Möglichkeiten zur Förderung einer nachhaltigen Gesellschaft

Was müsste sich in der Politik ändern, damit die nachhaltige Entwicklung stärker vorangetrieben werden kann?

Zunächst müsste es eine Aufklärung über die Schwächung des Staates geben. Weiterhin bedarf es mehr internationaler Zusammenarbeit zwischen den Ländern. Das heisst, es muss wesentlich enger international kooperiert werden, um die derzeit bestehenden Steueroasen zu beseitigen. Dadurch wird die Wirtschaft der einzelnen Staaten gestärkt. Dazu sollte möglichst eine harmonisierte, langsame Wiederanhebung der Steuerlast kommen, so dass der Staat wieder seinen genuinen Aufgaben nachkommen kann. Das kann er nämlich in der heutigen Situation nicht mehr. Die Stärkung des Staates ist massiv im Interesse der Öffentlichkeit, insbesondere natürlich der Armen in der Bevölkerung. Dabei sollte man allerdings nicht einen starken mit einem bürokratischen Staat verwechseln. Ich will einen sehr einfachen, unbürokratischen Staat, der nicht ins Wohnzimmer hineinregiert. Allerdings sollte er die grossen Rahmenbedingungen so vorgeben, dass man in der Wirtschaft nur floriert, wenn es dem öffentlichen Nutzen nicht schadet.

Welche Rolle spielen für Sie Konsumenten beziehungsweise aufgeklärte Bürger im Hinblick auf das Erreichen einer nachhaltigen Gesellschaft?

Der einzelne Konsument hat immer noch sehr viele Spielräume. Die Art, wie man sich ernährt, wie man Ferien gestaltet, wie man wohnt, auch wo man wohnt, ganz weit weg vom Arbeitsplatz oder ganz nah dran. Das ist im Wesentlichen eine individuelle Entscheidung. Praktisch jede dieser Entscheidungen hat eine Umweltrelevanz. Sehr nützlich ist, wenn man sich persönlich den Carbon Footprint kalkulieren lässt. Dabei kann man sich mitteilen lassen, was für Schritte im täglichen Leben man machen muss, um diesen Fussabdruck, und damit den eigenen CO2-Ausstoss, zu verkleinern.

Eine Ihrer zentralen Thesen ist, dass die Gesellschaft ihre Genügsamkeit wiederentdecken müsse. Wie kann dem einzelnen Konsumenten diese Tugend vermittelt werden?

Genügsamkeit findet keine Resonanz, solange es ungerecht zugeht auf der Welt. Wenn man als armer Mensch in der Bevölkerung die Forderung nach Suffizienz von den Reichen hört, wird man zornig. Wenn es dagegen einigermassen gerecht zugeht, und auch das bedeutet natürlich wieder ein entsprechendes Steuersystem, dann hat der Appell an Genügsamkeit psychologisch eine sehr gute Chance. Denn jede Familie denkt auch an die folgenden Generationen. Als Instrument dafür, die Genügsamkeit plausibel zu machen, ist demnach die ökologische Steuerreform wiederum die beste Möglichkeit. Wenn nämlich der Verbrauch naturrelevanter Grössen wie Energie und Wasser teurer wird, dann wird Genügsamkeit in Bezug auf diese Bereiche eine ökonomische Selbstverständlichkeit.

Woran liegt es, dass wir bis heute so wenig Fortschritte erzielt haben?

In den letzten 30 Jahren seit Ronald Reagan, seit dem Beginn des neo-konservativen Zeitgeistes, waren Profite immer wichtiger als die Umwelt. Das hat dazu geführt, dass Umweltpolitik keine Fortschritte machen konnte, oder nur in ganz wenigen Ausnahmefällen. Funktioniert hat das zum Beispiel beim Waldsterben und bei lokalen Verschmutzungen. Die globalen Umweltprobleme haben sich jedoch dramatisch verschärft und werden durch diesen Zeitgeist immer noch angeheizt und legitimiert.

Und was ist Ihnen für Ihre persönliche Nachhaltigkeit am wichtigsten?

Ich bin leider ein ganz schlechtes Vorbild, weil ich als Co-Präsident des internationalen Ressourcenpanels viel zu oft nach China, Amerika oder Afrika reisen muss. Insofern darf ich nicht mit der Mobilität anfangen. Aber wir haben ein Minergie-Haus gebaut und wir haben im Normalfall ökologische Lebensmittel mit relativ geringer Naturbelastung. Die Sommerferien verbringe ich ausserdem meist an einem nahegelegenen See in Österreich. Generell versuchen wir also im Alltag, so weit wie möglich naturschonend zu leben.

Interview: Bianca Sellnow