Energiewende in Europa: Stromspeicher müssen ausgebaut werden

Für die europaweite Versorgung mit erneuerbaren Energien braucht es mehr Stromspeicher als bisher. Die Schweiz bietet für den Ausbau solcher Speicher die besten Voraussetzungen und könnte so in der zukünftigen Energieversorgung zur «Strombatterie» Europas werden.

Für die Energiewende sind die Ausbau der Stromspeicher wichtig
Die Staumauer Oberaar gehört zum grössten Gebiet von Stromspeichern der Schweiz am Grimselpass. Bild: KWO / Foto: Robert Bösch
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Während etwa Atomkraftwerke konstant gleich viel Energie liefern, kann die Stromproduktion bei alternativen Energiequellen stark schwanken. Gerade Wind- und Sonnenenergie sind besonders von den herrschenden Wetterbedingungen abhängig. So kann es vorkommen, dass bei starkem, dauerhaften Wind oder Sonnenschein ein Überschuss an Energie produziert wird. Dafür fliesst jedoch bei ungünstigen Wetterbedingungen unter Umständen zu wenig Strom in das Netz.

Um solche Schwankungen auszugleichen, müssen Speicher während einer erhöhten Stromproduktion die überschüssige Energie aufnehmen und bei schlechten Wetterbedingungen wieder an das Netz abgeben. Einige solcher Stromspeicher gibt es bereits. Die meisten davon sind so genannte Pumpspeicherkraftwerke. Diese Kraftwerke nutzen natürliche oder künstlich angelegte Seen, um flexibel Energie aufzunehmen und bei Bedarf wieder abgeben zu können. Sie werden besonders häufig verwendet, weil sie besonders effizient und mit wenig Energieverlust arbeiten.

Der Schweiz kommt diese Art des Stromspeichers entgegen. Denn die einzigartige Beschaffenheit der Landschaft eignet sich besonders gut für Pumpspeicherkraftwerke. Das verbunden mit der zentralen Lage macht die Schweiz zum idealen Knotenpunkt für die zukünftige europäische Energieversorgung.

Die Schweiz als Strombatterie Europas

Das System der Pumpspeicherkraftwerke wird bereits in Teilen der Schweiz erfolgreich genutzt, wie etwa in der Region Basel. Die IWB (Industrielle Werke Basel) können zum Beispiel insgesamt schon 434 GWh Strom speichern und wieder abgeben. So etwa mit Hilfe von Kraftwerken am Grimselsee, an dem der Basler Energiedienstleister beteiligt ist. Seit 1932 unterstützen die Pumpspeicherkraftwerke dort bereits die Stromversorgung der Region. Nimmt in Europa künftig die Energieproduktion durch Sonnen- und Windstrom zu, können die Kraftwerke aber auch zur Speicherung von Energie aus dem umliegenden Ausland mit genutzt werden.

Doch die Verwendung bestehender Speicherkapazitäten reicht nicht aus, um die Schweiz zur «Strombatterie» Europas zu machen. Die Stromspeicher müssen auch weiter ausgebaut werden. Damit sie eine bedeutende Rolle bei der Versorgung mit erneuerbaren Energien in Europa einnehmen kann, muss die Schweiz ausserdem auf neue Technologien zur Stromspeicherung setzen.

Power-to-Gas: Stromspeicher der Zukunft

Mit vorhandenen Speicherkraftwerken alleine schafft die Schweiz es nicht, die Anforderungen einer «Strombatterie» Europas zu erfüllen. Deshalb müssen für eine europaweite Versorgung mit erneuerbaren Energien die bestehenden Stromspeicher durch innovative Technologien ergänzt werden. Eine gute Möglichkeit dafür bieten laut den IWB, den Vorreitern für umweltfreundliche Energieversorgung in der Schweiz, Power-to-Gas-Anlagen. Diese wandeln Strom aus erneuerbaren Energien in Wasserstoff um. Der Wasserstoff kann dann zum Beispiel in das Erdgasnetz weitergeleitet und dort direkt als Energie genutzt werden.

Eine weitere Möglichkeit ist, den Wasserstoff umzuwandeln in synthetisches Erdgas und dieses im Erdgasnetz zu speichern. Bei Bedarf könnte es anschliessend wieder in Strom umgewandelt und ins Netz abgegeben werden. Diese vielversprechende Technologie ist zwar noch in der Entwicklung. Einzelne Anlagen sind jedoch bereits im Testbetrieb vorhanden und weitere im Bau.

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Quelle: IWB (Industrielle Werke Basel), Text: Bianca Sellnow