Energieetikette für Personenwagen: wenig greifende Massnahme

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Energieetiketten für Personenwagen sind eine freiwillige Massnahme der Politik, die Schweizer zum Kauf eines energieffizienten Autos zu animieren.

Neben dem Wohnen ist die Mobilität ein Bereich, der grosses Energie-Einsparpotenzial hat. Die Politik setzt auch hier auf freiwillige Massnahmen. So werden finanzielle Vorteile beim Kauf eines energieeffizienten Fahrzeugs geschaffen, indem einige Kantone die Motorfahrzeuge dafür reduzieren oder auf deren Besteuerung verzichten. Zudem gibt es seit dem 1. August die verbesserte Energieetikette für Personenwagen. Seit März 2003 muss die Energieetikette für Personenwagen gut sichtbar bei jedem zum Verkauf angebotenen Neuwagen angebracht sein. Die Energieetikette unterteilt die Personenwagen in sieben Effizienzkategorien von A bis G. A steht für ein energieeffizientes, G für ein vergleichsweise ineffizientes Fahrzeug. Neu werden der absolute Treibstoffverbrauch und damit die CO2-Emissionen bei der Einteilung der Fahrzeuge in die Energieeffizienz-Kategorien stärker gewichtet. Bisher war der absolute Treibstoffverbrauch zu rund 60 Prozent massgebend. Zu rund 40 Prozent hing die Einteilung von einem relativen Wert (Quotienten aus Treibstoffverbrauch und Leergewicht) ab. Bei der verbesserten Etikette wird aber der relative Anteil auf 30 Prozent reduziert und der absolute Anteil auf 70 Prozent erhöht. «Die Energieetikette erfasst neu auch alternative Antriebe wie Elektrofahrzeuge und sie wird künftig jährlich dem neusten Stand der Technik angepasst», heisst es zudem beim Bundesamt der Energie anlässlich der Verabschiedung der neuen Energieetikette. Mehr Informationen zur verbesserten Energieetikette finden Sie im Artikel: «Neue Energie-Etikette für Personenwagen tritt in Kraft».

Die parlamentarische Gruppe «Peak Oil» zweifelt an der Klimapolitik der Schweiz und moniert, dass die freiwilligen Massnahmen wie die Energieetikette beim Personenwagen nicht weit genug gehen. Am Beispiel der Energieeffizienz von Personenwagen zeigt sie auf, dass es mehr braucht: «Die Schweiz stellt die klimaschädlichste Neuwagenflotte Europas. So hat 2007 ein Neuwagen in der Schweiz im Durchschnitt rund 180 Gramm CO2 pro Kilometer ausgestossen. In der Europäischen Union waren es unter 160 Gramm CO2 pro Kilometer. Statt der anvisierten 14,2 Mio. Tonnen CO2 aus Treibstoff-Emissionen fielen in der Schweiz im Jahr 2008 deren 17,7 Mio. an», äussert sich die Gruppe «Peak Oil» gegenüber swissinfo.ch zu den wenig greifenden Massnahmen.

Die Umweltorganisation Greenpeace schlägt ihrer Meinung nach effektivere Regelungen wie beispielsweise die Einführung von handelbaren Verbrauchergutschriften für Neuwagen vor. Dabei müsse der Bund ein Ziel festlegen, wie etwa die Senkung des CO2-Ausstosses von 178 auf 170 Gramm pro Kilometer CO2 im ersten Jahr. Wer ein Auto kauft, das nur 160 Gramm CO2 pro km ausstösst, erhält für jedes Gramm unter dem Richtwert eine Gutschrift. Der Käufer eines Neuwagens mit einem CO2-Ausstoss von 180 Gramm CO2 pro Kilometer muss hingegen Gutschriften erwerben. So wird der Durchschnitts-Zielwert eingehalten.


Massnahmen für mehr Energieeffizienz::

  • Für den Automausstieg der Schweiz braucht es wichtige Massnahmen wie eine Erhöhung der Energieeffizienz in den Bereichen Gebäude und Mobilität.
  • Energiesparen ist technisch möglich. Das Pilot-Projekt der 2000-Watt-Gesellschaft in Basel erprobt Nachhaltigkeitstechnologien am Bau wie die erste Nullenergie-Sanierung der Welt. Mehr Informationen zu den Projekten finden Sie auf www.novatlantis.ch.
  • Doch Energiesparen ist politisch und gesellschaftlich eine Herausforderung. Freiwillige Massnahmen und Förderprogramme greifen zu wenig.
  • Im Bereich Wohnen fördert das Gebäudeprogramm (mehr Informationen dazu finden Sie unter www.demande-subvention.ch/index.php/de) die Investitionen in mehr Energieeffizienz. Doch die Erfolge beim energieeffizienten Bauen wurden durch die Zunahme der Wohnflächen vollumfänglich aufgefressen.
  • Für mehr Energieeffizienz im Bereich Mobilität wurde die Energieetikette für Personenwagen verabschiedet. (Mehr Informationen hierzu finden Sie unter www.energieetikette.ch). Dennoch stossen Neuwagen in der Schweiz 10 Gramm mehr CO2 pro Kilometer aus als neue Personenwagen in Europa.
  • Die Umweltorganisation Greenpeace fordert die Einführung von handelbaren Verbrauchergutschriften für Neuwagen.

 

 

Quellen: die-energie-bin-ich.ch, swissinfo.ch, blogs.ethz.ch, bfe.admin.ch, www.demande-subvention.ch, Text: Lea Schwer