Alternativen zu Gas und Öl: So gelingt der Umstieg auf erneuerbare Energie

Die Preise an der Tankstelle sowie fürs Heizen mit Öl oder Gas klettern in Windeseile in die Höhe. Der Umstieg auf erneuerbare Energien wie Wärmepumpe, Holzheizung oder Solarthermie drängt nun nicht mehr nur von Seiten der Umwelt, sondern auch aus finanziellen Gründen. Wie du schnellstmöglich auf nachhaltige Energiequellen umsteigst.

Gas Pipeline bei Sonnenuntergang
Auf erneuerbare Energien zu setzen lohnt sich für Umwelt und Portemonnaie. © onurdongel / E+
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Das Wichtigste in Kürze:

  • Öl und Gas werden aufgrund des Angriffskriegs in der Ukraine immer teurer.
  • Die Schweiz ist unter anderem von russischem Öl und Gas abhängig.
  • Knapp die Hälfte des Gases, das wir nutzen, stammt aus Russland.
  • Mit einer Wärmepumpe, Holzheizung oder Solaranlage bist du unabhägig von Gas- und Heizölpreisen. Mehr zu den Alternativen
  • Um einen Umstieg zu planen, kannst du die lokale Energieberatung kontaktieren. Zur Schritt-für-Schritt-Planung
  • Sogenannte GEAK-Experten helfen dir bei der Beantragung von Klimaprämien.
  • Wer zur Miete wohnt, kann mit unseren Energiespartipps Kosten und Umweltbelastung herunterfahren. Zu den Tipps

In Form steigender Öl- und Gaspreise merken wir auch in der Schweiz die Auswirkungen des Angriffskrieges in der Ukraine. Die Benzinpreise übersteigen zunehmend die 2-Franken-Marke und Heizöl ist mit teilweise 160 Franken pro 100 Liter so teuer wie noch nie.

Neben dem voranschreitenden Klimawandel ein weiteres Zeichen dafür, dass es höchste Zeit wird, sich von fossilen Energieträgern und deren Produzenten unabhängig zu machen.

Warum wir noch auf Öl und Gas angewiesen sind

Wie sehr wir aktuell noch von Gas und Öl abhängen, fällt beim Blick auf die Zahlen schnell auf. Die Heizölnutzung geht hierzulande zwar konstant zurück. Trotzdem werden laut dem Bundesamt für Statistik (BFS) noch immer circa zwei Drittel der Gebäude mit fossilen Energieträgern, also Öl und Gas, beheizt. Rund 40 Prozent des Gases, das in der Schweiz verbraucht wird, dient der Wärmeerzeugung in Haushalten.

Die Schweiz ist abhängig von Öl- und Gasimporten

Doch Gas- und Ölvorkommen gibt es in der Schweiz nicht. Für das Heizen sowie die Mobilität sind wir von Erdöl- und Gasimporten abhängig. Ersteres wird hierzulande grösstenteils aus Nigeria, den USA und Libyen bezogen und in der einzigen Raffinerie der Schweiz in Cressier (NE) zu Benzin, Diesel und Heizöl weiterverarbeitet.

Doch die Schweiz ist auch von Russland abhängig. Denn Heizöl & Co. werden zusätzlich als Fertigprodukte importiert, vor allem aus Deutschland – wo wiederum viel russisches Öl verarbeitet wird.

Beim Gas stehen wir sogar in einer direkten Abhängigkeit zu Russland. Denn knapp die Hälfte des Gases (47 Prozent) bezieht die Schweiz laut Gazenergie.ch von dort.

Die Versorgung mit Erdöl und Gas ist zwar nicht gefährdet, wie Energie 360° berichtet, doch die Sanktionen des Westens werden sich auch in Zukunft an hohen Preisen bemerkbar machen.

Ein Wandel muss her – auch fürs Klima

Nicht nur steigende Preise für Gas und Öl drängen jetzt dazu, sich von der Abhängigkeit fossiler Energien und Importländern zu lösen. Auch der Klimawandel fordert einen schnellen Umstieg auf erneuerbare Energien.

