Drohende Stromlücke: Ist die Schweiz wirklich gefährdet?

Droht der Schweiz tatsächlich eine Stromlücke? Oder ist die Behauptung nur Angstmacherei? Mehr zu den Fakten der Schweizer Stromversorgung erfahren Sie hier.

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Eine Lücke in der Stromversorgung der Schweiz ist nicht realistisch.

Droht der Schweiz in Zukunft wirklich eine Lücke in der Stromversorgung?

Ist die drohende «Stromlücke» eine Denklücke? Das zumindest behauptet die Schweizerische Energie Stiftung seit mehreren Jahren. Und weiter heisst es in einem Tagungsdosier aus dem Jahr 2007: Die drohende Strom-Knappheit wurde in der Werbeabteilung der Atomlobby erfunden, und soll uns gefügig machen für die Fortsetzung einer verfehlten Strompolitik. Die Schweizerische Energie Stiftung ist demgegenüber klar der Auffassung, dass für eine zukunftsfähige und sichere Stromversorgung nicht auf neue Gas- und Atomkraftwerke, sondern auf Effizienz und erneuerbare Energien gesetzt werden muss.

Bereits zum dritten Mal sieht sich die Schweizer Bevölkerung mit der sogenannten Stromlücke konfrontiert. Wie heute, ging es auch in den 1970er- und 1980er-Jahren immer um den Bau von neuen Atomkraftwerken.

Im Jahre 1987 schrieb der Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) in einem Bericht: «Die Stromlücke erreicht bis zum Winterhalbjahr 2004/05 ein Ausmass von 4,3 Milliarden Kilowattstunden. Ohne Inbetriebnahme des Kernkraftwerks Kaiseraugst wird die Lücke sogar 7,2 Milliarden Kilowattstunden betragen.» Die Realität hat sich anders entwickelt: Kaiseraugst wurde nicht gebaut und niemand musste im Winter 2004/2005 kalten Kaffee trinken.

Die Atomlobby sieht das natürlich anders. Im vergangenen Jahr präsentierte das Unternehmen Axpo eine Studie, aus der hervorgeht, dass sich die Stromlücke weiter verschärfen werde. Gründe sind die CO2-Problematik, die den Bau von Gas-Kombikraftwerken als Alternative nicht für sinnvoll erachtet, nötige Kompensation des Stromes durch Importe aus Frankreich und der Widerstand gegen den Bau von neuen erneuerbaren Energiekraftwerken. Ergo: nur durch den Bau weiterer Atomkraftwerke lasse sich die Stromlücke schliessen.

Der VSE argumentiert, dass allen Alternativenergien wie Kleinwasserkraft, Windkraft, Biomasse, Solarenergie und Geothermie Grenzen in der Schweiz gesetzt seien. Die Wasserkraft kann aufgrund gesetzlicher Auflagen nur begrenzt weiter ausgebaut werden, die Geothermie steht am Anfang ihrer Entwicklung und weder scheint die Sonne noch weht der Wind regelmässig.

Jürg Buri, Geschäftsführer der Schweizerischen Energie-Stiftung, sagt: «Dass in zehn Jahren eine Stromlücke droht, ist Angstmacherei.» Es gebe Alternativen zu neuen AKW, wie selbst Studien des Bundes zeigten. «Dabei geht es vor allem darum, die einheimischen Potenziale an erneuerbaren Energien auszuschöpfen und den Verbrauch zu reduzieren.» Somit besteht ein Sparpotenzial von 30 Prozent.

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Quelle: die-energie-bin-ich.ch