«Eine globale Klimapolitik gehört zu unseren schwierigsten Aufgaben»

Professor Lucas Bretschger verfolgte als Mitglied der Schweizer Delegation die UN-Klimakonferenz in Durban. Im Interview mit nachhaltigleben.ch spricht er über die Erfolge und Rückschläge des Klimagipfels, sowie über die Vorreiterrolle der Schweiz in der internationalen Klimapolitik.

Prof. Bretschger spricht mit nachhaltigleben über die UN-Klimakonferenz.
Prof. Lucas Bretschger war Mitglied der Schweizer Delegation beim Klimagipfel in Durban. Foto: privat
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Die UN-Klimakonferenz in Durban brachte zwar die Einigung auf eine Verlängerung des Kyoto-Protokolls hervor, genaue Klimaziele wurden aber noch nicht vereinbart. Sind Sie enttäuscht von dem Endergebnis?

Nein. Die Ergebnisse der Klimakonferenz waren befriedigend. Die Alternative wäre letztlich der völlige Abbruch der international koordinierten Politik gewesen. Stattdessen haben jetzt alle Länder eingewilligt, bis spätestens 2015 ein globales Abkommen zur Emissionsvermeidung auszuhandeln und die ärmeren Länder in der Anpassung an den Klimawandel finanziell zu unterstützen.

Werden die Ergebnisse der Klimakonferenz Auswirkungen auf die Klimapolitik der Schweiz haben?

Die Schweiz wird ihre Ziele weiter verfolgen können. An den Verhandlungen in Durban ist die EU, zusammen mit Norwegen und der Schweiz, hart geblieben, was die Verlängerung des Kyoto-Protokolls anging: eine zweite Kyoto-Periode wurde von konkreten Zugeständnissen der grossen Emittenten abhängig gemacht.

Die Schweiz und die EU haben sich selbst hohe Ziele gesetzt mit einer CO2-Minderung um mindestens 20 Prozent bis 2020. Aber was nützen diese Anstrengungen, wenn viele andere Länder nicht mitziehen?

Die Schweiz hat sich mit der EU ein ambitioniertes Ziel gesetzt, aber ein realistisches. Dadurch können wir eine Vorbildfunktion einnehmen für alle bisher zurückhaltenden Staaten und ein positives Signal für die kommenden Verhandlungen setzen. Ausserdem sollten wir jetzt beweisen, dass eine wachsende Wirtschaft und CO2-Minderung sich nicht ausschliessen müssen. Die aktive Rolle der Schweiz in der Klimapolitik und an den Klimaverhandlungen fördert zudem das internationale Ansehen und die globale Einbindung unseres Landes, das in anderen Sachfragen wie beispielsweise der Steuerpolitik auf vermehrte Unterstützung angewiesen ist.

Kanada ist frühzeitig aus dem Kyoto-Protokoll ausgestiegen, die USA nehmen generell nicht teil. Warum verweigern viele Länder, sich an einem verbindlichen Klimaziel zu beteiligen?

Oft haben Staaten bisher eine aktive Beteiligung an der Klimapolitik abgelehnt, weil nicht auch alle anderen Länder darin eingebunden sind. Mit dem Abkommen von Durban wurde nichts weniger als die Überwindung der Zweiteilung der Länder in Eingebundene und Nicht-Eingebundene erreicht. Alle Länder müssen sich in Zukunft gemäss ihren Emissionen, Möglichkeiten und Verpflichtungen an den festgelegten Klimazielen beteiligen, was bisher nicht der Fall war.

Im ETH-Klimablog schreiben Sie, dass es für viele Länder einfacher ist, sich über Anpassungen an den kommenden Klimawandel zu einigen als über die Minderung ihres CO2-Ausstosses. Warum ist das so?

Die Einigung über Anpassungen an den kommenden Klimawandel ermöglicht eine Aufschiebung des Handlungsbedarfs. Zudem weiss man nicht mit Sicherheit, wie gross die Schäden ausfallen werden. Einige, mehrheitlich reiche Länder werden viel weniger betroffen sein als andere. Daher bleibt es bisher weitgehend offen, welches Land wie viel für die Anpassungen leisten müsste. Oft wird auch angenommen, dass die CO2-Minderung generell finanziell aufwendiger wäre als die spätere Anpassung an die Folgen des Klimawandels. Gerade mit dem Risiko von grossen Schäden in der Zukunft ist diese Annahme allerdings unrichtig.