Energiewende bräuchte neues Super-Stromnetz

Ein tatsächlicher Ausstieg aus der Atom-Energie ist mit dem heute bestehenden Stromnetz kaum möglich. Damit eine Versorgung rein aus erneuerbaren Energien in Europa möglich wäre, müsste erst noch ein verlustarmes Stromnetz aus Hochspannungsleitungen gebaut werden.

Ein effizienteres Strom-Netz muss her, um die Versorgung rein aus erneuerbaren Energien zu realisieren.
Für die Stromversorgung rein mit erneuerbaren Energien bräuchte Europa ein neues Stromnetz. Foto: Zoonar RF / Thinkstockphotos
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«Die EU hat das Ziel den gesamten Stromverbrauch bis 2050 aus erneuerbaren Quellen zu decken. Die Herausforderung lautet: Dezentrale erneuerbare Energiegewinnung, wie Windstrom an der Nordsee über weite Strecken zu den Ballungszentren des Energie-Verbrauchs zu transportieren», wie Thomas Bundschuh in «Die Energie bin ich!», dem Ökoenergie-Blog für Basel, schreibt.

Energie mit Kabeln über weite Strecken zu transportieren ist mit den derzeit genutzten Leitungen jedoch uneffizient. Während der Wechselstrom vom Kraftwerk oder Windrad aus durch die Kabel fliesst, kostet das Leistung. Diese so genannte Blindleistung führt dazu, dass bereits nach ungefähr 200 Kilometern Wegstrecke kaum noch etwas von dem ursprünglich losgeschickten Strom ankommt.

Damit also Energie tatsächlich über solch lange Strecken effizient transportiert werden kann, bedarf es eines komplett neuen Stromnetzes. Eine bereits bestehende Idee, wie dieses Netz funktionieren könnte, nennt sich «Supergrid». Dabei handelt es sich um ein Stromnetz zur Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ), welches innerhalb der nächsten 10 Jahre gebaut werden müsste, um die bisherigen Leitungen zum Transport von Wechselstrom zu ersetzen.

Der Trick dabei ist: «In speziellen und sehr teuren Konverterhallen wird der Wechselstrom in Gleichstrom umgewandelt, über das «Supergrid» Richtung Ballungszentren geschickt und bei Ankunft wieder in einer Konverterstation Wechselstrom daraus gemacht», wie Bundschuh weiter schreibt. Das «Supergrid» ist durch einige Probleme bisher allerdings nicht realistisch durchführbar. Zum einen ist die Spannung der Stromleitungen in einer Entfernung bis auf vier Meter unter Umständen lebensgefährlich für Menschen. Zum anderen würde eine Station zur Konvertierung des Stroms rund 200.000 Quadratmeter Fläche einnehmen. Sobald die Anlage in Betrieb genommen wäre, würde das Betreten zudem Lebensgefahr bedeuten. Ein weiteres, nicht unerhebliches Problem, ist die Finanzierung des neuen Stromnetzes. Die Kosten für den Bau des «Supergrid» wird auf einen Betrag im zweistelligen Milliarden-Bereich Schweizer Franken geschätzt.

Wird das «Supergrid» trotz der Probleme irgendwann gebaut, könnte dies allerdings Vorteile für die Schweiz bedeuten. Denn der erzeugte und über das Supernetz gelieferte Strom für Europa ist nicht immer gleich dem zur selben Zeit getätigten Verbrauch. Deshalb wäre zu bestimmten Zeiten ein Überschuss an Energie vorhanden, während es zu anderen Zeit an Strom fehlen würde. «Nun kommen die Pumpspeicherkraftwerke der Schweiz ins Spiel. Bei zu viel Strom im Netz werden diese mit Wasser gefüllt. Bei zu wenig Strom im Netz lässt man das Wasser zu Tal laufen und produziert den fehlenden Strom», erklärt Bundschuh.

Weitere Informationen zum «Supergrid» finden Sie auf www.die-energie-bin-ich.ch, dem Ökoenergie-Blog für Basel.

Quelle: www.die-energie-bin-ich.ch