Alternativen zum Streusalz

Besonders die Pflanzen am Strassenrand leiden im Winter unter dem vielen Streusalz.

Die Bäume und Wiesen am Strassenrand werden durch Streusalz dauerhaft geschädigt. Foto: jenoche / iStock / Thinkstock

Splitt braucht teure Entsorgung

Abstumpfende Streumittel wie Splitt, Sand oder Holzschnitzel sind oft nicht nur mit Strassenabfall, Gummiabrieb und Ölresten vermischt. In Labors wurden auch Schwermetalle wie Blei oder Quecksilber in Mengen gefunden, die teilweise sogar den Grenzwert überschreiten. Somit ist Splitt nach dem Wintereinsatz Sondermüll und muss entsprechend entsorgt oder aber vor der Wiederverwendung aufwändig und teuer behandelt werden. Auf stark befahrenen Strassen, haben Splitt und Co. noch einen Nachteil: Die Partikel bleiben nicht, wo sie hingehören, sondern fliegen auf Böschungen und Kulturland. Das Streugut muss dort aufwändig entfernt werden und es wird mehr davon benötigt, da häufig nachgestreut werden muss. Ähnlich verhält es sich mit Blähtonkügelchen, die in der Herstellung viel Energie verbrauchen. Alternativen wie Kaliumcarbonat, auch Pottasche, wären umweltverträglicher, jedoch sehr teuer. In Österreich wird auf den Strassen vor allem Calciummagensiumacetat angewendet. Das hat den Vorteil, dass Bäume und Brücken keinen Schaden nehmen, kostet aber bis zehnmal mehr als das klassische Salz.

Tiere und Pflanzen leiden

Die Vegetation wäre für die Investition dankbar, denn Strassenbäume können nur begrenzte Mengen an Natrium und Chlorid aufnehmen - wird diese überschritten, sterben die feinen Wurzeln ab. Dies führt dazu, dass der Baum auch bei genügend Wasser dieses nicht mehr aufzunehmen kann. Der Baum trocknet aus. Bei Haustieren führt das Salz zu Hautreaktionen an den Pfoten. Zudem versuchen viele Tiere, das Salz durch lecken zu entfernen, wodurch sie dieses wiederum im Körper aufnehmen. «Auch der Lebensraum kleinster Bodentiere und Mikroorganismen wird durch das Salz beeinträchtigt», sagt Matthias Sorg, Webredaktor und stellvertretender Mediensprecher von Pro Natura. Streusalz führt zu Verdichtung des Bodens, Auswaschung von Nährstoffen und einem höheren pH-Wert. Sogar für Wildtiere ist das Salz eine Bedrohung: Sie lecken das Salz von den Strassen auf, wo sie dann angefahren werden.

Jeder gefordert

Nicht überall ist eine komplette Schwarzräumung erforderlich. Jeder einzelne ist hier gefordert. Wer nur seine Einfahrt oder seine Treppe rutschsicher machen will, ist mit Sand, Splitt, Asche, trockener Erde oder Holzschnipseln gut bedient. Diese Alternativen erfüllen ihren Dienst sofort, während beim Salz die schmelzende Wirkung abgewartet werden muss. Und sind Eis und Schnee geschmolzen, kehrt man das Streugut zusammen und verwendet es je nach Zustand im nächsten Jahr wieder. «Die Menschen müssen ihre Ansprüche überdenken und sich im Winter den Gegebenheiten anpassen», meint Matthias Sorg. Denn oft gefällt die weisse Pracht nur aus der warmen Stube, kaum steht man in Turnschuhen oder Pumps draussen, wird lautstark nach dem Winterdienst gerufen.

Text: Kanyama Butz