Biomasse: Umweltfreundliche Energie aus Abfällen

In Biomasse steckt noch jede Menge ungenutztes Potenzial. Viele Schweizer Energieversorger erkennen das inzwischen und so nimmt die Zahl der Biogasanlagen stetig zu. So zum Beispiel im Raum Basel: Dort werden bereits 800 Haushalte und Unternehmen mit klimafreundlichem Biogas versorgt.

Biomasse ist eine wichtige umweltfreundliche Energiequelle aus Abfällen
Biomasse kann unter anderem aus Küchenabfällen bestehen. Foto: IWB / Christian Flierl
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Vom Küchenabfall bis zum Pferdemist – aus «Biomasse» kann umweltfreundlich Strom, Wärme und Brennstoff gewonnen werden. Auf diese Weise werden Abfälle weiterverwertet und die Umwelt geschont.

Wie aus Biomasse Energie wird

Um organische Abfälle für die Energieversorgung zu nutzen, werden sie in einen sogenannten Fermenter gefüllt. Sauerstoffleer, dunkel und warm muss es darin sein, damit Mikroorganismen einen Gärungsprozess in Gang setzen können. Bei 55 bis 66 Grad Celsius zerfällt die Biomasse so im Laufe von 15 bis 20 Tagen und gibt dabei Biogas ab. Das verbleibende Material wird zu Kompost und Dünger weiterverarbeitet.

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Biomasse kann neben Holzresten und Gülle aus unseren Haushaltsabfällen bestehen. Foto: © IWB / Christian Flierl

Biomasse kann neben Holzresten und Gülle aus unseren Haushaltsabfällen bestehen. Foto: © IWB / Christian Flierl

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Das gewonnene Biogas kann zur Erzeugung von Wärme und Strom genutzt werden. Alternativ wird es durch Reinigung und Verdichtung zu Erdgasqualität aufbereitet und ist dann fürs Kochen, zum Heizen oder als Treibstoff verwendbar.

Für die Schweizer Energieversorgung wird Biomasse immer wichtiger. 2010 stieg die Anzahl an Biogasanlagen auf knapp 100 Stück. Angesichts des enormen Potenzials von Biomasse könnten Politik und Industrie deren Nutzung aber noch stärker vorantreiben. Mehr als 20 Millionen Tonnen organische Abfälle fallen jährlich an. Für die Energiegewinnung genutzt wird erst ein Bruchteil davon.

Nicht jede Art von Biomasse ist sinnvoll für Mensch und Umwelt

Bei der Verarbeitung von Biomasse tritt nur so viel CO2 aus, wie zuvor in den pflanzlichen Stoffen gebunden war. Deshalb wird sie als klimafreundliche Energiequelle betrachtet. Sinnvoll ist die Energiegewinnung aus Biomasse allerdings vor allem, wenn es sich bei den verarbeiteten Materialien um Abfälle handelt. Umstritten ist der Nutzen jedoch, wenn Energiepflanzen an Stelle von Nahrungsmitteln angebaut, oder Wälder zur Gewinnung von Biomasse gerodet werden. Der Bund hat deshalb festgelegt, dass in der Schweiz ausschliesslich Bio- und Grünabfälle für die Produktion von Biogas verwendet werden dürfen.

Mit Bioabfällen Bus fahren

Wie viel Potenzial in Energie aus Biomasse steckt, zeigt die Energieversorgung des öffentlichen Verkehrs in Basel. Die Gas-Busse der Basler Verkehrs-Betriebe fahren zu 50 Prozent mit Biogas, das ausschliesslich aus Bioabfällen der Region gewonnen wird.

 

Vorbild Basel: Biomasse versorgt schon 800 Haushalte und Unternehmen mit Energie

Die IWB (Industrielle Werke Basel) treiben seit Jahren die umweltfreundliche Energieversorgung der Region voran und setzen dabei seit 2006 auch auf Biomasse. Dazu sind die IWB an der Biopower Nordwestschweiz AG beteiligt, einem Biogas-Unternehmen, das mehrere Anlagen in der Nordwestschweiz betreibt.

Die grösste Biogasanlage befindet sich unweit von Basel in Pratteln. Dort werden jährlich 15.000 Tonnen Bioabfälle verarbeitet. Sie stammen allesamt aus dem Basler Raum, denn um die Umwelt zu schonen, werden die Transportwege so kurz wie möglich gehalten. Mehr als die Hälfte des Biomülls stammt aus privaten Haushalten und von Gartenbaubetrieben. Die verbleibenden 40 Prozent liefern die Nahrungsmittelindustrie, Restaurants und Grossküchen.

Biomasse liefert umweltfreundlichen Strom aus Abfällen

So wandelt eine Biogasanlage die Biomasse in Energie um.

Wie in anderen Biogasanlagen wird auch in Pratteln die Biomasse zuerst zum Gären gebracht. Das daraus gewonnene Biogas wird durch Reinigen und Verdichten aufbereitet. Anschliessend kann es in das Erdgasnetz eingespeist werden. Durch das gut ausgebaute Netz versorgen die IWB so nicht nur Basel-Stadt, sondern auch 28 weitere Gemeinden in den Kantonen Basel-Land, Solothurn und Aargau mit Bio- und Erdgas.

Und die IWB bauen die Energieversorgung mit Biomasse weiter aus. Das liegt nicht zuletzt daran, dass Biogas bei den Verbrauchern gut ankommt und immer mehr Kunden ihre Energie aus einer umweltfreundlichen Quelle beziehen möchten. Um der steigenden Nachfrage weiterhin gewachsen zu sein, soll die Biogasanlage Pratteln ausgebaut und auf die doppelte Kapazität aufgerüstet werden. Neben den bisherigen drei Anlagen in Pratteln, Ormalingen und Liesberg ist der Bau von weiteren Anlagen  geplant.

Wie viel Energie steckt in Bioabfall?

Eine Tonne Biomüll liefert 130 Kubikmeter Biogas. Das entspricht etwa 70 Litern Benzin. Auf kleinen Massstab übertragen bedeutet das: Um mit einem PKW ungefähr einen Kilometer weit zu fahren, sind 20 Bananenschalen nötig.

 

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Quelle: IWB (Industrielle Werke Basel),Text: Leena Heinzelmann