«Nur gemeinsam können wir das Klima noch retten»

Untersuchungen bestätigen, dass sich Klimaveränderungen zuerst in den Entwicklungsländern zeigen. Ist der Klimawandel für viele Länder daher noch zu weit weg?

Ja, das ist ein Teil des Problems. Für viele der Industrie- und Schwellenländer, die am meisten CO2 produzieren, sind die Veränderungen des Klimas noch nicht oder nur geringfügig zu spüren. Der Klimawandel ist damit sowohl zeitlich als auch geographisch zu weit entfernt, um ein direktes Handeln zu bewirken.

Haben die bisher stärker betroffenen Entwicklungsländer auch schlichtweg zu wenig Druckmittel, um die CO2-Minderung der grossen Industriestaaten und Schwellenländer einzufordern?

Viele der Industrie- und Schwellenländer verfolgen vorrangig andere, für sie wichtigere Interessen als die internationale Klimapolitik. Deshalb war die Entscheidung aller Staaten in Durban für eine globale Klimapolitik ein sehr respektables Resultat.

Durch den frühzeitigen Ausstieg aus dem Kyoto-Protokoll verhindert Kanada, ins Hintertreffen zu geraten, weil es die vereinbarte CO2-Reduktion bis 2012 nicht mehr schaffen kann. Wie viel Wert hat überhaupt eine solche Vereinbarung, wenn ein Ausstieg so ohne Weiteres möglich ist?

Am Beispiel Kanadas zeigt sich, dass in zukünftigen Verträgen keine Hintertüren mehr offen gelassen werden sollten. Eine globale Klimapolitik auf Kurs zu bringen, ist eine der grössten politischen Herausforderungen, die wir je hatten. Es ist ein langsamer Lernprozess, aber wir lernen immer weiter dazu.

Gibt es denn überhaupt Mittel, um die grossen Klimasünder wie die USA und China zu einem Umdenken zu bewegen?

Ja, wenn alle Länder sich zusammenschliessen, baut das für die aussen stehenden Länder Druck auf. Wenn einzelne Staaten als isoliert gelten, weil sie nicht an den gemeinsamen Klimazielen beteiligt sind, werden sie eher als bisher dazu bereit sein, aktiv zu werden.

Muss es zukünftig auch ergänzende oder andere Modelle als die UN-Klimakonferenz geben, um die Klimapolitik schneller voranzubringen?

Es steht bereits fest, dass es zusätzliche Gremien wie zum Beispiel das Board des Green Climate Funds geben wird, um die Klimapolitik in die Praxis umzusetzen. Globale und strategische Vereinbarungen werden allerdings immer noch am besten bei den UN-Klimakonferenzen getroffen werden.

Text und Interview: Bianca Sellnow im Dezember 2011