Gefahr einer Flutwelle

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Mit der Klimaerwärmung steigt auch die Gefahr, dass Gletscher Flutwellen auslösen. Foto: © Kristy Ferguson / iStock / Thinkstock

Die Angst vor Eisabbrüchen und Flutwellen ist in den Dörfern der Täler gross. Darum versucht man, die Gletscher im Auge zu behalten. «In der Schweiz werden die Gletschergefahren regelmässig untersucht, um rechtzeitig für die Sicherheit in raumwirksamen Regionen eingreifen zu können», sagt Funk. Trotzdem können Überraschungen nicht ausgeschlossen werden. Wenn beispielsweise ein böses Gewitter über einem Gletscher tobt und der Gletscherbach viel Schmelzwasser führt, dann könnte es gefährlich werden. «Aufgrund der Schmelze kann es in einem Gletscher auch wegen einer Verstopfung eine Ansammlung von Wasser geben, das dann auf einmal ausbricht und zu Flutwellen führen kann. Damit muss man rechnen», sagt Funk. Voraussehbar sei so etwas nicht.

Energie-Verbrauch für künstliche Gletscher

Langfristig bedeutet die weltweite Gletscherschmelze einen progressiven Anstieg des Meeresspiegels, was beispielsweise in Holland mit Argusaugen verfolgt wird, hierzulande jedoch bisher nicht unmittelbar zu Besorgnis führt. Eine abenteuerliche Idee aus Deutschland hat kürzlich Aufsehen erregt: Der Physikprofessor Eduard Heindl versucht, Gletschereis zu züchten. Auf dem Theodulgletscher oberhalb von Zermatt hat er eine Eismaschine mit umfunktionierten Rasensprengern installiert. Im Schwarzwald wurde mit dieser Methode bereits Eis gezüchtet. Ob dies langfristig hilft im Kampf gegen die Gletscherschmelze, muss allerdings in Frage gestellt werden. «Man kann solche Spielereien lokal betreiben», sagt Funkt dazu. «Aber im grossen Massstab ist das ein illusorisches Vorhaben. Man versucht, etwas Natürliches künstlich herzustellen - und braucht dazu Energie, die wiederum zur Klimaerwärmung beiträgt.» Funk glaubt nicht, dass die Gletscherschmelze gestoppt werden kann. «Sie hört erst auf, wenn die Gletscher weg sind», sagt er. Die Landschaft und der hydrologische Kreislauf werden sich verändern. Die Menge an Wasser nimmt ab und dort, wo heute noch Gletscher sind, werden künftig Kühe grasen.

Text: Elena Ibello

Gletscher und Klimaerwärmung:


  • In den meisten Schweizer Berggebieten hat sich die Jahresmitteltemperatur in den vergangenen 100 Jahren um ein bis zwei Grad erhöht.
  • Der Juli 2010 war in der Schweiz einer der wärmsten seit 150 Jahren.
  • Laut einer Studie der ETH Zürich ist das Gletschervolumen in der Schweiz ist in den vergangenen zehn Jahren um 12 Prozent zurückgegangen.
  • Studien an der Universität Zürich kommen 2006 zum Schluss, dass die Alpengletscher 80 Prozent ihrer Fläche verlieren könnten, wenn die Sommertemperaturen um drei Grad steigen.
  • Die Gletscher reagieren auf eine Klimaveränderung verzögert: Wenn die Erwärmung heute stoppen würde, würden sich die Gletscher noch jahrzehntelang weiter zurückziehen, bis sie wieder ein Gleichgewicht gefunden hätten.
  • Für einen Meter Eis braucht es etwa zehn Meter Schnee.
  • Es dauert sieben bis zehn Jahre, bis aus Neuschnee richtiges Gletschereis wird.