Energie speichern: Wird die Schweiz zur Strombatterie Europas?

Die Energieversorgung soll möglichst bald in grösserem Umfang mit erneuerbaren Ressourcen möglich sein. In Europa könnte die Schweiz dabei eine wichtige Rolle spielen und unregelmässig anfallende Wind- und Sonnenenergie in Pumpwasser-Kraftwerken speichern. Die Technik zum Transport der Energie von der Nordsee oder von Südeuropa her ist vorhanden.

Schweizer Wasserkraftwerke liefern Strom.
Die Wasserkraft als erneuerbare Energie spielt in der Schweiz eine wichtige Rolle. Foto: Zoonar RF / Zoonar / Thinkstock
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Wind von der Nordsee, Sonne aus der Wüste - gespeichert im Wasser einheimischer Stauseen: So könnte die Energiezukunft der Schweiz aussehen. «Die Versorgungssicherheit muss künftig mit erneuerbaren Energien gewährleistet werden», betont Sabine von Stockar, Umwelt- Naturwissenschaftlerin und Projektleiterin Strom&Atom bei der Schweizerischen Energie-Stiftung SES. Bisher sehe das aber nicht gut aus: «Die Schweiz hat dem steigenden Stromverbrauch mit verschränkten Armen zugeschaut. Elektrizitätswerke investieren nach wie vor in Kohle- und Gas-Kraftwerke im Ausland und haben drei Gesuche für neue Atomkraftwerke in der Schweiz eingereicht.»

Markus Küng, Leiter Netze und Mitglied der Geschäftsleitung IWB, zeigt den Systemwandel auf: «Heute werden herkömmliche Energieträger wie Steinkohle, Uran, Erdgas zum Kraftwerk transportiert. Bei Wind und Sonnenenergie müssen die Kraftwerke jedoch bei den Energiequellen errichtet werden. Der Transport der Energie wird sich dadurch vermehrt in die Netze verschieben.» Was heisst das? «Ein Grossteil der sauberen Energie wird künftig weit weg von den Verbraucherinnen und Verbrauchern erzeugt und dort ins Netz eingespiesen.»

Atomkraftwerke ersetzen

Sabine von Stockar und Markus Küng sind sich einig, dass für die Energieversorgung unseres Landes in erster Linie die erneuerbaren Energien in der Schweiz genutzt werden sollen. Die SES-Fachfrau ist überzeugt, «dass sich damit die drei ältesten Atomkraftwerke ersetzen lassen, die bis 2020 abgestellt werden müssen». Erneuerbare Energie und alte Kleinkraftwerke, die effizient umgebaut und wieder in Betrieb genommen werden, führen zu Wertschöpfungen in den Regionen. Erst in einem zweiten Schritt soll die Schweiz gemäss Sabine von Stockar erneuerbare Energie aus dem Ausland beziehen. Dafür aber braucht es zuverlässige nationale und länderübergreifende Stromnetze. Eine geeignete Technik ist die Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ), die Stromtransporte über Tausende von Kilometern mit geringen Netzverlusten erlaubt. Die Schweiz könnte dann zur Strombatterie Europas werden, indem sie mit den grossen Speicherkapazitäten ihrer Wasserkraftwerke zum Ausgleich der schwankenden Stromproduktion aus erneuerbaren Energien beiträgt.

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