«Wir müssen die gesamte Energieversorgung der Welt umbauen»

Die Vorzeichen für die Verhandlungen in Katar 2012 stehen aufgrund der vielen Ausreisser nicht gut. Gibt es trotzdem Hoffnung mit der kommenden Klimakonferenz das Ruder herumzureissen?

Ja, das ist ein Teil des Problems. Für viele der Industrie- und Schwellenländer, die am meisten CO2 produzieren, sind die Veränderungen des Klimas noch nicht oder nur geringfügig zu spüren. Der Klimawandel ist damit sowohl zeitlich als auch geographisch zu weit entfernt, um ein direktes Handeln zu bewirken.

Wie könnte in Zukunft mehr Druck auf Staaten ausgeübt werden, die sich nicht freiwillig stärker im Klimaschutz engagieren?

Druck auf die grossen Länder auszuüben ist kaum möglich. Es könnten zwar zum Beispiel Zölle erhoben werden auf Produkte, die einen hohen CO2-Ausstoss verursachen. Zum Klimaschutz zwingen, lässt sich aber letztlich kein Land. Darum ist das Kyoto-Protokoll so wichtig. Es ist ein grosses Pilotprojekt und zeigt, dass eine globale Klimapolitik möglich ist. Das macht Hoffnung auf weitere, freiwillige Aktionen.

Die Schweiz hat gemeinsam mit der EU eine Reduktion der Treibhausgase um 20 Prozent bis 2020 vereinbart. Kann das als Vorbild-Funktion bei den nächsten Verhandlungen helfen?

Es wäre schön, wenn das als Vorbild für andere Länder dienen könnte. Wir Industriestaaten haben bei der CO2-Minderung eine Bringschuld, der wir nachkommen müssen. Deshalb ist es auch skandalös, dass sich die USA als grosser CO2-Emittent so wenig für den Klimaschutz engagieren.

Derzeit sieht es für die Schweiz allerdings nicht so aus, als würde sie das angestrebte Ziel von 20 Prozent CO2-Minderung ohne Weiteres erreichen können.

Das Ziel der Schweiz ist erstmal, die erste Phase des Kyoto-Protokolls bis 2012 zu erfüllen und das wird sie ganz sicher schaffen. Zwar müssen dafür teilweise CO2-Zertifikate eingekauft werden, aber wir sind im Prinzip auf dem richtigen Weg. Auf die weitergehenden Ziele wird erst danach geschaut. Sicher ist, dass sich schon viel getan hat, zum Beispiel in Bezug auf erneuerbare Energien. Es gibt aber auch Bereiche, in denen sich noch Einiges verbessern muss, wie in der Mobilität.

Ist trotz der Schwierigkeiten auch die globale Klimapolitik schon auf Kurs oder wird sich in Zukunft grundsätzlich etwas ändern müssen, um wirkliche Ergebnisse zu erhalten?

Für die EU und die Schweiz stimmt die Richtung bereits. Bei vielen anderen Staaten ist das bisher leider noch nicht der Fall. Da müsste noch wesentlich mehr bewegt werden für den Klimaschutz.

Text und Interview: Bianca Sellnow