Der Weg in eine erneuerbare Energiezukunft

Sonne, Wasser, Wind, Biomasse, Holz, Umweltwärme und Geothermie: Die erneuerbaren Energien sind aus ihrem Schattendasein herausgetreten und leisten einen immer grösseren Beitrag an die Energiezukunft der Schweiz.

Der im Bau befindliche Offshore-Windpark BARD OS 1
Der im Bau befindliche Offshore-Windpark BARD OS 1. Foto: Bard-offshore
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Geht es um erneuerbare Energien, dominieren die positiven Zahlen. Wachstumsraten im zweistelligen Prozentbereich, gar Verdoppelungen, prägen die aktuelle Entwicklung. So vergrösserte sich der globale Markt für Fotovoltaik 2010 um 100 Prozent. Die zusätzlichen 16 Gigawatt Leistung entsprechen der Kapazität von acht grossen Atomkraftwerken. Die drei grössten Solarstromunternehmen der Welt erzielen mittlerweile je Umsätze von über zwei Milliarden Dollar. Bei der Windkraft liegt die globale Zunahme bei 20 Prozent. In der Schweiz wurden 2010 die Windparks auf dem Mont Crosin, dem Gütsch und in Le Peuchapatte ausgebaut. Mit diesem Rekordzuwachs erhöhte sich die erwartete Produktion von 27 Millionen Kilowattstunden auf 74 Millionen Kilowattstunden.

Damit ist der Erfolgsmeldungen nicht genug: 2010 wuchs die Zahl der Solarwärmeanlagen auf Schweizer Dächern um 15.000 auf 85.000. Sie belegen nun eine Fläche von 800.000 Quadratmetern und sparen jährlich Zehntausende von Litern Heizöl und fast 100.000 Tonnen CO2. Geheizt wird wieder vermehrt mit dem nachwachsenden Rohstoff Holz. Er deckt heute 4 Prozent des schweizerischen Gesamtenergieverbrauchs ab. Vor dreissig Jahren waren es noch 1,5 Prozent. Und als im Januar 2011 die grösste Biogasanlage der Schweiz in Münchwilen (TG) ihren Betrieb aufnahm, verdoppelte sich die inländische Produktion auf einen Schlag. Der regionale Gasbedarf kann nun von Frühling bis Herbst mit Biogas gedeckt werden, nur im Winter braucht es noch Erdgas.

Hinter den Erfolgszahlen steckt die unbestreitbare Tatsache, dass die erneuerbaren Energien den Durchbruch geschafft haben. Angesichts tiefer Öl- und Gaspreise und scheinbar ewiger Verfügbarkeit dieser fossilen Energieträger waren Sonnenkollektoren, Solarpanels, Windräder und Kleinwasserkraftwerke jahrzehntelang als unwirtschaftlich, technisch unausgereift und utopisch belächelt worden. Doch nun bringt das Bundesamt für Energie den Paradigmenwechsel auf den Punkt: «Die Zukunft gehört den erneuerbaren Energien.»

Versorgung zu 100 Prozent erneuerbar

Zu den erneuerbaren Energien gehören alle nicht fossilen und nicht nuklearen Energieträger. Schon seit über 100 Jahren nutzen wir die erneuerbare Wasserkraft in Fluss- und Speicherkraftwerken. Neue erneuerbare Energien sind Sonne, Wasser, Wind, Biomasse, Holz, Umweltwärme und Geothermie. Ihr Potenzial ist unerschöpflich. Ausserdem lösen erneuerbare Energien ein zentrales Umweltproblem: Bei ihrer Nutzung wird kein fossiles und damit klimaschädliches CO2 freigesetzt. Verbrennen wir beispielsweise Holz, gerät nur jenes CO2 zurück in die Umwelt, das zuvor beim Wachstum eines Baumes mittels Fotosynthese gebunden wurde.

Bereits 2007 stammten 55,6 Prozent des Schweizer Stroms aus erneuerbaren Quellen, wobei der überwiegende Teil in Wasserkraftwerken produziert wurde. Möglich wäre jedoch eine Versorgung zu 100 Prozent. Eine Studie des Beratungsbüros Infras (www.infras.ch) kam 2010 zum Schluss, dass mit erneuerbarer Energie «dieselbe energetische Wirkung» erzielt werden kann wie mit dem Bau neuer Grosskraftwerke. Voraussetzung dafür wäre eine höhere Energieeffizienz, sprich Technologien und Anwendungen, die für den gleichen Nutzen möglichst wenig Energie verbrauchen. Gerade auf diesem Gebiet steckt ein riesiges Potenzial: Wir verbrauchen täglich bis zu 40 Prozent Energie, die mit effizien¬terer Technologie eingespart werden könnte. Dies entspricht jährlich 10 Milliarden Franken, die wir zurzeit zu viel ausgeben.

Die erneuerbaren Energien selbst haben ihre Wirtschaftlichkeit längst bewiesen. Dass Solarzellen für ihre Herstellung mehr Energie verbrauchen, als sie selbst je herstellen, ist ein energiepolitisches Ammenmärchen. Eine moderne Fotovoltaikanlage produziert die Menge Energie, die für ihre Herstellung benötigt wurde, in weniger als drei Jahren - und das bei einer Lebensdauer von über 30 Jahren. Ausserdem erhöht sich der Wirkungsgrad laufend. Bereits sind Forscher des Fraunhofer-Instituts daran, für einfach herzustellende grossflächige Solarzellen aus Silizium die magische 20-Prozent-Grenze zu durchbrechen.