Wie sich unser Ökosystem durch die Erderwärmung verändert

Wenn es wärmer wird, ziehen sich Menschen dünner an, schützen sich mit Sunblocker oder kühlen sich ab – doch was machen Pflanzen und Tiere? Das ausgeklügelte Ökosystem gerät durch die globale Erderwärmung aus den Fugen. Wer überleben möchte, muss sich an die neuen Gegebenheiten anpassen.

Die globale Erwärmung hat Einfluss auf das Öko-System.
Die Globale Erwärmung nimmt Einfluss auf den Lebensraum von Tieren und Pflanzen. Foto: © Domenico Pellegriti / iStock / Thinkstock
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Chamäleons gelten als Meister der Tarnung und Anpassung an ihre Umgebung. Doch auch ihnen wird langsam der Boden unter den Füssen zu heiß. Einige Chamäleonarten finden sich wegen der globalen Erderwärmung auf der roten Liste wieder. Die steigenden Temperaturen bedeuten für Pflanzen und Tiere, dass sich Lebensraum und Nahrungsquellen wandeln. Dann kommen wohl aufeinander abgestimmte Abläufe und Wechselbeziehungen im Ökosystem durcheinander. Wer sich  nicht daran anpassen kann, wird früher oder später aussterben.

Ein Ökosystem funktioniert wie ein Uhrwerk, bei dem alle Zahnräder ineinandergreifen. Kommt ein  Bauteil aus dem Takt, dann hakt es im System. Das rührt daher, dass der Lebensraum, die Lebewesen und die unbelebten Elemente, wie Niederschlag, in enger Wechselwirkung stehen. So kann beispielsweise ein Räuber selten ohne das entsprechende Beutetier überleben. Dennoch können sich Ökosysteme anpassen, was jedoch eine längere Zeit dauert.

Ökosystem Wald

Kakteen in kargen Wüsten, feuchtigkeitsliebende Fichten im Wald: Pflanzen sind an die klimatischen Umweltbedingungen angepasst. Dabei sind Temperatur und Trockenheit entscheidend, worauf Pflanzen direkt reagieren. Ihre Lebensräume verschieben sich wegen der globalen Erderwärmung in den Norden oder in höhere Gebirgslagen. Damit kann ein gesunder Wald umgehen, indem sich das Ökosystem selber hilft – «tatkräftig» unterstützt von einer reichen Artenvielfalt. Je mehr unterschiedliche Baumarten wachsen, desto besser werden diese mit wechselnden Bedingungen fertig. Doch das Ökosystem Wald kann sich nur langsam und langfristig ändern. Wenn sich die Erde bis 2100 jedoch um mehr als zwei Grad erwärmen sollte, wären die Wälder extrem starker Trockenheit, Waldbränden, Stürmen und Schädlingsepidimien fast «wehrlos» ausgesetzt.

Baum ist nicht gleich Baum im Ökosystem Wald

Es gibt Baumarten, die Trockenheit und Wärme tolerieren. Dazu gehört die Eiche. In Mischwäldern wachsen auch Fichten, die jedoch nur auf feuchtem Boden gedeihen. Diese Baumart wird wahrscheinlich durch die künftige Trockenheit verdrängt und kann schlimmstenfalls aussterben. Erste Folgen zeigten sich nach der Rekordhitze in 2003. Im Jahr darauf wuchsen die Fichten nur leicht belaubt und starben teilweise ab. Da Pflanzen in niederschlagsarmer Zeit geschwächt sind, haben besonders Schädlinge leichtes Spiel. So litten die Fichten zusätzlich unter einer Borkenkäferplage. Die Eichen wuchsen hingegen besser als je zuvor. Bäume wachsen im Gegensatz zu ein- oder zweijährigen Pflanzen langsam. Daher können sich diese nicht so schnell auf neue Umweltsituationen einstellen. Insbesondere exotische und wärmeliebende Gewächse profitieren von der globalen Erderwärmung. So wandern Bäume, Sträucher, Kräuter, Gräser, Moose, Stauden und Blumen in neue Lebensräume ein, wobei sie oftmals angestammte Pflanzen verdrängen. Demzufolge befürchtet man, dass sich die Artenvielfalt mit steigenden Temperaturen stark minimiert. 

Ökosystem Meer

Ozeane stabilisieren das Weltklima, sind Kohlendioxidfallen, produzieren Sauerstoff und sind Lebensraum für viele Meerestiere. Doch Umweltverschmutzung, Überfischung und Versauerung belasten seit längerem die Meere. Künftig kommt noch die Erderwärmung hinzu, worauf das Ökosystem vergleichsweise empfindlich reagiert. Eine Studie des Geologischen Instituts der ETH Zürich belegt, dass sich die Temperatur während der Eiszeit um zwei Grad erhöhte. Das liess den Sauerstoffgehalt im Wasser drastisch sinken und das marine Ökosystem geriet aus den Fugen. Bereits heute registriert man sauerstoffarme Zonen im nordwestlichen Pazifik. Diese „Todeszonen“ könnten sich aufgrund der Erderwärmung ausbreiten.