«Auf globale Lösungen zu warten, ist verlorene Zeit»

Für welche persönliche Öko-Sünde schämen Sie sich am meisten? Und warum begehen sie diese trotzdem?

Ich esse Fleisch und wohne in einem schönen alten Einfamilienhaus. Nach den CO2-Rechnern sind das meine grössten «Sünden». Das ist für mich aber Lebensqualität, auf die ich nicht ohne Not verzichten möchte. Um die «Sünde» abzubauen, achte ich jedoch auf Menge und Herkunft des Fleisches sowie auf einen optimierten Energieverbrauch.

Wenn Sie für eine nachhaltigere Gesellschaft etwas aus Ihrem Alltag aufgeben müssten, was wäre das und weshalb?

Ich könnte auch ohne mein Auto auskommen, da ich es sowieso kaum brauche.

Was für ein nachhaltiges Produkt oder welche nachhaltige Dienstleistung würden Sie sich wünschen?

Modulare Computer, die einfach nachgerüstet und auf den aktuellen Stand der technischen Anforderungen gebracht werden können. Als nachhaltige Dienstleistung gefällt mir die Idee der Tauschbörsen.

Eine globale Klimapolitik wird als Voraussetzung für eine nachhaltige Gesellschaft gesehen. Aber kann man sich bei den eher schleppenden Fortschritten überhaupt noch auf die Politik verlassen?

Es braucht die permanente und konsequente politische Arbeit durchaus. Dennoch ist ein Warten auf eine globale Lösung verlorene Zeit. Vielmehr sollte da individuell gehandelt werden, wo es sich heute schon lohnt. Dabei sind allerdings Grenzen zu beachten: Es nützt nichts, im eigenen Land ökologisch gut dazustehen, indem man die Industrie nach China auslagert.

Wenn ja, welcher wäre ihr dringendster Wunsch an die Politik im Bereich der Nachhaltigkeit?

Dass Nachhaltigkeit nicht als Mauerblümchen separat behandelt wird, sondern in allen anderen Rechtsbereichen Eingang findet. Beispielsweise sollten bei den Steuern Autofahrten nicht belohnt und Wassernutzung oder Abfallerzeugung nicht pauschal, sondern nach Menge verrechnet werden. Aber auch Subventionen und strenge Vorschriften können negative Wirkungen auf Umwelt und Arbeitsplätze haben und müssen entsprechend geprüft werden.  

Was planen Sie persönlich in den nächsten zwei Jahren, um eine nachhaltige Entwicklung zu unterstützen?

Weiterhin mit der Energie-Agentur der Wirtschaft und ihren 50 Beratern einen guten Job zu machen und in der Schweiz innovative Unternehmen in der Energieeffizienz zu unterstützen. Das wollen wir weiterhin mit individuellen Massnahmen erreichen, welche die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Unternehmen verbessern und nicht mit unpersönlichen und unflexiblen Regelungen.

Nachhaltige Lösungen haben oft ästhetische Beeinträchtigungen zur Folge, wie zum Beispiel Solarzellen im historischen Stadtbild. Wo sollte man die Grenze ziehen?

Das muss die Politik mit dem Volk aushandeln. Wichtig ist dabei, dass auch wirklich Kompromisse eingegangen werden. Es geht einfach nicht auf, dass der Atomausstieg verlangt wird, sich gleichzeitig aber alle gegen jedes neue Wasserkraftwerk oder Windrad wehren.

Interview: Sabrina Stallone - Februar 2012