Klimagipfel in Doha: Wir dürfen nicht zu viel erwarten

Am Montag startete die UNO-Klimakonferenz in Doha, Katar. Nach den enttäuschenden Ergebnissen der letzten Jahre erklärten viele die Verhandlungen bereits vor dem Beginn als gescheitert. Kann der Klimagipfel wirklich so wenig bewegen? Thomas Bernauer, Professor für Politikwissenschaft an der ETH Zürich, erklärt, wo die Probleme liegen und weshalb die Klimakonferenz dennoch positive Auswirkungen haben kann.

Klimagipfel in Doha
Die Klimakonferenz findet statt in Katars Hauptstadt Doha. Foto: © iStockphoto / Thinkstock
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Die Eröffnung der 18. Weltklimakonferenz begann mit Warnungen vor den Folgen des drohenden Klimawandels. Und das nicht ganz zu Unrecht. Der jährlich stattfindende Klimagipfel konnte in den letzten Jahren nur schwache Fortschritte verzeichnen.

Das Ziel einer gemeinsamen internationalen Vereinbarung zur Reduzierung des CO2-Ausstosses scheint weit entfernt und das gemeinsam vereinbarte 2-Grad-Ziel zu erreichen wird immer unwahrscheinlicher. «Die Ambitionen der Länder sind erschreckend tief und laufen auf eine 3,5 bis 6 Grad wärmere Welt hinaus», heisst es bei der in Doha anwesenden Klimaallianz Schweiz. Auch Experten wie Professor Thomas Bernauer von der ETH Zürich sehen nur noch geringe Chancen für das 2-Grad-Ziel, wenn die Verhandlungen nicht viel schneller vorangehen. «Das Problem ist, dass die Umstände eher noch schwieriger geworden sind.» Die seit 2008 anhaltende Wirtschaftskrise sei einer der Faktoren, die ein Engagement für den internationalen Klimaschutz in vielen Ländern stocken lasse.

Laut Thomas Bernauer müsste es dennoch dringend Fortschritte geben in Doha: «Das Mindeste wäre, dass man sich auf einen Verhandlungsfahrplan einigen kann». Durch diesen solle gewährleistet werden, dass bis 2015 ein verbindlicher Vertrag zur Einschränkung der Treibhausgase abgeschlossen wird, der dann 2020 in Kraft treten könne. Ob die Konferenz das aber wirklich erreicht, da ist Bernauer unsicher.

Dabei war der Klimawandel doch etwa gerade bei einem der grössten und wenig engagierten Emittenten, den USA, mindestens am Rande zu einem politischen Wahlkampfthema geworden. Auf die Frage, ob die Schäden von Hurricane Sandy der internationalen Klimapolitik nicht vielleicht einen Schub versetzen könnten, verneint Bernauer. Seit Beginn der Wirtschaftskrise habe der Klimaschutz in der amerikanischen Öffentlichkeit viel eingebüsst. «Kurzfristige positive Effekte wie durch Hurricane Sandy spielen da keine Rolle.»

Ebenso wie an einer stärkeren Beteiligung der bisher zurückhaltenden Industriestaaten zweifelt Bernauer daran, dass die Entwicklungsländer sich bald einmal zur CO2-Reduktion verpflichten werden. Sie befürchteten noch immer, dass Massnahmen zum Klimaschutz auf Kosten der Gelder gehen, die ihnen für die Entwicklungshilfe zur Verfügung gestellt werden. Da sei die Verteilung der Finanzierung noch nicht gut genug von einander abgegrenzt. «Solange das nicht geklärt ist, werden die Entwicklungsländer vermutlich keine eigenen Reduktionsverpflichtungen eingehen», erklärt er.

Doch Bernauer macht auch Hoffnung für den Klimagipfel in Doha. Dafür müssten wir allerdings unsere Erwartungen an die Konferenz relativieren. «Wir wirtschaften seit der industriellen Revolution mit einer bestimmten Form der Energiegewinnung und die müssen wir fundamental umbauen.» Da könnten wir nicht erwarten, dass dies innerhalb von ein paar Jahren geschehe. Der Klimaschutz ginge darum derzeit zwar langsamer voran als die Klimawissenschaft das für nötig halte und vielleicht auch schleichender als wir uns das wünschten. Aber es gebe trotzdem positive Entwicklungen. «Wichtig ist, dass mindestens in Westeuropa die Dynamik Richtung Klimaschutz trotz Krise weiterhin stark geblieben ist». Das sei eine durchaus gute Nachricht. Dementsprechend verhalten positiv ist auch Bernauers Prognose für Doha: «Das beste, das herauskommen könnte in Katar ist eine klare Deklaration, was man bis 2015 anstrebt für den neuen Klimavertrag». Und diese Ziele festzulegen wäre sicher ein positives Signal für die weiteren Verhandlungen.

Text: Bianca Sellnow

Klimakonferenz in Doha

Thomas Bernauer ist Professor für Politikwissenschaft an der ETH-Zürich. In der Forschung und Lehre befasst er sich mit Fragen der internationalen Umwelt- und Wirtschaftspolitik. Er ist der Autor oder Koautor von zehn Büchern, über 70 Beiträgen in Fachzeitschriften oder wissenschaftlichen Büchern sowie anderen Publikationen.