem Finanzbereich ein nüchternes Fazit zu dem Bericht: «Wir haben wirklich ein grosses Problem auf mehr als einer Ebene», erklärte Reto Ringger, Gründer und CEO von Globalance, einer Privatbank, die sich auf nachhaltige Anlagen spezialisiert. Damit sich etwas bewegt, müsse sich unter anderem im Finanzsektor Einiges ändern und nachhaltiger werden.

Konsumenten können viel tun für eine nachhaltige Zukunft

Auch die Konsumenten sind einer der Schlüsselfaktoren, um fossile Ressourcen zu schonen. Doch diese würden noch zu sehr vernachlässigt, erklärt Dr. Vivianne Visschers, Forscherin am Lehrstuhl für Konsumentenverhalten an der ETH Zürich und eine weitere Teilnehmerin an der Podiumsdiskussion. «Die Menschen nehmen es noch nicht so wahr, sind noch nicht besorgt. Sie denken noch immer, dass es Alternativen geben wird, damit wir so weiter machen können wie bisher.»

Zwar gebe es schon Ansätze zur Ressourcenschonung, wie Recycling und den Kauf energieeffizienter Geräte, aber das alles würde nicht viel nutzen. Effizienter zu konsumieren, aber dabei genau so viel wie bisher, sei nicht ausreichend. Die einzige Massnahme mit der Konsumenten wirklich etwas ausrichten könnten, sei suffizienter zu leben. Das bedeute «bescheidener einkaufen, also weniger konsumieren als bisher.» Das helfe wirklich, sei aber noch viel zu wenigen Menschen bewusst. Daher solle bei den Konsumenten die Aufmerksamkeit für Probleme gesteigert werden.

Bei der Aufklärung von Verbrauchern setzt auch der nächste Podiumsgast, Nationalrat der Grünen und Umweltwissenschaftler Bastien Girod, an. «Plundering the Planet» zeige diesbezüglich schon sinnvolle Ansätze. «Wir können heute schlecht nachvollziehen wo die Waren herkommen. Das Buch klärt gut darüber auf.» Dass viele nicht um den Wert der Rohstoffe wissen, wundert ihn nicht. Denn den gesamten Produktionsprozess von Produkten bis zur Förderung der Rohstoffe nachzuvollziehen sei sehr schwierig bis unmöglich.

Damit Konsumenten nachhaltiger leben können, brauche es daher mehr Transparenz. «Labels sind dafür ein guter Anfang, aber mit zu vielen Labels und zu vielen Informationen ist der Konsument überfordert.» Vielmehr wünscht er sich auf lange Sicht einen Minimalstandard bei Produkten bezüglich Umweltbelastungen, den sie erfüllen müssen. Neben Transparenz brauche es Informationen und Ratschläge, um nachhaltige Ansätze im Alltag realistisch umsetzen zu können. Wir müssen den Konsumenten «aufzeigen, was sie tun können und wie», ergänzt dazu Dr. Vivianne Visschers.

Internationale Zusammenarbeit wird immer wichtiger

Neben dem, was jeder einzelne Staat und Konsument leisten kann, ist auch internationale Zusammenarbeit gefragt, um die Probleme in den Griff zu bekommen. Die Schweiz kann dazu viel beitragen, wie der fünfte Teilnehmer an der Podiumsdiskussion, Peter Sigg, Präsident des Commodity Clubs, erklärt. «Die Schweiz ist beim Warenhandel weltweit an der Spitze.» Dementsprechend gross könne auch ihr Einfluss in diesem Bereich sein, um international etwas zu bewegen.

Reto Ringger sieht für die Schweiz ebenso gute Möglichkeiten, sich international einzubringen. «Die Schweiz hat grosses Wissen angesammelt.» Dieses solle sie an andere Länder vermitteln, um die Ressourcenschonung dort voranzutreiben. «Wir sollten ein Netz aufbauen und Wissen austauschen, um die Welt besser zu machen», resümiert er.

Und Ugo Bardi zieht als Fazit aus «Plundering the Planet» und der Diskussion: «Wir müssen unsere Ressourcen weise in die Zukunft investieren. Wir haben jetzt noch die Möglichkeit, eine bessere, sicherere, sauberere Welt zu erschaffen.» Das zu erreichen, funktioniere aber nur, wenn Finanzwesen, Konsumenten und die Politik zusammen arbeiten.

Text: Bianca Sellnow