Die gute Nachricht: Hier müssen wir keineswegs bei null anfangen. Bei Sanierungen werden Ölheizungen hierzulande zunehmend durch Wärmepumpen ersetzt. 2021 wurden über 33'000 Wärmepumpen verkauft, was einen neuen Höhepunkt markiert. Aber auch Holzenergie und Solarthermie sind auf dem Vormarsch.

Zu diesem Wandel drängt nicht zuletzt die Zielsetzung des Bundes, dass wir in der Schweiz ab 2050 unterm Strich kein CO2 mehr auszustossen.

Doch die Umstellung auf Wärmepumpe, Solaranlage oder Holzheizung klappt nicht von heute auf morgen, sondern braucht Planung.

Schritt für Schritt: Die Umstellung auf Heizsysteme mit erneuerbaren Energien

Wer auf erneuerbare Energien setzen möchte, muss zunächst die verschiedenen Möglichkeiten kennen. Jedes Gebäude ist anders und bringt damit unterschiedliche Voraussetzungen mit, was die Umstellung auf Wärmepumpe & Co. angeht.

Schritt: Energieberatung einholen

Als erste Anlaufstelle dienen regionale und lokale Energieberatungen. Sie können Auskunft darüber geben, welche kantonalen Energievorschriften es gibt und mit welchen Förderbeträgen du bei einer Umstellung rechnen kannst. Um eine Beratungsstelle zu finden, gibst du einfach bei Energie Schweiz deine Postleihzahl ein und erhältst eine Liste mit Energieberatungen in deiner Umgebung. In der Regel ist eine telefonische Erstberatung kostenlos.

Schritt: Einschätzung von Experten vor Ort

Eine Energieberatung vor Ort gibt Aufschluss darüber, welche Möglichkeiten für dein Haus bestehen. Auf der Suche nach einer Energieberatung stösst du früher oder später auf den Gebäudeenergieausweis der Kantone (GEAK). Die GEAK-Experten bieten dir eine individuelle Beratung vor Ort an.

Das ist dann sinnvoll, wenn du den Ist-Zustand deines Hauses aufdecken möchtest und wissen willst, welche Sanierung sich lohnen würde. Hier findest du GEAK-Experten in deiner Nähe.

Schritt: Gebäudeausweis erstellen und Zuschüsse beantragen

Auf Wunsch erstellen GEAK-Experten auch einen schweizweit einheitlichen Gebäudeenergieausweis. Dieser ist in den meisten Kantonen freiwillig, hilft jedoch dabei, die optimalen Sanierungsmöglichkeiten aufzudecken.

Laut Energieheld Schweiz zahlst du für einen solchen Ausweis (bei einem Einfamilienhaus) etwa 800 Franken.

GEAK-Experten erstellen nicht nur einen Gebäudeenergieausweis, sondern helfen auch bei der Beantragung von Zuschüssen. Du kannst jedoch schon im Vorhinein erfahren, mit welcher finanziellen Unterstützung du bei der Umrüstung rechnen kannst. Bei Energiezukunft Schweiz kannst du ausrechnen, wie hoch eine Klimaprämie ausfallen würde.

Alternativen, die sich kurzfristig umsetzen lassen

Wer schnell handeln möchte, kann beispielsweise Solarzellen auf dem Dach anbringen lassen. Denn eine Solarthermieanlage lässt sich optimal mit bestehenden Heizsystemen wie einer Gasheizung kombinieren. Schon eine kleine Anlage kann bis zu 20 Prozent des Heizbedarfs decken.

Welche Möglichkeiten haben Mieterinnen und Mieter?

Für Mehrfamilienhäuser ist insbesondere Fernwärme eine nachhaltige Alternative zu Gas und Öl. Hierbei wird überschüssige Wärme aus der Industrie für die Beheizung genutzt.

Wenn du jedoch zur Miete wohnst, hast du bei der Wahl der Heizungsart nicht viel mitzureden. Was du aber immer tun kannst, ist Energie sparen. Schon vermeintlich kleine Details wie die Temperatur, mit der du deine Wäsche wäschst, haben einen grossen Einfluss auf deinen Verbrauch – und damit auch auf die Umwelt und das Portemonnaie.

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