Bedrohung durch Abwasserentsorgung und Chemikalien

Unbehandeltes Abwasser, dass direkt ins Meer gelangt, trägt stark zur Verschmutzung der Gewässer bei.

Durch Rohrleitungen gelangt unbehandeltes Abwasser in die Meere und verschmutzt sie. Foto: Tracy Norrs / Hemera / Thinkstock

In vielen Regionen der Welt gelangt unbehandeltes Abwasser direkt ins Meer. Zum Beispiel fliessen 80 Prozent des Abwassers von Städten rund ums Mittelmeer ungesäubert ins Meer. Dieses Abwasser fördert eine Überdüngung des Meeres. Daneben kann es Krankheiten hervorrufen und Badestrände still legen.

Nahezu jedes Lebewesen im Meer ist mit Chemikalien kontaminiert. Bis in die 1970er Jahre wurden die Ozeane als bequeme Müllhalde betrachtet. Fast alles wurde absichtlich im Meer deponiert – auch Pestizide, chemische Waffen und radioaktive Abfälle. Erst das Londoner Deponieabkommen für toxische Materialien brachte ab 1972 Besserung.

Dieses Abkommen diente dem Schutz der Meere vor Verschmutzung durch Giftmüll und radioaktiven Abfällen. Das Nachfolgeabkommen - die Londoner Konvention - umfasst seit 1996 weitere Restriktionen, wie ein Verbot für das Einlassen von radioaktiven und industriellen Abfällen und das Verbrennen von Giftmüll auf dem Meer. Dennoch sind die Meere mit immensen Mengen verschmutzt, dies weil es entweder schon früher geschah oder toxische Materialien illegal deponiert wurden. Aber auch gebilligte Abfälle können das Meer erheblich gefährden.

Chemikalien gelangen nicht nur absichtlich im Meer, sondern auch versehentlich bei der Herstellung, dem Gebrauch und der Entsorgung von Gütern. Auch durch Lecke und Brände an Frachtschiffen können solche Substanzen ins Meer gelangen und sich dort über weite Distanzen verteilen. Früher hat man angenommen, dass die Ozeane gross genug sind, um Unmengen Chemikalien so fest zu verdünnen, dass sie nicht mehr gefährlich sind. Die giftigen Stoffe sind aber nicht verschwunden, sondern gelangen teils konzentriert via Nahrungskette wieder zum Menschen zurück.

So können Meerestiere am Ende der Nahrungskette das Millionenfache an toxischen Stoffen gegenüber ihrer Umwelt enthalten. Eisbären, die sich hauptsächlich von Robben ernähren, enthalten bis zu drei Milliarden mehr Giftstoffe als das Meer um sie herum. Inzwischen häufen sich die Anzeichen, dass diese Giftstoffe bei Mensch und Tier ernsthafte Gesundheitsprobleme wie Krebs, Beschädigung des Immunsystems, Verhaltensprobleme und reduzierte Fruchtbarkeit auslösen können.