Atomausstieg: Energieeffizienz ist Herausforderung für die Schweiz

Laut einer Studie der ETH Zürich ist der Atomausstieg bis 2050 technisch möglich und wirtschaftlich verkraftbar. Auf dem Weg dahin sind aber einige Schritte nötig wie mehr Energieeffizienz. Dies erweist sich als eine grosse Herausforderung für die Schweizer Bevölkerung und Politik.

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Für ein energieeffizientes Wohnen werden Solaranlagen auf ein Hausdach montiert. Foto: © Elenathewise / iStock / Thinkstock
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Seit Mai dieses Jahres, nach den Ereignissen in Fukushima, ist eine Schweiz ohne Atomstrom Ziel des Bundesrates. Der angekündigte Atomausstieg auf Raten bis ins Jahr 2035 löste hitzige Debatten und Diskussionen über die Umsetzbarkeit dieses Vorhabens aus. Wirtschaftskräfte befürchten, eine Schweiz ohne Atomenergie schade der Wirtschaft und Energieunternehmen sorgen sich um die Versorgungssicherheit der Schweiz mit Strom. Nun zeigt eine Studie der ETH Zürich, durchgeführt und verfasst von der Forschergruppe des Energy Science Center (ESC), dass der Atomausstieg bis ins Jahr 2050 technisch möglich und wirtschaftlich verkraftbar ist. Um ganz auf Kernkraft verzichten zu können, braucht es bestimmte Massnahmen. Erneuerbare Energien müssen stärker gefördert werden, ergänzt mit Gaskombikraftwerken (Energiegewinn durch Verbrennung von Erdgas), ein Aus- und Umbau des Stromnetzes und eine höhere Energieeffizienz sind weiter anzugehen. «Die Energieeffizienz ist massgeblich im Gebäudebereich und bei der Mobilität zu erhöhen. In diesen beiden Sektoren liegt denn auch das grösste Energiesparpotenzial. Dessen Ausschöpfung durch wirksamere Technologien bewirkt eine deutliche Verringerung der CO2-Emissionen und des Ressourcenverbrauchs», heisst es in einer These der ETH-Studie zur Energiezukunft der Schweiz.

Energieeffizienz ist nicht einfach umzusetzen

Energiesparen ist angesagt. Bisher hat die Politik auf freiwillige Massnahmen wie dem Gebäudeprogramm gesetzt. Dabei unterstützt der Bund schweizweit energetische Sanierungen bei Ein-oder Mehrfamilienhäuser mit Fördergeldern und Kantone geben Zusatzförderungen beim Einsatz von erneuerbare Energien für die Haustechnik. Auch die Energieetikette bei Neuwagen, welche Informationen zur Energieeffizienz von Personenwagen gibt, soll Käufer auf freiwilliger Basis zum Kauf eines energieeffizienten Autos animieren. Wie effektiv diese Massnahmen sind, wird in Frage gestellt. «Ich fürchte, dass das modische Wort «Energieeffizienz» die Energiepolitiker noch immer blendet, obwohl die Energiesparpolitik der vergangenen 35 Jahre ihr Ziel nicht erreicht hat. Die grossen Erfolge beim energieeffizienten Bauen zum Beispiel wurden durch die Zunahme der Wohnflächen vollumfänglich aufgefressen. Energiesparen ist erstrebenswert, technisch leicht möglich, volkswirtschaftlich kein grosses Problem, aber politisch und gesellschaftlich eine riesige Herausforderung», meint etwa Prof. Daniel Spreng (emeritierter Professor, forscht in den Bereichen Energiewirtschaft und Energieanalyse) im ETH-Klimablog zum geplanten Atomausstieg.

Zunahme der Wohnfläche mindert Erfolge beim energieeffizienten Bauen

Energieeffizientes Wohnen kann nach Prof. Daniel Spreng leicht umgesetzt werden. Beispiele hierfür leistet das Pilot-Projekt «2000-Watt-Gesellschaft» (betreut von Novatlantis, welche die neusten Erkenntnisse und Resultate aus der Forschung im ETH Bereich für eine nachhaltige Entwicklung umsetzt) in der Region Basel. Gemeinsam mit Wirtschaftspartnern und Behörden errichtet Novatlantis Pilot- und Demonstrations-Projekte, um Nachhaltigkeitstechnologien am Bau zu erproben und für einen breiten Markteinsatz zu optimieren. Dazu gehört auch die erste Nullenergie-Sanierung der Welt. In der Innenstadt von Basel wurden zwei über 100 Jahre alte Häuser so saniert, dass sie mehr Energie produzieren, als sie für Heizung, Lüftung und Hilfsenergie verbrauchen. Ist das Gebäude energieeffizient wärmegedämmt und ausgebaut, kann die Sonnenenergie dank installierter Solaranlagen das Gebrauchswasser aufwärmen und mit einer Photovoltaikanlage wird die gesamte Haustechnik, vor allem die kleine Wärmepumpe-Heizung, betrieben.

Doch die Anstrengungen beim energieeffizienten Wohnen, auch gefördert durch das Gebäudeprogramm des Bundes und der Kantone, verpuffen durch die Zunahme der Wohnfläche pro Person in den letzten Jahren. Waren es 1980 noch 34 Quadratmeter Wohnfläche pro Person, stieg die Zahl bis ins Jahr 2000 auf 44 Quadratmeter pro Person. «Die Komfortansprüche der Menschen haben die technischen Errungenschaften wieder zunichte gemacht», sagt Hansruedi Kunz, Leiter der Abteilung Energie im Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft des Kantons Zürich. Eine grössere Wohnfläche verursacht einen höheren Energieverbrauch, denn mit mehr Raumfläche hat auch die Zahl an Beleuchtungskörper zugenommen.

Prof. Dr. Rolf Wüstenhagen von der HDG spricht im Videointerview über den Ausstieg der Schweiz aus der Atomindustrie und die über erneuerbare Energien.